Hitze

Hitze

Extreme Dürre – allseitige ökonomische, ökologische und soziale Folgen

Rissige Böden, verdorrte Felder, ausgetrocknete Flussbetten und sinkende Grundwasserspiegel – die Dürre dieses Jahr ist schlimmer als 2003 oder 2018.

Von dr
Extreme Dürre – allseitige ökonomische, ökologische und soziale Folgen
Wo sonst die Fluten des Rheins fließen, "grüßt" jetzt Geröll. Der Mäuseturm bei Bingen, der sonst mitten im Strom im Wasser steht, liegt völlig trocken. Das Bild ist zwar von 2018, die Situation jetzt ist aber noch viel ausgeprägter (foto: Steffen 962 (CC BY-SA 4.0))

Besonders dramatisch ist die Lage im Süden und Osten Deutschlands. Seit zehn Jahren ist der Großteil aller Regionen Europas von extremer Dürre betroffen. Weltweit sind es 55 Millionen Menschen, von denen 20 bis 25 Millionen humanitäre Nahrungsmittelhilfe benötigen. Über 117 Millionen Menschen sind auch deswegen auf der Flucht.

Extremwetter und globale Klimakatastrophe

Die Erhitzung der Atmosphäre nimmt immer mehr zerstörerischen Charakter für das Weltklima an.“¹ Extreme Hitze seit Monaten mit hoher Wasserverdunstung und ausbleibendem Regen sind Treiber der Dürre. Schon der Winter war einer der trockensten seit Jahrzehnten. Laut Bundesumweltministerium hat Deutschland in den letzten 25 Jahren rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren. Auch wenn Deutschland noch ein wasserreiches Land ist, wachsen die Wasserprobleme durch die Verschmutzung und die Verfügbarkeit in bestimmten Regionen und zu bestimmten Zeiten.

Ökonomische Folgen werden immer spürbarer

Fehlendes Wasser ist ein zunehmendes Problem für die kapitalistische Produktion und Reproduktionsfähigkeit der Menschen, was die Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems vertieft. Landwirte erwarten massive Ernteausfälle bei Mais, Weizen, Gerste und Kartoffeln, auch von Silomais und Weizen für Wiederkäuer und Legehennen. In Frankreich drohen 50 Prozent Ernteverlust bei Gemüse. Vertrocknete Wiesen bedeuten Futterverlust für Rinder, Schafe und Pferde. Schon jetzt müssen Bauern ihre Wintervorräte verbrauchen und im Winter teures Futter zukaufen. Die EU rechnet mit dem Verlust von 10 Millionen Tonnen Getreide und einem Erlös von zwei Milliarden Euro. Die Nahrungsmittelmonopole nutzen schon jetzt die geringere Produktion, um die Preise für Speiseöl, Gemüse, Brot, Milch und Fleisch hochzutreiben. 

 

Auch der Waldverlust durch Dürren und Brände führte von 2018 bis 2022 zu Verlusten von 20 Milliarden Euro. Durch Niedrigwasser können Schiffe nicht fahren, Kraftwerke und Industrieanlagen können nicht ausreichend gekühlt werden. Laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) drohen der deutschen Wirtschaft bis 2050 dadurch Schäden von 625 Milliarden Euro. Allein die BASF entnimmt dem Rhein 1,3 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zum Kühlen ihrer Anlagen und das Großkraftwerk Mannheim 715 Millionen Kubikmeter, was bei Rückführung den Rhein aufheizt. Die Chipfabriken in Dresden werden bis 2030 fast 40 Prozent des gesamten Wasserverbrauchs ausmachen. Dieser Verbrauch muss dringend durch wassersparende Technologien und sparsamen Umgang gesenkt werden.

Die Dürre schafft nachhaltige ökologische Probleme

Trocknen Böden aus, verschwinden für die Stickstoffbindung wichtige Bakterien. Durch die Wasserverdunstung versalzen die Böden; die Regeneration dauert Monate. Regenwürmer gehen tiefer in den Boden, was die Fruchtbarkeit senkt. Trockene Böden verlieren die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Selbst wenn es in Folge der Klimakatastrophe zu Starkregen kommt, kann der Oberboden die Wassermenge nicht aufnehmen, im Gegenteil, er wird weggespült. Im Gesamtboden bis in zwei Meter Tiefe kommt kaum was an und die Grundwasserspiegel sinken.


Niedrigwasser erwärmt sich schneller. Weniger Sauerstoff und Raum und Wassertemperaturen über 25 Grad beschleunigen das Fischsterben und ihre Anfälligkeit für Krankheiten. Mit der anhaltenden Dürre und der Auslaugung der Böden durch die kapitalistische Landwirtschaft breitet sich in Südeuropa die Wüste aus. 2024 war es schon eine Fläche so groß wie Sizilien (156.703 km3). Das verändert den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und beschleunigt das Artensterben.

Dürrekatastrophe wird auf den Rücken der Massen abgewälzt

Besonders gefährdet sind wichtige Ackerkulturen für Grundnahrungsmittel in Spanien, Portugal, Süditalien und Griechenland, zunehmend auch auf dem Westbalkan. In Frankreich droht 50 Prozent Ernteverlust bei Gemüse. Die Nahrungsmittelmonopole nutzen schon jetzt die geringere Produktion, um die Preise für Speiseöl, Gemüse, Obst, Brot, Milch und Fleisch kräftig hochzutreiben. Der Lebensmittelpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) stieg von Juni auf Juli um 0,6 Prozent. Erhöhte Preise und geringere Verfügbarkeit behindern eine gesunde Ernährung. Das gilt auch für Deutschland. Schon jetzt wird eher zu Fertignahrung gegriffen, anstatt zu gesunden, frischen Lebensmitteln, weil die Preise dafür zu hoch sind. Die jetzige Situation verschärft diese Entwicklung noch.


Die jahrelange Dürre im Osten Afrikas ist dagegen lebensgefährlich. Seit Juni 2026 bleibt erneut der dringend benötigte Regen in Teilen Kenias, Ugandas und Äthiopiens aus. Viele Familien, die von der Landwirtschaft leben, haben bereits bis zu 70 Prozent ihres Viehbestands verloren – oft ihre einzige Einnahmequelle. Hunger grassiert.


Mit der Aufhebung des Sonntags- und Feiertagsfahrverbots, um Güter mehr über die Straße zu transportieren, wachsen Lärm und Abgase für die Bevölkerung. Überstunden, Stress und fehlendes Familienleben für die Fahrer, Hauptsache die Profite der Monopole stimmen. Für ihr Streben nach Maximalprofit beuten sie Mensch und Natur mutwillig und gesetzmäßig aufs Äußerste aus.

Sofort- und Schutzmaßnahmen durchsetzen


In ihrem Sofort- und Schutzprogramm schlägt die MLPD vor:²

  1. Gegen die drohende Trinkwasserkatastrophe muss die Plünderung von Grundwasser durch Konzerne gestoppt werden. Privatisierte Trinkwasserquellen müssen entschädigungslos an die Kommunen rückgeführt werden.
  2. Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung müssen auf den neusten technischen Stand gebracht werden und ein verzweigtes System der (Trink‑)Wasserreserven muss aufgebaut werden. Umfassende Maßnahmen zum Wassersparen und Unterstützung von Regionen mit Dürre- und Hitzeperioden sind erforderlich
  3. Abkehr von Monokulturen, Anbau von hitzeresistenten und möglichst wenig wasserbrauchenden Pflanzen, artgerechte Tierhaltung, Abbau der Massentierhaltung, verpflichtende Weidehaltung und ihre Förderung, Einhaltung der Fruchtfolge und Förderung der Almwirtschaft
  4. Flächendeckende Einführung wassersparender Bewässerungsmethoden wie Tröpfchenbewässerung.
  5. Erhöhung der Erzeugerpreise und Senkung der Verbraucherpreise auf Kosten der Agrar- und Handelskonzerne, Schuldenerlass für kleinere und mittlere Bauern.
  6. Stopp der Vernichtung der Moore. Sofortige umfassende Renaturierung von Mooren und Flusslandschaften.

 

Diese Sofort- und Schutzmaßnahmen müssen gegen die gesetzmäßige bewusste Zerstörung der natürlichen Umwelt durch die Monopole erkämpft werden – auf deren Kosten! Nur ein gemeinsamer Kampf von Arbeiter- und Umweltbewegung kann diesen Kampf führen und gewinnen!

 

Hier kann das Buch "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen gekauft werden

 

Rote Fahne News möchte das kostenfreie Angebot von Artikeln, Berichten und Korrespondenzen aufrecht erhalten. Dazu sind wir auf Spenden der Leserinnen und Leser angewiesen. Dauerspenden sind besonders willkommen! Hier kann man für die Rote Fahne und Rote Fahne News spenden!