Arbeitshetze

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Stihl-Chef befeuert Debatte um längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich

Nikolas Stihl, Chef des Weltmarktführers bei Motorsägen, fordert eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Damit schließt er sich dem Angriff des Mercedes-Vorstands auf die 35-Stunden-Woche und der Forderung des Monopolverbandes Südwestmetall an, dies zum Thema in der bevorstehenden Metall-Lohntarifrunde zu machen.

Von wb
Stihl-Chef befeuert Debatte um längere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich
Nikolas Stihl will die Kettensäge an der Arbeitszeit der Belegschaften ansetzen – ohne jeden Lohnausgleich. Da hat er die Rechnung ohne die Kolleginnen und Kollegen gemacht (foto: Bene16 (CC BY 2.5))


Stihl behauptet: „Die deutsche Industrie habe sich die 35-Stunden-Woche in den guten Zeiten leisten können – ‚aktuell können wir das nicht mehr‘.“¹ Fakt ist, dass sich seit 1995, als die letzte Stufe der 1984 der von IG-Metallerinnen und -Metallern erstreikten 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich durchgesetzt wurde, der Umsatz je Beschäftigten von 156.402 Euro auf 387.648 im Jahr 2024 gestiegen ist.²


Der Zweck dieser Fake News ist, dass Stihl & Co. ihren Rückfall in der Vernichtungsschlacht auf dem Weltmarkt bei Umsätzen und Rendite durch eine verschärfte Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter wettmachen wollen. Offenherzig und dreist begründet der Stihl-Chef seinen Angriff zur Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich: „Dies würde die Arbeitskosten relativ schnell senken.“ Die von Mercedes-Chef ultimativ geforderte Rückkehr zur 40-Stunden-Woche wäre ein Stundenlohnabbau von 15 Prozent.


Natürlich geht es diesen Chefs mit ihren Millionen-Vergütungen nur um die Arbeitsplätze. So, wenn Stihl sagt: „Wenn man schon in Richtung 500.000 verlorener Industriearbeitsplätze unterwegs ist, sollte man wirklich alles tun, um die Blutung zu stoppen.“¹ Diese Politik ist, als ob man einem Arbeiter beide Arme amputiert, damit er weiterarbeiten kann.


Stihl ist sich allerdings bewusst, dass er mit seinem Angriff auf die 35-Stunden-Woche auf heftigen Widerstand der IG Metall stößt, wo insbesondere beim Vorstand „die Positionen stark von ideologischen Überzeugungen geprägt zu sein scheinen“. Ja, die proletarische Ideologie und Logik ist, dass die steigende Produktivität nicht zur Massenarbeitslosigkeit führen soll, die 1984 bei 2,5 Millionen Erwerbslosen lag, sondern durch die Verteilung der Arbeit auf mehr Schultern den Arbeitern und Angestellten nützt. Dafür streikten damals 57.500 Metallerinnen und Metaller sechseinhalb Wochen im Südwesten und in Hessen. Die Metallverbände sperrten daraufhin 500.000 Beschäftigte aus, in der irrigen Vorstellung, damit der Arbeiterbewegung eine Niederlage beizubringen.

 

Deshalb ist der Vorstoß von Mercedes-Benz und Stihl ein Angriff auf die ganze Arbeiterklasse. Die IG Metall weist auch richtig darauf hin, dass in einer Situation, in der es z. B. bei Mercedes jetzt schon nicht genügend Aufträge gibt, weshalb Schichten abgesagt werden, eine Arbeitszeitverlängerung zu noch mehr Arbeitsplatzvernichtung führe. „Eigentlich müssten wir, wenn überhaupt, auf Arbeitszeitreduzierung setzen“, sagt Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall. „Da gibt es Möglichkeiten im Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung, dass die Arbeitszeit für eine bestimmte Zeit reduziert werden kann.“³ Letzteres wäre aber nur zeitweilig und müsste von den Arbeitern bezahlt werden.


Im Arbeiterinteresse ist dagegen die offensive Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich im Manteltarifvertrag! Diese sollte auch eine Hauptforderung sein beim bundesweiten gewerkschaftlichem Kampf- und Streiktag „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ am 21. September.