Leserbrief

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Rhein-Niedrigwasser: Kritische Anmerkungen und Ergänzungen

Dieser Leserbrief bezieht sich auf den Artikel "Nächster Rekord fällt: Niedrigststand am Rhein", der am 29. Juli auf Rote Fahne News erschienen ist:

Korrespondenz aus Duisburg:
Rhein-Niedrigwasser: Kritische Anmerkungen und Ergänzungen
Dieses Bild von der Rheinbrücke bei Köln-Rodenkirchen stammt zwar aus dem Jahr 2028, könnte aber auch dieses Jahr aufgenommen worden sein: Heftiges Niedrigwasser im Rhein (foto: ToLo46 (CC BY-SA 4.0))

Der Artikel „Nächster Rekord fällt: Niedrigstand am Rhein“ vom 29. Juli beschreibt die aktuelle Niedrigwassersituation am Rhein zutreffend. Er bleibt jedoch bei den Ursachen und den gesellschaftlichen Folgen an der Oberfläche.


Das Niedrigwasser aufgrund geringer Niederschläge und schwindender Gletscher ist kein Ausnahmefall mehr. Seit Jahren werden immer früher neue Tiefstände erreicht. Gleichzeitig sinken die Grundwasserstände. Rhein und Grundwasser bilden ein zusammenhängendes System, in dem bei tiefem Pegel Grundwasser in Richtung Rhein abfließt. Ihre gemeinsame Entwicklung zeigt, dass der gesamte Wasserhaushalt dauerhaft aus dem Gleichgewicht gerät. Betroffen sind Schifffahrt, Industrie, Landwirtschaft, Ökosysteme und die Trinkwasserversorgung.


Damit wird deutlich: Die natürlichen Voraussetzungen der gesellschaftlichen Produktion geraten selbst in die Krise. Wasser wird zunehmend zu einem begrenzenden Produktionsfaktor. Niedrigwasser verursacht Transportprobleme, steigende Kosten und instabile Lieferketten, während sinkende Grundwasserstände die landwirtschaftliche und industrielle Produktion zusätzlich erschweren.


Diese Entwicklung ist keine Folge natürlicher Prozesse. Sie steht im Zusammenhang mit einer Produktionsweise, die auf Profitmaximierung, Konkurrenz und der ständigen Ausweitung der Produktion beruht. Die Wasserkrise ist deshalb nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein Problem für die kapitalistische Produktion und Ausdruck einer tiefergehenden gesellschaftlichen Krise.


Technische Anpassungsmaßnahmen können einzelne Folgen mildern, beseitigen aber nicht die Ursachen. Gleichzeitig steigen die gesellschaftlichen Kosten für Hochwasser- und Dürreschutz, Wasserwirtschaft und Infrastruktur ständig an. Diese ökologischen Folgekosten werden zunehmend auf die Allgemeinheit abgewälzt.

 

Die Rekordtiefstände am Rhein und die sinkenden Grundwasserstände zeigen, dass die globale Umweltkatastrophe bereits begonnen hat und in Teilen unumkehrbar geworden ist. Es wird deshalb nicht gelingen, frühere natürliche Zustände vollständig wiederherzustellen. Entscheidend ist vielmehr, das weitere Fortschreiten der Umweltkatastrophe so weit wie möglich zu begrenzen und über die noch beeinflussbaren Prozesse die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten.


Solange Produktion, Investitionen und Ressourcenverteilung den Gesetzen von Profit und Konkurrenz unterliegen, fehlen die Voraussetzungen, die notwendigen gesellschaftlichen Ressourcen dauerhaft auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen auszurichten. Deshalb reichen technische Lösungen und staatliche Förderprogramme nicht aus. Erforderlich ist eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Organisation der Produktion, damit der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen zum bestimmenden Maßstab wirtschaftlichen Handelns wird.

Zusammenfassung

Die neuen Niedrigwasserrekorde am Rhein und die sinkenden Grundwasserstände markieren eine neue Entwicklungsstufe der begonnenen globalen Umweltkatastrophe. Mit ihr verschärft sich der Widerspruch zwischen einer auf maximale Kapitalverwertung ausgerichteten Produktionsweise und den Erfordernissen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen. Die entscheidende Zukunftsfrage lautet daher nicht, wie sich das bestehende System ökologisch korrigieren lässt, sondern unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen das weitere Ausreifen der globalen Umweltkatastrophe überhaupt noch wirksam begrenzt werden kann.

 

Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen

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