Fünf Jahre Taliban-Herrschaft
Afghanistan: Fünf Jahre systematische Entrechtung, Unterdrückung, Terror – und Widerstand
Am 15. August 2021 eroberten die islamistisch-faschistischen Taliban Kabul. Fünf Jahre später feiern sie ihre Machtübernahme als „Sieg“. Für Millionen Afghaninnen und Afghanen – vor allem für die Frauen – bedeuten diese fünf Jahre dagegen systematische Entrechtung, Unterdrückung und Terror.
Afghanistan ist heute das einzige Land der Welt, in dem Mädchen weiterführende Schulen und Frauen Universitäten nicht besuchen dürfen. Mehr als 2,5 Millionen Mädchen sind von höherer Bildung ausgeschlossen. Seit ihrer Machtübernahme erließen die Taliban über 100 Dekrete, die Frauen aus Bildung, Beruf und öffentlichem Leben verdrängen. Nur sieben Prozent der Frauen haben noch eine Beschäftigung; mehr als die Hälfte verlässt das Haus nur ein- oder zweimal im Monat.
Doch die Frauen Afghanistans sind keineswegs nur Opfer. Sie leisten unter Lebensgefahr Widerstand. Im Juni demonstrierten Frauen und Männer in Herat gegen die Verhaftung von Frauen wegen angeblicher Verstöße gegen Kleidervorschriften. Taliban-Kräfte schossen auf Demonstrantinnen und Demonstranten. Die Revolutionary Association of the Women of Afghanistan (RAWA) kämpft weiter im Untergrund für Frauenrechte, Demokratie und eine säkulare Gesellschaft. Ihr mutiger Widerstand verdient internationale Solidarität – statt einer schleichenden Anerkennung ihrer Unterdrücker.
Und die deutsche Bundesregierung? Sie verurteilt sonntags die Unterdrückung der Frauen – und kooperiert werktags immer enger mit ihren Unterdrückern. Für Abschiebungen führt Berlin direkte „technische Gespräche“ mit den Taliban. Bis zu drei Charter-Abschiebeflüge monatlich sollen möglich werden. Am 28. Juli wurde erstmals seit der Taliban-Machtübernahme sogar ein Afghane ohne Vorstrafe abgeschoben.
Dafür öffnete die Bundesregierung Taliban-Diplomaten die Türen deutscher Vertretungen. Nach ARD-Recherchen wurde die afghanische Botschaft in Berlin im Frühjahr sogar faktisch von einem Taliban-Mitglied geleitet – ohne dass dieses formell als Botschafter akkreditiert war. Weitere Taliban-Konsularbeamte sollen nach Deutschland kommen, ausdrücklich um mehr Abschiebungen zu ermöglichen.
Diese Politik ist an Heuchelei kaum zu überbieten: Menschenrechte beschwören und gleichzeitig mit einem islamistisch-faschistischen Regime kooperieren, das Frauen aus dem gesellschaftlichen Leben verbannen will. Statt die Taliban international aufzuwerten, braucht der mutige Widerstand der afghanischen Frauen und fortschrittlichen Kräfte unsere volle Solidarität.