Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt

Halle an der Saale: Mehrheit sagt "Nein" zu AfD-Stand in der City

Am Dienstagnachmittag versammelten sich anlässlich eines AfD-Infostandes um die 300 Menschen vor der Ulrichskirche in der Innenstadt von Halle – eine deutliche Mehrheit wart allerdings beim entschlossenen, überparteilichen Protest einige Meter weiter.

Korrespondenz

Angekündigt waren drei „Heilsbringer“ dieser faschistischen Partei, welche „das Land retten“ will. U. a. der ehemalige Manager, Vertriebsleiter und Wirtschaftspsychologe Siegmund, auf dessen Gesicht die Wahlkampagne „Vision 2026“ maßgeblich aufbaut. Deutlich kleinlaut, zumindest ohne wahrnehmbare Beschallung und hinter übergroßen Deutschlandfahnen, verkam ihr Auftreten zu einer Signierstunde für Anhänger:innen der Partei.

 

Die Teilnehmerschaft war geprägt von einem recht hohen Altersdurchschnitt und dazwischen faschistisch beeinflussten Jugendlichen mit militärischen Frisuren und teils expliziten faschistischen (und antikommunistischen) T‑Shirts. Die Organisator:innen vom bürgerlich-antifaschistischen „Bündnis gegen Rechts“ orientierten etwas einseitig auf die Einleitung eines Verbotsverfahrens und Parolen dominierten die Zeit über. 


Viele junge Menschen und Familien kamen zum bunten Protest. Eine Schwäche des Protestes war, dass nur Einzelne das Gespräch mit unentschlossenen, zweifelnden Menschen suchten. Immer wieder kamen AfD-Wähler:innen in die Nähe des Gegenprotestes, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Auffällig war bei den vielen Gesprächen insgesamt ein großes Bedürfnis über die eigenen Beweggründe zu sprechen. 


Eine Frau nannte ihr Gefühl von Unsicherheit angesichts von „Ausländerkriminalität“. Statistisch gesehen Unsinn, zeigt es jedoch, wie sehr die völlig verdrehte Einordnung der faschistischen Anschläge – so letztes Jahr in Magdeburg oder vor kurzem beim Berliner CSD – durch die AfD den Blick vernebeln kann. 

 

Ein Mann berichtete von seiner Selbstausbeutung in Selbstständigkeit und wie die Einschränkung der individuellen Freiheit – aber auch der politische Missbrauch – während der Corona-Pandemie ihn vom Staat entfremdete. Als Schlussfolgerung entschied er, „auszusteigen“ und möglichst nicht mehr arbeiten zu gehen. Die allermeisten widersprachen nicht, wenn der Karrierismus und die Korruption dieser Partei angesprochen wurden. Man solle sie aber machen lassen, damit überhaupt erstmal Ordnung hergestellt wird. 


Jedes Mal, wenn wir unseren Standpunkt („Wer AfD wählt, wählt Faschismus“) darlegten, empörten sich die Wähler:innen dieser Partei. Einerseits, weil sie die AfD mit ihrer demagogischen Wortwahl nicht als faschistisch wahrnehmen. Andererseits, weil besonders sie selbst nichts mit Faschismus zu tun haben wollen.


 Auch ein längeres Gespräch mit einem CDU-Mitglied aus Thüringen wurde geführt. Der Mann machte sich genau darüber Gedanken, was wirklich wirksam hilft gegen hohe Umfragewerte der AfD. Gerade auch angesichts der Anbiederung von SPD & Co. gegenüber dem antifaschistischen Protest, welche diesen ohne jegliche Selbstkritik als Allheilmittel darstellen. Dabei übernahm er aus einer gefühlten Defensive gegenüber der AfD faschistische Positionen zur Migration. Im Gespräch setzten wir klare Grenzen und verdeutlichten, dass eine moderne Wortwahl nichts am faschistischen Charakter dieser Partei ändert. Er nahm unsere Wahlzeitung, schien angetan von unserem Herangehen, und herzlich verabschiedeten wir uns im antifaschistischen Sinne. 


Ein sozialdemokratisch gesinnter Senior und eine Jugendgruppe hatten auch das große Bedürfnis, wieder und auch regelmäßig mit uns ins Gespräch zu kommen. Da trifft es sich sehr gut, dass eine Reihe von Gruppen und Einzelpersonen derzeit dabei ist, die Bundesweite Montagsdemobewegung ab dem 24. August auch wieder in unserer Stadt zu organisieren.