6000 protestieren bei Audi Neckarsulm
„Ohne Streik wird sich nichts ändern“
Am Mittwoch, dem 29. Juli 2026, versammelten sich rund 6000 Beschäftigte vor dem Audi-Werk in Neckarsulm zu einer Protestkundgebung gegen die drohende Werksschließung und Arbeitsplatzvernichtung. Organisiert wurde die Aktion von IG Metall und Betriebsrat.
Aus der Lehrwerkstatt gab es einen eigenen Demozug.
Besonders auffällig war die solidarische Beteiligung aus anderen Werken der Region. Es kamen Vertrauensleute von Porsche und von Mercedes Sindelfingen und Untertürkheim. Aus dem Mercedes-Werk Untertürkheim reiste eigens ein Bus mit 25 IG-Metallern an. Teilnehmer berichteten von einer echten Verbrüderung und Verschwisterung der Belegschaften – ein starkes Zeichen der Geschlossenheit über Konzern- und Werksgrenzen hinweg. Lautstark skandiert wurde die Parole „Ohne Streik wird sich nichts ändern.“ Dazu gab es auch ein riesiges Transparent.
Ein Korrespondent berichtet: "Selbstbewusst, lautstark und wütend auf den VW-Vorstand kamen am letzten Arbeitstag vor den Betriebsferien ca. 6.000 Audianerinnen und Audianer zu einer 'Betriebsratsinfo'. Als die Kolleginnen und Kollegen im Sternmarsch zu Tor 6 marschierten, wurden sie bereits von einer Delegation von Mercedes- und Porsche-Kollegen empfangen. Auf ihrem Transparent stand: 'Ohne Streik wird sich nichts verändern!' Schon die Rednerliste zeigte aber, dass hier keine ganz alltägliche Betriebsrats-Info stattfand: Neben der Vertrauenskörperleitung der IG Metall und dem Betriebsrat sprachen u.a. Barbara Resch (Bezirksleiterin der IG Metall), der Oberbürgermeister von Neckarsulm, und Thomas Strobl von der CDU. Leider wurden die Vertrauensleute von Mercedes und Porsche nicht zu einem Grußwort auf die Bühne gebeten.
Noch vor wenigen Wochen gab es Angriffe auf die Kollegenzeitung Vorwärtsgang, die den Audi-Kollegen reinen Wein einschenkt und auf einen Kampf gegen die Werksschließung orientiert. Gegen Verteilerinnen und Verteiler der Kollegenzeitung holte Audi die Polizei. Von 'Gerüchten' und 'Unruhestiftern' war die Rede. Heute ist allen bewusst: Die 'Unruhestifter', die für ihren Profit mit der Existenz von Zehntausenden Arbeiterfamilien spekulieren, sitzen im VW-Konzernvorstand.
Laut wurde es bei der Kundgebung immer dann, wenn Respekt für die Leistungen der Belegschaft eingefordert und die betriebswirtschaftliche Logik der Monopole angeprangert wurde. Mehrfach wurde an das Jahr 1975 erinnert, als die Audianer bereits eine Werksschließung durch ihren Kampf abwenden konnte. Die IG Metall Neckarsulm beginnt ihren Bericht mit dem Slogan: „Damals. Heute. Morgen. Neckarsulm bleibt.“ Eine Vertrauensfrau von Audi Ingolstadt zitierte aus dem Solidaritäts-Song ihres Kollegen: 'Aus unserem Schweiß habt ihr Euer Imperium gebaut.'
Die gegenseitige Verpflichtung zur Solidarität der Automobilarbeiter zwischen den verschiedenen Standorten war ein Markenzeichen der Kundgebung. Tosender Beifall, Trommeln und Pfeifen immer dann, wenn zum Kampf aufgerufen wird. Aber für welche Forderungen? Die Betriebsgruppe der MLPD vertritt den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz als rote Linie, hinter die wir nicht zurückweichen dürfen. Mit der 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich können Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten und geschaffen werden. Die Pläne des VW-Vorstands müssen vollständig vom Tisch!
Der Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart und weitere Redner kritisierten die „Kommunikation“ des Vorstands. Ein „ehrlicher Dialog auf Augenhöhe“ wurde gefordert. Ist die Ankündigung von VW, 120.000 Arbeitsplätze abzubauen, nicht eine offene Kampfansage? Hier ist nicht Abwarten angesagt, sondern eine klare Antwort! Die Automobilarbeiter sind gut beraten, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Auch wenn sich bürgerliche Politiker gegenseitig darin überbieten, ihre Vermittlung anzubieten. Steffen Hertwig, Oberbürgermeister von Neckarsulm, betonte z.B. seinen Draht (und den seines Heilbronner Kollegen) zum Ministerpräsidenten von Niedersachsen, der im VW-Aufsichtsrat sitzt. Hier werden Illusionen geschürt und ein fauler Kompromiss angebahnt.
Landtagspräsident Thomas Strobl ist ein Hardliner der CDU und ausgewiesener Arbeiterfeind. Selbst er drückte auf die Tränendrüse und sprach über den Nachbarn mit drei Kindern, der nach dem Verlust des Arbeitsplatzes sein Haus nicht mehr abbezahlen könnte. Und zeichnete dann in schillernden Farben sein Bild von einer modernen Industrieregion, mit der Schwarz-Gruppe, dem Bildungscampus und dem Innovationspark für 'Künstliche Intelligenz' in direkter Nachbarschaft von Audi Neckarsulm. Im Kapitalismus wird der technische Fortschritt aber nicht zum Erhalt von Arbeitsplätzen eingesetzt, sondern damit die Monopole Maximalprofit erzielen. Dieser Logik dürfen wir uns nicht unterordnen. Nach den Betriebsferien geht der Kampf bei VW / Audi in die nächste Runde."
Der Gedanke, dass alle Autoarbeiter gemeinsam kämpfen müssen, verbreitet sich. Das ist ein gutes Signal für den geplanten gewerkschaftlichen Protesttag in der Autoindustrie am 21. September. Die Diskussionen um die Losung „Am 21. September: Gewerkschaftlicher Streiktag aller Autoarbeiter und Zulieferer“ beginnen.
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