Chile
Chile: Beginnende Verbindung von Schüler-, Studierenden- und Arbeiterbewegung
Am 4. August demonstrierten mindestens 600 Sekundarschülerinnen und -schüler in Santiago de Chila gegen die Politik der faschistischen Regierung José Antonio Kast; zeitweise wurden vier Schulen besetzt.
Der Aktionstag war am Vortag in mindestens dreizehn Oberschulen vorbereitet worden. Im Aufruf des Cordón Secundario (Koordinierung von Oberschülern) hieß es: "Wir müssen auf die Straße gehen, unsere Unzufriedenheit zeigen, uns organisieren und unsere Rechte verteidigen." Die Aktion richtete sich gegen Bildungsabbau, gegen die fortgesetzte Unterordnung der Bildung unter Kapitalinteressen und gegen die faschistischen Maßnahmen der Regierung.
Nach Polizeiangriffen auf die Demonstration erklärte der Cordón Secundario mutig: "Wenn man uns, anstatt uns anzuhören, unterdrückt, wird dies die Wut der Jugend nur noch verstärken."
Zukunftsweisend ist, dass sich zugleich Ansätze für eine Verbindung von Schüler‑, Studierenden‑ und Arbeiterbewegung entwickeln. Die Studierenden‑Konföderation Confech und der Gewerkschaftsdachverband CUT haben Ende Juli begonnen, mit der Frente Común ("Gemeinsame Front") eine dauerhafte Zusammenarbeit aufzubauen. Geplant ist, neben Studierenden und Gewerkschaften auch den Lehrerverband und die landesweite Schülervertretung RENACE einzubeziehen. Im Zentrum stehen der Widerstand gegen die "Arbeitsreform" des Kast‑Regimes, gegen prekäre Stundenverträge und gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen besonders junger Beschäftigter.
Noch fehlt in Chile allerdings eine wirklich revolutionäre, in der Arbeiterklasse verankerte Kraft, die einer solchen "Gemeinsamen Front" eine gesellschaftsverändernde Perspektive geben könnte.