Flüchtlinge
Ceuta und die blutige Spur des Kolonialismus
Mehr als 72 Menschen starben bei dem Versuch, schwimmend zur spanischen Exklave Ceuta zu gelangen und so als Arbeitsmigranten Arbeit und Brot in Europa zu finden. Immer noch werden Leichen angeschwemmt, vagabundieren besonders sehr junge Geflüchtete in der Gegend um die kleine Stadt, während geschätzte 70.000 auch gewaltsam wieder nach Marokko deportiert wurden.
Sie sind Opfer des vom alten Kolonialismus hinterlassenen und vom modernen Imperialismus auf die Spitze getriebenen Ausbeutersystems.
Dass es überhaupt Exklaven wie Ceuta¹ gibt, ist eine abstruse Hinterlassenschaft des alten Kolonialismus, von künstlichen Aufteilungen von Ländern oder Landesteilen nach verlorenen oder gewonnenen Kriegen. Die jeweiligen Siegermächte behielten sich Vorrechte auf solche Gebiete auch gegen Widerstand und Befreiungskämpfe in den umgebenden Ländern.
Großbritannien bestimmt bis heute über seine Exklave Gibraltar auf dem Gebiet Spaniens – nicht zufällig an der Meerenge zum Mittelmeer zwischen Europa und Afrika. Komplizierte Regelungen verhindern, dass die Zugehörigkeit solcher Exklaven auch mit gleichen Rechten verbunden sind.
Auch nach der 1956 mühsam errungenen Unabhängigkeit Marokkos von Portugal, Spanien und Frankreich wurde das Land gerne als Billiglohnland, besonders in der Textilindustrie, genutzt. Die reichen Fischvorkommen vor den Küsten werden von Flotten aus der EU und aus China ausgeraubt und damit den Fischern die Existenzgrundlage entzogen. Um die Phosphatvorkommen, besonders auch in der Westsahara, wird Krieg geführt. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre und für sie gibt es Kurzzeitjobs im blühenden Tourismus, aber trotz guter Bildung kaum Aussicht auf ein auskömmliches Leben. Proteste gegen eine rasante Inflation und Wohnungsnot und erst recht für eine revolutionäre Alternative werden vom reaktionären Königsregime im Blut erstickt.
Unterdessen wird in Europa die Angst vor „anstürmenden Massen“ geschürt. Die etwas tolerantere Politik der spanischen Regierung gegenüber Geflüchteten wird von Faschisten in Regierungen und Parteien verdammt.
Das Recht auf Flucht verbinden Revolutionärinnen und Revolutionäre mit einer geduldigen Überzeugungsarbeit, der Unterdrückung zu widerstehen und sich zu organisieren – für grundlegende gesellschaftliche Veränderungen und für eine sozialistische Perspektive. Das auch, um den Kampf im eigenen Land zu führen, damit irgendwann Flucht nicht mehr nötig sein wird.