People-to-People-Reisegruppe

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Kamerun: Aus der Erfahrung mit der Natur zur Dialektik

Gerd Zitzner, Diplom-Agraringenieur aus Essen und aktuell mit einer Reisegruppe des fortschrittlichen Reiseveranstalters People to People aus Gelsenkirchen in Kamerun, berichtet aus dem Land:

Von Gerd Zitzner
Kamerun: Aus der Erfahrung mit der Natur zur Dialektik
Gerd Zitzner (links) und Adeline in Kamerun auf dem Feld (foto: privat)

Am 2. August ist unsere Reisegruppe im Westen von Kamerun in der Umgebung von Dschang. Wir gehen heute mit einer Bäuerin, Adeline, ins Feld, um Mais, Kartoffeln und Maniok zu ernten, was wir anschließend nach traditioneller Art zubereiten und essen werden.


Am ersten Feld angekommen stellen wir fest, dass die Kartoffeln und der Mais auf dem gleichen Acker wachsen. Die Kartoffeln sind fast reif, der Mais ist noch klein, dazwischen steht immer wieder eine Maniok-Pflanze. Alles sieht sehr gut aus. Adeline sagt, vor den Kartoffeln war hier auch schon Mais angepflanzt, der bereits geerntet wurde. Danach werden Bohnen angebaut. Ganz anders als bei uns – mit sehr eingeschränkten Fruchtfolgen bis hin zu Monokulturen!


Auf dem Nachbarfeld können wir die Kartoffeln ernten. Auch hier erzählt sie, dass vorher Bohnen und Mais auf dem Feld gewachsen sind, die bereits geerntet wurden. Die Reihenfolge – Bohnen / Erdnüsse danach oder auch gleichzeitig mit Mais – zeigt, dass die Erfahrung sie gelehrt hat, diese Fruchtfolge einzuhalten, teilweise auch in Mischkultur, um die Regenzeit von sechs Monaten gut auszunutzen.


Wir schälen die frischen Kartoffeln, die anschließend gewaschen und zusammen mit Gemüse auf dem offenen Feuer gekocht werden. Wasser wird nicht zugesetzt, weil die frischen Kartoffeln genug Wasser enthalten. Während der Vorbereitung werden die Erdnüsse gegessen. Der Mais wird auf dem Feuer gegrillt und dient auch als Vorspeise. Die gegarten Kartoffeln und das Gemüse werden mit einer geheimen Gewürzmischung zu einem wunderbar schmackhaften Gericht. Die Gewürzmischung wird von der Mutter an die Töchter weitergegeben. Der Maniok wurde geschält und von der nicht essbaren Hülle befreit. Danach gekocht.

 

Wir erfahren, dass Adeline eine Prinzessin der Mbou ist. Ihr Mann war das Oberhaupt der Chefferie. Er ist vor einiger Zeit gestorben. So ist sie eine der Erbinnen seiner Anbauflächen und muss nicht mehr 50 Prozent der Einkünfte an den Mann abgeben.


Das Essen ist auch ohne Fleisch vollwertig: Maniok, Mais und Kartoffeln liefern die Stärke und Energie, Erdnüsse liefern Eiweiß und Fett, das Gemüse liefert Vitamine und Ballaststoffe. Auch wenn  Adeline das nicht wissenschaftlich erklärt, so ist es doch eine dialektische Kombination im Anbau und in der Ernährung.


Dieser Erfahrungsschatz wird weitergegeben – von Generation zu Generation. Es wird heiß diskutiert: Wie kann eine sozialistische Landwirtschaft die Vorteile der industrialisierten Landwirtschaft und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft dialektisch weiterentwickeln? Zum Schluss singt sie ein Lied, in das wir alle einstimmen.

 

Hier geht es zur Homepage von People to People, wo auch diese Reise gebucht werden kann