Halle/Saale
An 1.500 Türen geklingelt und in über 250 Gesprächen Einfluss auf die Denkweise genommen
Am 6. August fand eine beeindruckende konzentrierte Aktion gegen die faschistische Gefahr in Sachsen-Anhalt statt.
Auf Initiative von MLPD und REBELL trafen sich 100 Antifaschisten in Halle (Saale) im Stadtteil Heide-Nord, einem in den 1980er Jahren errichteten Plattenbaugebiet im Norden von Halle mit dem Ziel, einen Beitrag zur Verhinderung der faschistischen Gefahr in Sachsen-Anhalt zu leisten.
Ein großer Teil davon kam vom Sommercamp des Jugendverband REBELL in Südthüringen. Dort bereiteten sich die Jugendlichen mit einem Workshop von Peter Weispfenning vor, in dem gründlich diskutiert wurde, dass im weltweiten vorrevolutionären Gärungsprozess die Massen nicht mehr in der alten Weise leben wollen und die Herrschenden nicht mehr in der alten Weise regieren können. Das führt zu einem entfalteten, bisweilen auch verschräften Kampf um die Denkweise unter den Massen. Die Offenheit und Suche nach gesellschaftlichen Alternativen paart sich mit dem Erstarken faschistischer Kräfte.
Die Erfahrung aus der Arbeiterbewegung lehrt, dass die faschistische Gefahr zurückgedrängt werden kann und muss. Der Faschismus setzt im Gegensatz zur Militärdiktatur durch faschistische Demagogie darauf, eine Massenbasis aufzubauen. Und genau da müssen wir ansetzen! Peter Weispfenning spoilerte dazu Erkenntnisse aus dem am 13.9. erscheinenden Buch „Die Lehre von der Denkweise“, wie man eben Einfluss auf die Denkweise nehmen kann.
Mit einem Workshop bereiteten sich die Teilnehmerinnen und Teilenhmer des REBELL-Sommercamps auf den Einsatz vor und trainierten dazu fünf Faustregeln für das Gespräch:
- Genau zuhören, konkrete Denkweise erfassen, keine Monologe führen, voneinander lernen!
- Immer offensiv, und nicht moralisch argumentieren und nicht provozieren lassen von reaktionären Sprüchen!
- Klassenstandpunkt! Die Grenze verläuft zwischen oben und unten!
- In Verbindung bleiben! Dazu luden wir alle ein, in der antifaschistischen Nachbarschaftsinitiative mitzumachen
- Alle am Ende des Gesprächs nach einer Spende fragen! 1 Euro für die Arbeit gegen die AfD!
Um 13.30 Uhr trafen sich also 90 Antifaschisten und Antifaschistinnen mit dem Ziel, an 1.000 Türen zu klingeln. Am Ende wurde mit 1.500 Türen sogar fast der gesamte „Wohnkomplex 2“ – also das ganze Viertel bearbeitet. Nach einem exakten Plan, den jeder Zweiertrupp bekam, bewegten wir uns also von Wohnscheibe zu Wohnscheibe. Begleitet wurde das ganze draußen von einem Straßenumzug mit antifaschistischen Liedern, Kurzreden unter anderem von Anna Schmit, Vorsitzende des REBELL, Frank Oettler von der MLPD Halle – und selbst wohnhaft in Heide Nord - und Jörg Weidemann, dem Landesvorsitzenden der MLPD Elbe-Saale.
Oberflächlich betrachtet sagen manche, dass der Großteil der Leute in den Plattenbaugebieten rechts wählt. Wir erlebten das Gegenteil! Man muss sich allein schon bewusst machen, dass nur 50 bis 60 Prozent der Anwohner überhaupt zur Wahl gehen und auch zahlreiche nicht wahlberechtigte Migranten dort wohnen, also von zehn Anwohnern vielleicht zwei AfD wählen.
Als Ansprache wählten wir „Hallo, wir sind der Meinung: ‚Wer AfD wählt, wählt Faschismus‘ – wie sehen sie das?“, worauf man sofort eine Reaktion herausforderte und in der Diskussion war. Die Stimmung der Leute war von großem Unmut auf die aktuelle Regierung und die herrschenden Zustände geprägt. Ein Trupp, der insgesamt 13 Gespräche führte, wertete aus: „Keiner war zufrieden mit der aktuellen Lage“. Einer sagte: „Alle Parteien sind Mist“. Die Loslösung der Massen gegenüber den bürgerlichen Parteien war extrem.
Wir mobilisierten die antifaschistische Denkweise und machten Mut, sich zu organisieren. Ein Trupp wertet aus: „ein Drittel der angesprochenen finden es falsch, rechts zu wählen“. Ein Genosse sagte „ich war überrascht davon, wie viele Antifaschisten wir dort trafen“. Manche waren regelrecht auf der Suche nach Organisiertheit und einige Stimmen sagten, dass sie sehr dankbar für unsere Arbeit sind, was ausdrückt, dass viele sich einen starken antifaschistischen Pol wünschen, aber selbst und alleine nicht den Mut haben, sich offen gegen die AfD zu positionieren. Insgesamt 20 Menschen trugen sich ein, um entweder in der Nachbarschaftsinitiative oder direkt bei MLPD oder REBELL mitzumachen.
Unter den AfD-Wählern, die wir trafen waren ca. 30 % richtig verhetzt und ließen kaum mit sich reden. Unter dem Rest gab es aber starke Abstufungen und es war sehr wichtig, differenziert auf sie einzugehen. Wichtig war die Methode, wie die Gespräche geführt werden. Ein Trupp wertet aus: „Es hat sich sehr bewährt, dass wir uns für die Leute interessiert haben. Manche wollten erst gar nichts von Politik wissen, wenn man ihnen aber erklärt hat, dass wir für die kleinen Leute sind, für bessere Lebensbedingungen der Menschen vor Ort, wurden sie aufmerksam und man konnte die Gespräche drehen“. Ein weiterer: „Eine Frau sagte, dass wir bei ihr falsch seien, da sie die AfD wählt. Bei den bekannten Missständen, die die Frau nannte, stimmten wir ihr größtenteils in dem Gespräch auf Augenhöhe zu. Sie sagte dann, dass für sie die parlamentarischen Parteien keine Lösung und die AfD nur eine Teillösung ist. Argumente wie, dass der Kapitalismus der eigentliche Feind ist und wir den echten Sozialismus brauchen, ließen das Gespräch positiv umdrehen.“ Die Genossen und Genossinnen von MLPD und REBELL brachten auch die sozialistische Alternative in die Diskussion, mehrere Exemplare des REBELL-Magazin, des Rote Fahne Magazins und ein Buch „Die Krise der bürgerlichen Gesellschaftswissenschaften, der Kultur und der Religion“ wurden verkauft.
Am Ende werteten wir aus, dass wir solche kollektiven Groß-Einsätze viel öfter machen müssen. Wenn 90 Leute einzeln los gezogen wären, hätten sie kein so gutes Ergebnis erzielt. Durch den gemeinsamen Einsatz wurde die proletarische Denkweise bei den Leuten mobilisiert und mit dem Straßenumzug und den Liedern auch die positiven, antifaschistischen Gefühle der Leute angesprochen. Am Ende des Tages fuhren alle kaputt, aber stolz und mit guter Laune nach Hause.
Und nach diesem Erfolg heißt es: nachlegen! Deshalb kommt alle am 29. August zur antifaschistischen Kundgebung der MLPD unter dem Motto: „Wer AfD wählt, wählt Faschismus! – Make socialism great again!“ nach Magdeburg. Als Rednerin wird u.a. Gabi Fechtner, die Parteivorsitzende der MLPD sprechen. . Mehr dazu hier.