CSD
Größer und politischer denn je
Der faschistische Anschlag auf die Berliner Christopher-Street-Day-Demonstration am 25. Juli kostete einer Teilnehmerin das Leben und weiteren 30 Menschen teils sehr schwere Verletzungen. Die wahren Hintergründe bleiben weiter im Unklaren und viele Fragen bleiben offen.
Ob der islamistisch-faschistische Haupttäter allein gehandelt hat, warum die Sicherheitskräfte den als Gefährder Eingestuften gewähren ließen, warum schwer bewaffnete und geschützte Sonderkommandos ihn nicht verhafteten, sondern erschossen.
Es gibt in Deutschland mehr und deutlich politisierte CSDs, in großen, ebenso wie in vielen kleineren Städten. Überall finden Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen statt. „Wir brauchen Zeit zu trauern – aber tanken auch Kräfte zur Gegenwehr“ heißt es, und damit: „Jetzt erst recht!“
(…) „Es sind auch viele nicht-queere Menschen da, um ihre Solidarität zu zeigen.“ wurde nach dem Braunschweiger CSD resümiert. Auch in der tschechischen Hauptstadt Prag wurde eine Gedenkminute für die Opfer in Berlin zum Auftakt des dortigen CSD organisiert.
Vielfach wurde unterstrichen, dass es keineswegs nur islamistisch-faschistische Kräfte sind, die Lesben, Schwule und Transpersonen bedrohen. Die Gefahr kommt - bis hin zu Prügeltrupps - vor allem aus der faschistischen Szene und nicht zuletzt der AFD. Passend zu den bevorstehenden Landtagswahlen starteten verschiedene Kreisverbände und AFD-Abgeordnete eine Kampagne für einen „Stolzmonat“ anstelle des Pride-Monats: “Schwarz-rot-gold ist bunt genug“ heißt es.
Natürlich sollten wir uns nicht mit der symbolischen Grundgesetzerweiterung zum § 3 zufrieden geben, wonach auch die sexuelle oder geschlechtliche Identität besonders schutzwürdig sein sollte. Das verlangen Vertreterinnen und Vertreter von SPD, Linkspartei und Grünen schon lange und nach dem Anschlag in Berlin erneut. Blockiert wird das ausdrücklich vom frisch installierten CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Frei. Ein solcher Schritt „überfrachtet das Grundgesetz“ erklärte er und auch er will keine Regenbogenflagge über dem Reichstag sehen.
Um so wichtiger, dass Antifaschistinnen und Antifaschisten gemeinsam die Flagge für die Rechte gesellschaftlicher Minderheiten schwingen, die besonderer Diskriminierung ausgesetzt sind, und für Bündnisse auf Augenhöhe eintreten.