Sommercamp
Was ist eigentlich ein weltweiter vorrevolutionärer Gärungsprozess?
Diese Frage erarbeitete sich das Sommercamp des Jugendverbands REBELL am 31. Juli bei einem Workshop mit Peter Weispfennig vom Zentralkomitee der MLPD.
Auf die Frage von Peter, was wir uns darunter vorstellen, vermutete eine Campteilnehmerin, dass Gärung bedeutet, dass sich etwas entwickelt, etwas, was weggeschlossen war und jetzt mehr Platz braucht. Das war schon treffend und wir arbeiten den Begriff Wort für Wort durch. Es brodelt weltweit, eine neue Entwicklung hin zu einer Revolution hat begonnen. Wir befinden uns noch nicht in einer revolutionären Gärung. Aber 360 Millionen Menschen, die sich 2026 weltweit an Streiks und Protesten beteiligt haben, beweisen auch, dass wir nicht mehr in einer Phase der relativen Ruhe im Klassenkampf sind.
Besonders ist auch, dass es ein internationaler Prozess ist, wobei die Entwicklung in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ist. In Bolivien hatte sich vor kurzem bereits eine revolutionäre Gärung herausgebildet. In Deutschland sind wir noch nicht so weit, aber wir können den vorrevolutionären Gärungsprozess besonders an zwei Punkten festmachen. Die Massen können und wollen nicht mehr in der alten Weise leben und die Herrschenden können nicht mehr in der alten Art und Weise regieren. Aber das passiert noch nicht auf einer revolutionären Basis. Und es ist heute umso komplizierter angesichts des Systems der kleinbürgerlichen Denkweise.
Das Jugendcamp hat letzte Woche eine Umfrage in Sonneberg durchgeführt und die Anwohner befragt, was ihrer Meinung nach in der Gesellschaft schiefläuft und was die Perspektive sein könnte. Peter bat uns, kurz davon zu berichten. Alle, die wir befragt haben, sagten, dass sich grundlegend etwas ändern muss. Viele Jugendliche sagten auch, dass der Kapitalismus das Problem ist, auch wenn bei der Alternative Uneinigkeit bestand. Die älteren Veranstaltungsteilnehmer berichteten dann kurz, wie es vor 40 Jahren war. Damals waren die meisten der Meinung, dass es insgesamt ganz gut ist, wie es ist. Selbst in den „wilden“ 68ern waren bei der größten Demo gegen den Vietnamkrieg in Berlin nicht einmal 20.000 Menschen. Allein im kleinen Erfurt beteiligten sich dagegen vor Kurzem 67.000 Menschen an einer Demo gegen den AfD-Parteitag. In ganz Deutschland waren es 2024 / 2025, 12,7 Millionen, die sich an Demos, Streiks usw. beteiligten. Damals waren vielleicht 10 Prozent der Jugendlichen stark politisiert. Heute geben 25 bis 33 Prozent an, schon mal auf einer Demo gewesen zu sein.
Um diesen Prozess in der gesellschaftlichen Entwicklung zu verdeutlichen, bat Peter dann einen Campteilnehmer, Wasser in einem durchsichtigen Wasserkocher zu kochen und zu beschreiben, was passiert. Zunächst scheint das Wasser lange Zeit ruhig. Bevor das Wasser zu kochen beginnt, was eine akute revolutionäre Situation symbolisiert, gibt es eine Phase, in der die Oberfläche des Wassers in Bewegung kommt, mehr Blasen aufsteigen und schon ein bisschen Dampf entsteht, auch wenn das Wasser noch nicht kocht. In dieser Phase befinden wir uns.
Es gibt verschiedene Merkmale für die Situation, in der wir uns befinden, die wir gemeinsam durchgearbeitet haben. Dazu gehörte unter anderem eine starke Zuspitzung der Widersprüche. Einer REBELLIN fiel dazu ein, dass die Kluft zwischen dem, was sie einem versprechen, und dem, was Wirklichkeit ist, immer größer wird. Ein anderer sagt, dass, weil dieser Betrug nicht mehr funktioniert, die Herrschenden zunehmen zum Faschismus greifen müssen.
Wichtig ist aber heute, dass es eine moderne Form des Faschismus ist. Die kleinbürgerlich-faschistische Denkweise knüpft an berechtigte Anliegen an. Ein Kollege wurde z. B. zitiert, dass es schlimm ist, dass Rentner in einem der reichsten Länder der Welt Flaschen sammeln müssen. Die Ursache dafür wäre, dass unser ganzes Geld ins Ausland geht. Der erste Teil ist voll berechtigt, aber der zweite ist Unsinn, weitaus mehr Geld geht in Subventionen und wird nach oben umverteilt. Die auf Kosten anderer leben, sind die Konzernspitzen und Multimilliardäre. Wir müssen deshalb differenziert untersuchen, was andere denken, und so auch diskutieren.
Alle freuen sich deshalb auf die Neuerscheinung der Reihe REVOLUTIONÄRER WEG, „Die Lehre von der Denkweise“, die Peter ankündigte. Es wird eine richtige Anleitung, wie man solche Auseinandersetzungen wissenschaftlich führt und den Kampf um die Denkweise austrägt.
Als praktischen Teil begannen wir gleich auf dem Workshop, anhand von einigen populären Songs und Texten von linken Jugendorganisationen zu trainieren. Die Ergebnisse werden im kommenden REBELL-Magazin veröffentlicht.
Die wichtigsten Schlussfolgerungen waren, in dieser Situation zu allem bereit zu sein, und dafür alles Nötige zu klären und zu lernen. Entscheidend ist, dass die Arbeiter in die Offensive gehen. Am 21. September ist IG-Metall-Aktionstag gegen die geplanten Angriffe auf die Arbeiterklasse. Wir wollen an diesem Tag nicht brav symbolische Aktionen machen, sondern es soll ein gewerkschaftlicher Streiktag aller Autoarbeiter und Zulieferer werden. Wir sind auch allzeit bereit, mit den Brigaden nach Gaza zum Aufbau der Al-Awda-Gesundheitszentren zu beginnen.
Besonders wichtig ist es, sich in solchen bewegten Zeiten zu organisieren. Nur wer organisiert kämpft, kann die Welt verändern. Bauen wir deshalb den REBELL verstärkt auf und fördern die sozialistische Jugendbewegung. Jetzt ist auch die Zeit für die Auseinandersetzung, wie wir zum Sozialismus kommen und wie dieser aussehen muss.