Aufruf zum 8. März
"So aufrüttelnd, dass ich mich nur noch aufs Sofa legen wollte ..."
Eine Leserin schrieb vor einiger Zeit an die Frauenabteilung beim ZK der MLPD und kritisierte den Aufruf zum diesjährigen Internationalen Frauentag am 8. März.
Hier der Leserbrief
Liebe Genossinnen, nachdem ich lang genug darüber brüte, schreibe ich euch doch noch. Als ich den Aufruf der MLPD zum Internationalen Frauentag 2026 gelesen hatte, wollte ich nur noch mit einer großen Tafel Schokolade, einer Kuscheldecke und schöner Musik mich aufs Sofa einmummeln. So viel Elend, so viel Unterdrückung, so viele Probleme. Und dann noch die Regierung und die AfD. Es nimmt ja kein Ende. Höchstens im Sozialismus. Das dauert aber noch.
In eurem Aufruf sind wir Frauen Opfer. Als Frau bin ich da ganz schön unten durch. Auf die Straße? Ja, klar! Aber ganz ehrlich – ich bin nicht das Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse. Als Frauen tragen wir diese Gesellschaft jeden Tag. Wir sind stark, wir können was, wir schützen unsere Kinder, wir halten vieles in diesem Laden zusammen! Das ist auch eine Grundlage für unsere Kraft, für unser Selbstbewusstsein und für unsere Kampffähigkeit. Wir wissen, aufgeben geht nun mal nicht. Ich wünsche mir – auch von euch - eine optimistische und kämpferische Vorbereitung der Partei auf den Frauenpolitischen Ratschlag. Auch eine, die die Wut und die Kreativität junger Frauen zum Ausdruck bringt. Herzliche Grüße
Hier die Antwort der Verantwortlichen
Liebe M., auch wenn es schon etwas her ist, bin ich froh, dass du uns im Nachgang noch deine Kritik geschrieben hast zum Aufruf der MLPD zum Internationalen Frauentag. Ich stimme deiner Kritik in der Hauptseite zu. Weltanschaulicher Kern ist ein Verstoß gegen die Lehre von der Denkweise: Als würde sich das Frauenbewusstsein höherentwickeln, wenn wir die Frauen nur auf die Schlechtigkeiten der kapitalistischen Welt hinweisen – und prompt strömen alle spontan dem Kampf um den Sozialismus zu.
Das ist ein vulgärmaterialistischer Einfluss der Anbetung der Spontaneität. Dies widerspricht auch der konkreten und sowie der grundsätzlichen Analyse der MLPD: Weder ist die Masse der werktätigen Frauen nur Opfer der bürgerlichen Staats- und Familienordnung und der imperialistischen Krisen – noch ist die MLPD die einzige Kraft, die wacker dagegen die Fahnen hochhält. Die Masse der Frauen steht im tagtäglichen Kampf mit diesen kapitalistischen Verhältnissen. Sie sind real sowohl Opfer – aber eben auch „Akteurinnen“ und Aktivistinnen, Gewerkschafterinnen, die sich organisieren, lernen, gemeinsam im Kampf vorwärtszugehen.
Zugleich wirken natürlich immer verschiedene Variationen der kleinbürgerlichen Denkweise ein, z.B. der kleinbürgerlich-feministischen: „nicht alle Männer sind schuld, aber es ist am Ende immer ein Mann, der schuld ist“. Solche Argumente zu zerpflücken, das wäre interessant für einen solchen Aufruf zum Internationalen Frauentag. Wir haben es uns mit dem Aufruf zu einfach gemacht, weder die reale Entwicklung in der kämpferischen Frauenbewegung, noch die zu lösenden Fragen im Kampf um die Denkweise systematisch analysiert, um dann darauf einzugehen. Es gab in dem Frauenbereich auch Tendenzen der kleinbürgerlich-kapitulativen Denkweise und das drückt sich in dem „Frauen nur als Opfer“ zu sehen eben auch aus. Das wird sicher auch in der Vorbereitung eines kämpferischen, streitbaren und lebendigen 14. Frauenpolitischen Ratschlag interessant!
Ich freue mich auf die weitere Auseinandersetzung und schwungvolle Vorbereitung dazu.