Rostock
Hanse Sail ohne Krieg und Militär!
Unter dem Motto "Hanse Sail ohne Krieg und Militär!" protestierte das sich neu gebildete „Bündnis Aktionswoche Hanse Sail“ gegen die wachsende Militarisierung der Hanse Sail. Der abgebildete Sticker wurde überall in Rostock verklebt.
Zu diesem weltweit größten Treffen von Traditionsschiffen kommen jedes Jahr hunderttausende Besucher, die sich auf ein maritimes und friedliches Fest freuen. Doch ihnen werden immer mehr Kriegsschiffe präsentiert. So waren dieses Jahr von den etwas über 100 Schiffen der Hanse Sail rund 30 Kriegsschiffe (!), die in Warnemünde und auf dem Militärstützpunkt Hohe Düne öffentlich gezeigt wurden!
Sozusagen Kriegsmarine zum Anfassen: Darunter die Fregatte Brandenburg, die unter anderem bei der Flüchtlingsabwehr im Einsatz war und mit dem Kinder- und Jugendheim Trebbin in Brandenburg eine Patenschaft unterhält. Kinder durften sie bereits besuchen, inklusive Übernachtungsspaß und Ausfahrt auf See. Mit dabei auch die Korvette Braunschweig, die 200 Kilometer weit auf See- und Landziele schießen kann und im Einsatz vor der libanesischen Küste war, sowie das Seemannschaftsschulboot Nordwind, eigentlich ein Museumsstück, das immer noch herausgeholt wird, wenn es Glanz und Prunk der Bundeswehr zu feiern gilt.
In unserem Flyer kritisierten wir diese Anwesenheit von Kriegsschiffen und Karriere-Werbematerialien der Bundeswehr auf diesem friedlichen Seglerfest: „Die Militarisierung ziviler Veranstaltungen wie der Hanse Sail hat längst System. Mit Werbung auf Pizzakartons und Straßenbahnen, Einsatz-Übungen im öffentlichen Raum und familienfreundlichem Zelebrieren des ‚Tages der Bundeswehr‘ nimmt das Militär einen immer größeren Raum in unserem Alltag ein. Auch der Bildungsbereich bleibt nicht verschont: 58 Mio € stehen der Bundeswehr jährlich zur Verfügung, um an Universitäten und Schulen Veranstaltungen durchzuführen. Der Zweck dieser Vereinnahmung: Die nächste Generation soll kriegstüchtig gemacht werden.“ Dazu dient auch der neue Wehrdienst als erster Schritt zur Reaktivierung der Wehrpflicht. (...)
Im „Bündnis Aktionswoche Hanse Sail“ sind mehrere linke Jugendorganisationen u.a. Rote Jugend, Jugend für Sozialismus, Rebell, Olive Tree Collective, das Rostocker Friedensbündnis, DFG-VK und andere vertreten mit dem Ziel des Aufbaus eines antimilitaristischen Bündnisses in Rostock. Das Auftreten auf der Hanse Sail war die erste gut vorbereitete gemeinsame Aktion. Wir verklebten und verteilten tausende Sticks und Flyer und wollten vor allem mit den Leuten ins Gespräch kommen. Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Vielen wurde erst durch uns das Ausmaß der Militarisierung bewusst, sie äußerten ihre eigenen Sorgen wegen der aktuellen Hochrüstungspolitik und Kriegsgefahr. Manche drückten uns die Hand und wünschten weiter viel Erfolg. Eine Frau erzählte erleichtert, dass sie ihren Sohn endlich überzeugen konnte, sich nicht zum Wehrdienst zu melden. Hauptgegenargument einer Minderheit war, dass „wir uns doch verteidigen müssen“ und nur eine starke Armee Frieden sichern könne. Mit ihnen war ein sachliches Gespräch meist nicht möglich, einzelne hielten uns für „weltfremd“, da doch überall aufgerüstet werde.
Am 6. August zum Hiroshima-Tag verbanden wir unseren Protest mit der Erinnerung an die Atombombernabwürfe vor 81 Jahren. Dazu trugen wir Plakate für das Verbot aller Atomwaffen und dass jede Sekunde weltweit 3.768 Dollar für Atomwaffen ausgegeben werden. Unglaublich, wenn man sich vorstellt, wie viel Geld das ist. Und dass damit jede Sekunde die Atomkriegsgefahr wächst! Nur die Securty fand unseren friedlichen Protest nicht so gut. Als sich einige von uns mit ihren Plakaten der Fregatte „Brandenburg“ näherten, wurden sie sofort aufgefordert, den Platz zu verlassen und erhielten einen Platzverweis für die ganze Zeit der Hanse Sail! Auf dem „friedlichen“ maritimen Volksfest sind also die Themen Weltkriegsgefahr, Hochrüstung und Wehrpflicht unerwünscht. Umso wichtiger war unser antimilitaristischer Protest und die Aufklärungsarbeit!