Breiter Widerstand gegen die Pläne zum Verkauf der Fußball-WM durch die FIFA
Gianni Infantinos Inferno für die „Seele des Fußballs“ vorerst gescheitert
Kaum ist die weltweite Empörung über die politische Einflussnahme auf die FIFA durch den faschistischen US-Präsidenten Trump wegen der Rücknahme einer Roten Karte eines US-Fußballnationalspielers etwas abgeebbt, provozierte FIFA-Chef Gianni Infantino mit seinen Verkaufsplänen erneut die Fußballfans weltweit.
Schon im letzten Jahr schmiedete er Pläne mit dem US-amerikanischen Investor Joshua Kushner (gehört zur erweiterten Verwandtschaft von Donald Trump) zur Gründung einer Tochterfirma mit dem Namen „FIFA Forward Enterprise“ (FFE), um die Vermarktung der Männer-, Frauen- und Klub-Weltmeisterschaften zu bündeln. Private Investoren sollen dabei 20 bis 30 Prozent der Firmenanteile ohne Kontrollrechte erwerben können.
Dieser Deal sollte der FIFA direkt bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar einbringen. Als Lockmittel für die 211 Nationalverbände diente u. a. eine Sofortzahlung von rund 35 Millionen Euro, allerdings nur, wenn sie bis zum 19. September zustimmen. Doch die schon existierende Protestwelle gegen den selbstherrlich autoritären und moralisch verkommenen Führungsstil Infantinos entwickelte sich mit der Bekanntgabe seiner Verkaufspläne zu einem regelrechten Tsunami. Vorne dran protestierte in unerwartet seltener Geschlossenheit und Schärfe der europäische Fußballverband UEFA.
Bis auf den afrikanischen Verband schlossen sich alle anderen Kontinentalverbände dem Protest an. Zuletzt und sicher ausschlaggebend für das vorläufige Scheitern dieser Pläne war der gestrige Rückzug des Hauptinvestors Joshua Kushner. Laut der New York Post berichtete eine anonyme Quelle über den Unmut des Milliardärs und von dessen Team. "Auf keinen Fall wollen sie weiterhin in dieses Chaos verwickelt sein. Das entwickelt sich zu einem Albtraum für die Marke.“ Das sagt ausgerechnet der größte Pläneschmieder und Profiteur dieses „Albtraums“!
Stellvertretend für die UEFA äußerte sich Joachim Watzke, schwerreicher Unternehmer, Ligapräsident und Präsident des Bundesligavereins Borussia Dortmund. "Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf – insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert. Keiner von uns besitzt den Fußball …“ Edle Worte, ausgerechnet aus dem Munde eines Mannes, der als oberster Wortführer und Antreiber für die Kommerzialisierung des Fußballs in Deutschland gilt.
Auch eine große Anzahl von Sportjournalisten zeigte sich irritiert. Der lautstarke Protest der UEFA gegen die FIFA sei an Scheinheiligkeit kaum zu übertreffen. Der UEFA geht es nicht um die „Seele des Fußballs“. Sie sorgen sich einzig und allein um das europäische Geschäftsfeld zur Vermarktung des Fußballs, das mit den Plänen Infantinos zugunsten des US-Marktes zum Teil verloren gehen würde. Auch die UEFA hat in den letzten Jahren die Kapitalisierung des Fußballs stark vorangetrieben. Stichworte dabei sind der Zwang zum Bezahlfernsehen für die Champions League oder der Verkauf ganzer Vereine, wie Paris St. Germain, an private Investoren. Die Europameisterschaft der UEFA würde mit einer weiteren Aufblähung der Fußball-WM in direkte Konkurrenz zu den Plänen der FIFA geraten.
Der Protest der UEFA entspringt sicher auch zum großen Teil der Angst vor dem wachsenden Unmut der Milliarden von Fußballfans, angewidert von dem Missbrauch des Sports durch milliardenschwere Kapitalanleger. Schon vor zwei Jahren sind die Investorenpläne der Private Equity gegenüber der Bundesliga, einschließlich seines ärgsten Fürsprechers Joachim Watzke, an den massiven Protesten von Fanclubs verschiedenster Nord- und Südkurven der Republik gescheitert. Wie es der Zufall will, laufen seit wenigen Tagen mehr oder weniger klammheimlich erneut Verhandlungen mit der US-amerikanischen Investorengruppe Apollo über einen erneuten Versuch eines Einstiegs in die Bundesliga. Dabei ist es sicher kein Zufall, dass diese Verhandlungen ausgerechnet in der Spielpause der Liga stattfinden und angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen mit der FIFA von den Massenmedien geflissentlich unter dem Radarschirm gehalten werden.
Bei einer Leserumfrage des T-Online-Portals zum Protest der UEFA äußerte sich eine Leserin: "Endlich kommt die UEFA aus ihrem Loch. Hätten schon in den USA Flagge zeigen müssen. Fußball gehört dem Volk, den Fans, und nicht einzelnen Milliardären und Politikern, die mit den Fußballern spielen, wie sie wollen. Liebe UEFA, zieht eure Entscheidung auch bis zum bitteren Ende durch!" Dass der Fußball eigentlich dem Volk gehören sollte, ist ein weit verbreiteter Wunsch der weltweiten Fußballgemeinde. Doch es ist mehr als fraglich, ob im Kapitalismus die „Seele des Fußballs“ vor den Raffzähnen des internationalen Finanzkapitals gerettet werden kann.
So wie viele andere Mannschaftssportarten auch, ist Fußball ein wunderbares Spiel. Es fördert auf spielerische Weise Selbstbewusstsein, Teamgeist in Verbindung mit sportlicher Einzelleistung, Spielwitz und Spielverständnis, Kritik und Selbstkritik. Auch wenn man nicht selber spielt, ist es nicht zuletzt durchaus spannend und unterhaltsam, einem guten Fußballspiel zuzuschauen, vor allem, weil man nicht weiß, wie es ausgeht – frei von moralisch verkommenen Investoren, die immer mehr Einfluss darauf nehmen, wer spielt, wer gewinnt oder wer eine Rote Karte bekommt! Es ist diese kapitalistische Profitgier, die mehr als eine Rote Karte verdient, um die Seele des Fußballs zu retten!