Südeuropa steht in Flammen.

Südeuropa steht in Flammen.

Griechenland: Feuerwehrleute von Attika bitten Bevölkerung um Versorgung

Dramatische Waldbrände breiten sich derzeit in Südeuropa aus – von Spanien und Frankreich über Italien bis nach Griechenland. Ganze Landschaften verwandeln sich in Infernos, Tausende Hektar verbrennen, Ortschaften müssen evakuiert werden und Großstädte werden bedroht. Die Feuer wüten mit außergewöhnlicher Intensität und Geschwindigkeit – und das mitten in einer Phase, die eigentlich noch vor dem Höhepunkt der klassischen Waldbrandsaison liegt. Waldbrände sind ein Hauptmerkmal der globalen Umweltkatastrophe. Die Dramatik zeigt, dass sie sich verschärft und fortschreitet.¹ Für die Leserinnen und Leser von Rote Fahne News berichtet Iordanis Georgiou von der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität International (SI) aus Griechenland:

Von Iordanis Georgiou
Griechenland: Feuerwehrleute von Attika bitten Bevölkerung um Versorgung
Auf diesem Foto von 2024 sind private Helfer bei den Feuern in Griechenland im Einsatz – wie jetzt auch (foto: privat)

Seit über einer Woche haben alle Menschen in Griechenland Angst und machen sich große Sorgen über die sich gefährlich ausbreitenden Waldbrände.

 

Ein Verbrechen, das jeden Sommer in den griechischen Wäldern begangen wird: Es brennen Wälder. Es brennt das Leben. Er raubt den kommenden Generationen den Sauerstoff, das Wasser, den Schatten, das Leben. Es brennt der Atem, den wir brauchen. Tausende Tiere finden einen grausamen Tod, ganze Ökosysteme werden ausgelöscht und die Erde verwandelt sich in Asche.

 

Die rasante fortschreitende Erderwärmung ist eine wichtige Ursache für diese regionale Katastrophe.


Wälder sind keine Grundstücke, zum Ausbeuten. Sie sind das Erbe, das wir übernommen haben und das wir unseren Kindern weitergeben müssen.


In den vergangenen zehn Tagen sind fünf Feuerwehrleute an den Brandherden gestorben. Hunderte von Wohnhäusern sind niedergebrannt, eine große Anzahl von Tieren hat ihr Leben verloren. Die Menschen haben alles verloren. Sie weinen, weil der Schmerz sehr groß ist. Wunden, die niemals schließen werden.

Der Kampf gegen die Brände entscheidet sich bereits, bevor sie ausbrechen.

Genügend und ausgebildetes Personal bei den entscheidenden Diensten, bei den notwendigen Brandschutzmaßnahmen, bei der Säuberung, bei funktionsfähigen Hydranten, Wasserspeichern und Brandschutzzonen, Fluchtplänen und -wegen sowie die Aufklärung der Bevölkerung sind in diesen Fällen elementar wichtig. Was in Griechenland in all den Jahren funktioniert, ist nur die Notrufnummer 112.

 

Attika, die größte Region des Landes, wo sich die Brände derzeit unkontrolliert verbreiten, besitzt nicht einmal ein einziges Löschfahrzeug und zahlt seit jeher Millionen Euro für die Bereitstellung von Löschfahrzeugen privater Anbieter. Bezeichnenderweise sind für die Waldbrandsaison 2026 4 Millionen Euro für die Anmietung von Baumaschinen und Fahrzeugen veranschlagt.

 

Die Bauunternehmer sehen – um es ganz einfach auszudrücken – Feuer, Schneestürme und Überschwemmungen und reiben sich die Hände… 

 

Die heutige Äußerung von Herrn Mitsotakis, dass „die Art und das Ausmaß der Phänomene jede menschliche Planung übersteigen und man gegen … Mutter Natur nichts ausrichten könne“, ist ein erbärmlicher und heuchlerischer Versuch, die gewaltigen Zerstörungen zu rechtfertigen und ihre Verantwortung zu vertuschen.

 

Kein Wort über das unzureichend gewartete Netz der Hellenischen Stromübertragungsgesellschaft (DEH) sowie die unkontrollierte und ungeschützte Ansiedlung privater Energieanlagen: Hellenic Electricity Distribution Network Operator (HEDNO) (das zu 51 Prozent der privatisierten Hellenic Electricity Corporation (DEH) und zu 49 Prozent einem australischen multinationalen Konzern gehört) arbeitet nach dem Gewinnprinzip.

 

Die Windkraftanlagen und Energieanlagen haben kilometerlange Kabel, die durch die Wälder verlaufen und die so eine ständige Brandgefahr darstellen.

Keiner kümmert sich um den Waldschutz.

Bei der Beerdigung der Feuerwehrleute sind die Erklärungen der Regierung heuchlerisch und ihre Krokodilstränen sind nicht mehr zu ertragen.

 

Als vor einem Jahr die Feuerwehrleute für Festanstellungen der Saisonarbeiter kämpften, wurden sie mit Schlagstöcken empfangen und als sie ihre Büroräume betraten, als Eindringlinge bezeichnet. Und heute verrichten die Feuerwehrleute ihren Dienst in den Wäldern und Dörfern von Attika, in Schafställen, wo die Arbeitsbedingungen unzumutbar sind und sowohl die Gesundheit der Beschäftigten als auch die ihrer Angehörigen gefährden, da sie sogar Flöhe und Ähnliches mit nach Hause bringen! In Videos rufen sie die Bevölkerung auf, ihnen Essen und Wasser zu bringen, weil sie keine Versorgung erhalten.


Neben der Trauer herrscht auch Wut. Die Solidarität der Bevölkerung ist groß. Gemeinschaftsküchen suchen die Feuerwehrleute auf, damit sie was zu essen bekommen. Im ganzen Land gehen Jugendliche zu den gefährdeten Dörfern und helfen der Landbevölkerung, ihre Häuser und Tiere zu retten.


Mitsotakis’ Politik ist volksfeindlich auf allen Ebenen. Sie hinterlässt Spuren einer verbrannten Erde und unterstützt die imperialistischen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Für sie stehen die Interessen der Reeder an erster Stelle. Kein weiteres Leben darf auf dem Altar des Profits geopfert werden

Nicht nur jetzt – seit einigen Jahren fordert das Volk:

  • Jetzt die Feuerwehr verstärken!
  • Prävention und Brandschutz, Instandhaltungsmaßnahmen am Waldstraßennetz und an den Brandschutzzonen!
  • Einstellung von festangestelltem Personal!
  • Anschaffung und Modernisierung von Fahrzeugen und Löschgeräten in der erforderlichen Anzahl!
  • Umstrukturierung der Forstbehörde und Schaffung einer einheitlichen Stelle für Waldschutz und Waldbrandbekämpfung, getrennt von der Feuerwehr, mit Zuständigkeit für den Waldschutz und die Waldbrandbekämpfung!
  • Vollständige und unverzügliche Entschädigung aller Betroffenen sowie für die Schäden an der landwirtschaftlichen und tierischen Produktion!
  • Sofortige staatliche Unterstützung, solange die Folgen der Katastrophen andauern! Ausweitung der Maßnahmen auf die von Bränden in den vergangenen Jahren Betroffenen.