Rezension

Rezension

Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus

Rainer Mühlhoff benennt in seinem knappen, pointierten Essay „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ unmissverständlich die faschistische Gefahr, die aus dem Zusammenspiel von kapitalistischer Tech-Industrie und ultrarechten sowie faschistischen politischen Kräften erwächst.

Es handelt sich dabei nicht um eine schlichte Wiederholung des historischen Faschismus. Dennoch weist der „neue Faschismus“ entscheidende gemeinsame Züge auf: die Ablehnung jeder Demokratie, reaktionäre Gewaltbereitschaft und vor allem die systematische Nutzung von Technologie als Machtinstrument. Er ordnet den modernen Faschismus allerdings einseitig nur den Tech-Konzernen zu und schätzt die allgemeine Rechtsentwicklung im imperialistischen Weltsystem gering.

 

Besonders überzeugend analysiert Mühlhoff den engen Zusammenhang zwischen den Ideologen der KI-Branche – etwa Peter Thiel und Curtis Yarvin – und der politischen Instrumentalisierung ihrer Technologien. Er zeigt, wie Tech-Milliardäre wie Elon Musk und ihre Heilsversprechen von künstlicher Superintelligenz (AGI) reale gesellschaftliche Schäden und autoritäre bis faschistische Tendenzen verdecken, die sich unter Trump und auch bei der AfD zeigen. Dabei entlarvt er die verschiedensten „Hypes um KI“ – von der angeblichen Rettung der Menschheit bis zu apokalyptischen Untergangsszenarien – als Ablenkung von den gegenwärtigen Macht- und Ausbeutungsverhältnissen.

 

Das Buch ist ein wertvoller, pointierter Beitrag, der „Tech-Ideologien“ und ihre Verflechtung mit der Politik des modernen Faschismus scharf herausarbeitet. In den Konsequenzen bleibt es jedoch einseitig: Aktiver Massenwiderstand und die notwendige Überzeugungsarbeit unter den Massen rücken nicht ins Zentrum. Dennoch liefert Mühlhoff eine kenntnisreiche und mahnende Analyse.

 

Reclam Verlag, 211 Seiten, 9 €. Bestellbar bei People to People (www.people-to-people.de).