Manila
ASEAN 2026: Auf politischen Ausgleich und Diplomatie bedacht – vielstimmige und widersprüchliche Töne aus Manila
Die Deutsch-Philippinischen Freunde e.V. haben auf ihrer Webseite einen neuen Beitrag des Philippinen- und Südostasien-Kenners Dr. Rainer Werning publiziert. Er befasst sich mit der jüngsten ASEAN-Konferenz, die im Juli 2026 in Manila stattfand.
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Antikommunistische Wurzeln und Wachstum in Raten
Die ASEAN wurde am 8. August 1967 in der thailändischen Hauptstadt Bangkok von ursprünglich fünf Staaten aus der Taufe gehoben – Indonesien, Malaysia, Singapur, Thailand und den Philippinen. Ziel war die Förderung des konjunkturellen Aufschwungs, des sozialen Fortschritts und der politischen Stabilität, um ein Gegengewicht zu „kommunistischen Umtrieben“ aufzubauen. Der Vietnamkrieg – in Vietnam selbst der „Amerikanische Krieg“ genannt – wurde seitens des von den USA angeführten „Westens“ ja unter anderem auch damit begründet, einem „Dominoeffekt“ den Riegel vorzuschieben. Man befürchtete damals allen Ernstes ein „Umkippen“ zahlreicher Länder in der Region ins kommunistische Lager und war sichtlich erleichtert darüber, dass sich 1965/66 in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten Land Südostasiens, General Suharto in einem Blutrausch gegen die dortige (weltweit drittstärkste) kommunistische Partei (PKI) an die Macht geputscht hatte. In Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist auch das ASEAN-Sekretariat angesiedelt. Im Gründungsdokument der ASEAN ist zu lesen:
„[…] die Staaten Südostasiens teilen eine grundlegende Verantwortung für die Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Stabilität der Region und für die Sicherung friedlicher Entwicklung der Länder, und sie sind entschlossen, ihre Stabilität und Sicherheit gegen äußere Einflüsse jeder Art oder Propaganda zu sichern.”
Bald zeigten sich Erfolge der wirtschaftlichen Öffnungspolitik und einige Länder rückten zu den sogenannten Tigerökonomien auf. 1971 wurde die „Zone des Friedens, der Freiheit und der Neutralität“ (ZOPFAN) errichtet und der Grundstein für die Aufnahme weiterer Länder in die Vereinigung gelegt. Den Reigen eröffnete das ölreiche Sultanat Brunei, das im Jahr 1984 als sechstes ASEAN-Mitglied aufgenommen wurde. Nach dem Ende des Vietnamkriegs (1975) votierten weitere Länder für eine Mitgliedschaft, was im Falle Vietnams 1995, bei Myanmar und Laos 1997, im Falle Kambodschas 1999 und schließlich im Falle Osttimors (Timor-Leste) Ende Oktober 2025 realisiert wurde. Papua-Neuguinea genießt seit Langem einen Beobachterstatus. Heute umfassen die elf Mitgliedsländer der ASEAN rund 700 Millionen Einwohner sowie eine Gesamtfläche von über 4,5 Millionen Quadratkilometern. Die Vereinigung hat ein gemeinsames Bruttoinlandsprodukt von ca. 3,47 Billionen Euro und ein Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent im Jahr 2025.
„Gemeinsam die Zukunft gestalten“ – die Agenda in Manila
Die Philippinen richteten vom 18. bis 24. Juli in Manila das 59. Treffen der ASEAN-Außenminister sowie eine Reihe weiterer hochrangiger Konferenzen – darunter auch von Unterorganisationen der ASEAN – aus. Zu den wichtigsten Themen gehörten die Krise im von Militärs dominierten und tiefen ethnischen Konflikten gekennzeichneten Myanmar, Konflikte im Südchinesischen Meer, der Krieg im Nahen Osten, Handel, wirtschaftliche Stabilität und grenzüberschreitende Cyberkriminalität. Ziel der einwöchigen Veranstaltungsreihe, deren Motto „Gemeinsam die Zukunft gestalten“ lautete, war es, die Prioritäten der philippinischen Vorsitzführung voranzutreiben, die Einheit und Zentralität der ASEAN zu stärken sowie die regionale und internationale Zusammenarbeit zu vertiefen. Die philippinische Außenministerin Ma. Theresa P. Lazaro übernahm den Vorsitz der einwöchigen Sitzungsreihe. Nach Ansicht von Beobachtern, Kommentatoren und politischen Analysten gelang es der ASEAN in Manila einmal mehr, sich als diplomatisches Nervenzentrum der Region zu präsentieren. (...)