60 Jahre Beschluss zur Kulturrevolution

60 Jahre Beschluss zur Kulturrevolution

Von Anshan zur Lehre von der Denkweise

Vor genau 60 Jahren, am 8. August 1966, fasste das ZK der KP Chinas auf seinem 11. Plenum den „Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas über die Große Proletarische Kulturrevolution“ (chinesisch: Guanyu Wuchanjieji Wenhua Dageming de Jueding), bekannt auch als „16 Punkte“.

Von einem Korrepondenten aus Duisburg
Von Anshan zur Lehre von der Denkweise
Wandzeitungen: Die Kulturrevolution entfaltete eine breite und öffentlich geführte Diskussion, Kritik und Selbstkritik unter den Massen.

Vorbereitet wurde er durch die Veröffentlichung drei Tage vorher von Mao Zedongs Dazibao (Wandzeitung) „Bombardiert das Hauptquartier“ in der Parteizeitung Renmin Bao. Damit wurde erstmals chinaweit offen zum Kampf gegen „Machthaber, die den kapitalistischen Weg gehen“, aufgerufen. Zuvor wurde diese Wandzeitung bereits am 25. Mai 1966 gegen die damalige Führung der Parteiorganisation in Peking aufgehängt. Die 16 Punkte waren Ergebnis der Auswertung der Erfahrungen von der Umsetzung der Betriebsordnung von Anshan.

Anshan: Wer leitet die Produktion?

Die Betriebsordnung von Anshan (1960) beantwortete, wer im Sozialismus die Produktion tatsächlich leiten muss. Gegen Bürokratismus und Technokratismus setzte sie die bewusste Führung durch die Arbeiterklasse: Beteiligung der Arbeiter an der Leitung, Mitarbeit der Kader in der Produktion, Vorrang der Politik vor rein ökonomischer Betrachtung waren Kernelemente. Der sozialistische Charakter der Produktion ergibt sich danach nicht allein aus gesellschaftlichem Eigentum, sondern aus der Ausübung der Führung der Arbeiterklasse im Produktionsprozess.

Die „16 Punkte“: Wer bestimmt Politik und Kultur im Land?

Genau dieser Ansatz stieß auf Widerstand: Ein Teil der Betriebs- und Wirtschaftsleiter unterlief die Anshan-Prinzipien schrittweise zugunsten technokratischer Leitungsmethoden. Mao Zedongs Dazibao vom 5. August 1966 machte diesen schleichenden Konflikt öffentlich und zum Ausgangspunkt einer gesamtgesellschaftlichen Bewegung. Die drei Tage später verabschiedeten „16 Punkte“ übertrugen die Erkenntnis von Anshan auf die ganze Gesellschaft: Die Hauptgefahr für den Sozialismus entsteht nicht nur durch äußere Feinde, sondern auch innerhalb von Partei, Staat und Wirtschaft. Die Gefahr besteht durch die Herausbildung einer neuen Schicht der Bürokratie mit einer kleinbürgerlichen Denkweise. Die Massen selbst müssen deshalb Träger der Kontrolle und Umgestaltung sein.

 

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Der Leitartikel von 1967: Kampf zweier Wege

Der am 13. August 1967 in Renmin Ribao und Hongqi veröffentlichte Leitartikel „Entlang dem sozialistischen oder dem kapitalistischen Weg?“ zog die theoretische Bilanz der ersten Kulturrevolutions-Erfahrungen. Trotz gesellschaftlichen Eigentums bleiben Unterschiede zwischen Stadt und Land, Hand- und Kopfarbeit sowie Leitung und Ausführung bestehen. Aus diesen Widersprüchen kann kapitalistische Restauration erwachsen. Entscheidend sind daher nicht die Eigentumsverhältnisse allein, sondern vor allem, welche Klasse die politische und ideologische Führung tatsächlich ausübt.

 

Entscheidend ist auch die Frage der Denkweise. Willi Dickhut, Mitbegründer und einer der Vordenker der MLPD, hat die Schlussfolgerung gezogen, dass der Sozialismus nur mit einer proletarischen Denkweise aufgebaut werden kann. Dementsprechend schrieb er in seinem Buch "Sozialismus am Ende?" aus dem Jahr 1992: "Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise läßt sich der Sozialismus nicht aufbauen! Mit einer kleinbürgerlichen Denkweise kann man die sozialistische Gesellschaft zerstören!" (S. 22)

Aktueller Höhepunkt

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Einen vorläufigen Höhepunkt dieser 60-jährigen Entwicklung markiert das im September 2026 als REVOLUTIONÄRER WEG 40 erscheinende Buch „Die Lehre von der Denkweise“ von Stefan Engel, Gabi Fechtner und Monika Gärtner-Engel, das am 13. September in Gelsenkirchen vorgestellt wird. Bereits Stefan Engels Werk „Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung“ (1995, REVOLUTIONÄRER WEG 26) legte die Grundlagen und formulierte den Grundsatz: „Man kann nur so handeln, wie man denkt.“ Das neue Buch arbeitet die Lehre erstmals allseitig aus – von den Anfängen der revolutionären Arbeiterbewegung bis zur heutigen Systematisierung der kleinbürgerlichen Denkweise als Regierungsmethode. Vom Dazibao gegen die Aushöhlung der Anshan-Prinzipien bis zu dieser Systematisierung zieht sich derselbe Faden: Ohne bewussten Kampf der proletarischen gegen die kleinbürgerliche Denkweise gibt es weder erfolgreichen Parteiaufbau noch erfolgreichen Aufbau des Sozialismus.