Ceuta

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Massendeportation von Geflüchteten

In den letzten Tagen des Juli 2026 erlebten und erlitten Zehntausende Menschen in der spanischen Exklave Ceuta eine der größten Massendeportationen der jüngeren europäischen Geschichte. Was als verzweifelte Flucht begann, endete mit einer massenhaften Abschiebung unter Einsatz des Staatsapparats – und nahezu ohne Widerspruch aus der großen bürgerlichen Politik.

Von pw
Massendeportation von Geflüchteten
Für das Recht auf Flucht und solidarisch gemeinsam zusammen mit Flüchtlingen aktiv - die MLPD. Hier auf der Lenin-Liebknecht- Luxemburg-Demo im Jahr 2029 in Berlin (rf-foto)

Etwa 50.000 bis 60.000 Menschen, überwiegend junge Marokkaner, überquerten innerhalb kurzer Zeit die Grenze nach Ceuta. Viele schwammen stundenlang um den Wellenbrecher, andere kletterten über den Grenzzaun. Mindestens 67 Menschen starben dabei. Sie flohen vor Armut, Perspektivlosigkeit und den Folgen imperialistischer Ausbeutung und regionaler Krisen.

Hetze

Kaum waren die Bilder im Umlauf, setzte eine Welle rassistischer, flüchtlingsfeindlicher bis faschistischer Hetze ein. Donald Trump sprach von einer „Invasion“, als ob es sich nicht um eine humanitäre Tragödie, sondern um einen Krieg handelte. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ließ das Schengen-Abkommen mit Spanien vorübergehend aussetzen. Kanzler Friedrich Merz drängte auf schnelle Rückführungen und forderte Marokko auf, die Menschen „unverzüglich“ zurückzunehmen.


Besonders hetzerisch ging Björn Höcke vor: Volksverhetzend schwadronierte er von einem „Angriffskrieg“. Die Geflüchteten wurden so von großen Teilen der bürgerlichen Politik und Medien in absurder Manier zu einer existenziellen Bedrohung stilisiert.

Ohne Hilfe unter schlimmen Bedingungen

In Ceuta selbst herrschten katastrophale Zustände. Tausende schliefen auf Straßen, in Parks und am Strand. Geschäfte blieben geschlossen, es fehlte an Wasser, Essen und Unterkünften. Die lokale Infrastruktur war überfordert. Statt humanitärer Soforthilfe dominierte die Präsenz von Polizei, Guardia Civil und Militär.


Die marokkanische Regierung verhielt sich doppelzüngig. Es gibt Berichte, wonach die Grenzkontrollen zunächst bewusst gelockert wurden – was den massenhaften Übertritt erst ermöglichte. Anschließend gingen marokkanische Sicherheitskräfte teilweise sehr brutal vor, setzten Schlagstöcke und Tränengas ein und drängten Menschen zurück. Die Geflüchteten gerieten so zwischen die Fronten zweier Staaten, die die Krise jeweils für eigene Interessen nutzten.

Massendeportation

Innerhalb von etwa 36 Stunden kehrten nach offiziellen Angaben rund 48.300 der Ankömmlinge nach Marokko zurück. Die Behörden sprachen überwiegend von „freiwilliger“ Rückkehr. Tatsächlich geschah dies unter massivem Druck: fehlende Versorgung, starke staatliche Präsenz, beschleunigte Verfahren und enge Koordination mit Marokko. Militär und Polizei kontrollierten die Lage und forcierten die Rückführungen. Was als „freiwillige Umkehr“ verkauft wurde, war in der Praxis eine Massendeportation durch den Staatsapparat – ohne individuelle Verfahren, ohne nennenswerte humanitäre Absicherung.

Kein Aufschrei

Bemerkenswert ist das Fehlen jedes Aufschreis in der großen bürgerlichen Politik. Während über „Invasion“, „Angriffskrieg“ und Grenzschutz debattiert wurde, blieb die Kritik an den Bedingungen der Rückführungen und am Umgang mit den Geflüchteten weitgehend aus. Die gleichen Kräfte, die sonst gerne von Humanität, Menschenrechten und europäischer Wertegemeinschaft sprechen, schwiegen weitgehend oder unterstützten die Linie der Abschottung und Rückführung. Das zeigt, was dieses Gerede von Humanität in der Praxis wert ist: wenig, sobald es um die Interessen der eigenen Grenzregime und imperialistischen Machtkalküle geht.

Was tun?

Flüchtlingsströme lassen sich nicht dauerhaft mit Zäunen, Abschiebungen oder Schengen-Aussetzungen aufhalten. Solange das imperialistische System Kriege, Ausbeutung und die Zerstörung von Lebensgrundlagen produziert, werden Menschen in zunehmendem Maße fliehen. Statt Hetze und Abschottung braucht es das uneingeschränkte Recht auf Asyl, eine sinnvolle humanitäre Organisation der Aufnahme, den Kampf gegen die Fluchtursachen und für vereinigte sozialistische Staaten der Welt.