Berlin
Berlin: Ein Volksbad vor der Volksbühne
Eine schöne und im besten Sinne massenfreundliche Aktion hat sich der neue Intendant der Berliner Volksbühne, Matthias Lilienthal, einfallen lassen: Direkt vor dem Theater am Rosa-Luxemburg-Platz steht jetzt ein 25 Meter langes Schwimmbecken. Das „Volksbad“ kann kostenlos genutzt werden und soll bis Anfang Oktober bleiben. Rund 300.000 Euro kostet das Projekt, finanziert wird es aus dem Etat der Volksbühne.
Gerade an heißen Sommertagen ist das eine willkommene Abkühlung für die Bevölkerung – aber die Aktion hat auch eine politische Seite. Lilienthal versteht das Bad ausdrücklich als Zeichen gegen den Verfall der öffentlichen Infrastruktur. Das trifft einen wunden Punkt: Viele kommunale Schwimmbäder in Deutschland sind sanierungsbedürftig, müssen zeitweise schließen oder kämpfen mit Personalmangel und knappen Kassen.
Ein Paradebeispiel für das perverse Ausbeutersystem Kapitalismus: Im sozialen Bereich von Schwimmbädern bis hin zu Leistungen für bedürftige Menschen wird zusammengestrichen, was zusammengestrichen werden kann, um das Geld schließlich in die Aufrüstung der Bundeswehr als imperialistischer Kriegsarmee zu stecken. Bei den Massen, ihrer Gesundheit, Freude im Alltag etc., wozu natürlich auch das Schwimmen gehört, wird gestrichen, damit das deutsche Militär den Auftrag der deutschen Monopole, in der Vernichtungsschlacht der imperialistischen Länder für dieselben den absolut möglichen Maximalprofit mit Waffengewalt möglich zu machen, umsetzt. Da bekommen solche Aktionen, wie die von Herrn Lilienthal eine besondere Note, und er ist zu beglückwünschen, dass er das Schwimmbecken auch gegen politischen Gegenwind durchgesetzt hat.
Eine besondere historische Note bekommt das „Volksbad“ durch seinen Standort. Am Rosa-Luxemburg-Platz steht auch das Karl-Liebknecht-Haus. Von 1926 bis Januar 1933 war es die Zentrale der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Auch ihr langjähriger Vorsitzender Ernst Thälmann hatte dort sein Arbeitszimmer, bevor die Hitler-Faschisten das Haus besetzten und Thälmann verhafteten. Seine Tochter Irma Thälmann-Gabel schilderte in ihren Erinnerungen, wie sehr ihr Vater Anteil am Leben armer Arbeiterfamilien nahm. So spendierte er einmal traurigen Hamburger Arbeiterkindern eine Karussellfahrt, die sie sich selbst nicht leisten konnten – eine Begebenheit, der sie sogar ein Kapitel mit dem Titel „Das Karussell“ widmete. Man darf wohl vermuten: An einem kostenlosen Schwimmbecken für die Bevölkerung direkt vor seinem früheren Arbeitsplatz hätte Ernst Thälmann seine Freude gehabt.