PRO und CONTRA

PRO und CONTRA

KI in der Kultur

Zur Entfaltung des Meinungsstreits hat die Rote Fahne zwei Autoren unabhängig von einander gebeten, zu diesem Thema zu schreiben - der eine für den Einsatz von "KI" in der Kultur, der andere dagegen. Beide Autoren haben exakt die gleiche Wortzahl zur Verfügung. Beide leben ihre jeweilige Position - der eine nutzt "KI" in seiner kulturellen Arbeit, der andere verzichtet völlig auf sie.

KI in der Kultur

PRO

KI – Werkzeug statt Ersatz: Warum sie kreatives Schaffen bereichern kann

Kreativität entsteht im Menschen. Ideen, Erfahrungen, Gefühle und Überzeugungen lassen sich nicht von einer Maschine erzeugen. Künstliche Intelligenz kann diese menschliche Schöpferkraft deshalb nicht ersetzen. Sie kann sie aber sinnvoll unterstützen.

 

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Ich nutze KI bei der Gestaltung von Liedtexten und Musikprojekten. Die eigentliche Idee, das Thema und die politische Aussage stammen von mir. Die KI hilft mir dabei, Formulierungen zu finden, verschiedene Stilrichtungen auszuprobieren oder einen Text sprachlich zu verbessern. Oft entstehen mehrere Varianten, aus denen ich auswähle oder die ich weiterbearbeite. Am Ende entscheide immer ich, welche Fassung meinen Vorstellungen entspricht.

 

Gerade in der Kulturarbeit eröffnet das neue Möglichkeiten. Historische Ereignisse können musikalisch umgesetzt, internationale Solidarität durch Übersetzungen erleichtert oder unterschiedliche Musikstile ausprobiert werden. Dadurch wird Kulturarbeit vielfältiger und zugänglicher.

 

Natürlich gibt es auch Probleme. KI kann Fehler machen, Vorurteile übernehmen oder bestehende Werke nachahmen. Deshalb dürfen ihre Ergebnisse niemals unkritisch übernommen werden. Sie müssen geprüft, verändert und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Entscheidend bleibt der Mensch.

 

Wie jede technische Entwicklung ist auch die KI kein Selbstzweck. Sie kann für kommerzielle Interessen, Überwachung oder Manipulation missbraucht werden. Sie kann aber ebenso im Interesse der Menschen genutzt werden – um Wissen zugänglicher zu machen, Kreativität zu fördern und kulturelle Arbeit zu erleichtern.

 

Für mich ist KI deshalb weder Wundermittel noch Bedrohung. Sie ist ein modernes Werkzeug. So wie einst Schreibmaschine, Tonbandgerät oder Computer die Kulturarbeit verändert haben, eröffnet heute die KI neue Möglichkeiten. Entscheidend ist nicht die Technik selbst, sondern wer sie nutzt, zu welchem Zweck und mit welcher Verantwortung.

 

Wer eigene Ideen hat, kritisch denkt und die Ergebnisse bewusst gestaltet, kann mit KI seine Kreativität erweitern – nicht ersetzen.

 

Persönliche Anmerkung

Meine Erfahrungen mit KI haben mich überzeugt: Sie nimmt mir das Denken nicht ab, aber sie erweitert meine Möglichkeiten. Viele Ideen, die früher vielleicht nur als Notiz im Kopf geblieben wären, konnten wir zu Liedern, Texten oder Kulturbeiträgen weiterentwickeln. Für mich ist KI deshalb kein Ersatz für Kreativität, sondern ein Werkzeug, das kreatives Schaffen unterstützen und bereichern kann – vorausgesetzt, der Mensch behält immer die Verantwortung für Inhalt, Aussage und Ergebnis.

 

 

CONTRA

Für den Wert des eigenen Denkens und Fühlens

Ich halte generative „KI“ bei der Erstellung kultureller Werke – und damit sind gemeint literarische, bildende oder musikalische Werke – für schädlich; ihr Einsatz stumpft unsere Fähigkeiten ab, anstatt sie zu entwickeln.

 

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Dass „KI“ die Produktivität hier steigert, mag zwar zutreffen, ist aber ein fehlgeleiteter Ansatz. Es zählt nicht vor allem die Menge der Werke und die Geschwindigkeit, mit der man sie erstellt (beziehungsweise erstellen lässt). Es wäre vulgärmaterialistisch, kulturelle Werke lediglich an einer derart oberflächlichen Idee von der Produktivität und überhaupt den Maßstäben der industriellen Produktion zu messen. Produktivität ist gewiss die Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung, aber in gar keinem Fall der bestimmende Maßstab für jeden einzelnen gesellschaftlichen Prozess.

 

Der Zweck kultureller Werke ist Kommunikation. Sie prägen unsere kollektive Identität – unser gesellschaftliches Fühlen und Denken – und sind gleichzeitig ihr Ausdruck, Teil unseres kollektiven Denkprozesses und Empfindens. Folglich bestimmen sie auch unser kollektives Handeln mit. Deswegen geht es viel weniger darum, wie viele Werke geschaffen werden, als welche und zu welchem Zweck. Kommunikation macht ferner nur dann Sinn, wenn sie tatsächlich zwischen Menschen stattfindet.

 

Dabei geht es auch um den Erkenntnisfortschritt und die Entwicklung der Schöpferkraft. Schreibe ich über ein Thema – sei es belletristischer oder wissenschaftlicher Natur –, durchdenke ich es, und dieser Denkprozess hat Wert und Nutzen für mich und andere, weil er mein Verständnis der Sache vertieft und meinen Erkenntnishorizont erweitert. Gleichzeitig übe ich mich darin, denn was man tut, übt man – und was man nicht tut, nicht! Beauftrage ich eine „KI“ mit der Umsetzung einer Idee, sei das in Schrift, Bild oder Ton, liegt nichts Schöpferisches darin, dann lerne ich nichts und lehre ich nichts. Deswegen ist sie nicht einfach nur ein Werkzeug, durch dass ich meine Fähigkeiten effizienter nutzen kann.

 

Wer dann sagt, das sei nicht schlimm, weil die Menschheit mit dem technologischen Fortschritt stets Fähigkeiten verloren hat, die nicht mehr benötigt wurden, der will sich nur die konkrete Frage sparen, ob man diese Fähigkeit nicht braucht. Der soll sein Argument bitte zum logischen Schluss führen: Dann ist das Ende der Entwicklung unweigerlich die Überflüssigkeit des Menschen selbst.