Erste Eindrücke einer Reisegruppe
Kamerun: In einem wunderschönen Land mit einem grausamen Erbe des Kolonialismus
Am 26. Juli kam die Reisegruppe von People to People nach einem Nachtflug im tropisch warmen Douala in Kamerun an.
Douala hat rund 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und ist das pulsierende wirtschaftliche Zentrum Kameruns. Sein Hafen hat Bedeutung auch für die Länder Tschad, Zentralafrikanische Republik und Niger, die keinen Zugang zu Seewegen haben.
Wir wurden am Flughafen herzlich von Verantwortlichen der Agentur Tourismo Cameroun empfangen. Die Fahrt zum Hotel vermittelte uns einen ersten Eindruck von dem quirligen Verkehr. Ein Kontrastprogramm war am Abend die geruhsame Fahrt auf dem Fluss Wouri zur Insel Jebale. Vor dem Abschied durften wir am Fluss noch unser Anglerglück erproben. Wir hatten allerdings kein Glück.
Am nächsten Morgen ging es mit dem Zug in die rund 250 km entfernte Hauptstadt Yaoundé. Für einige von uns war das die erste Begegnung mit dem tropischen Urwald, der fast durchgängig die Strecke säumte, mit einer unendlichen Vielzahl verschiedener Bäume und Pflanzen.
In Yaoundé angekommen, machten wir uns nach dem Bezug unseres Hotels auf eine Besichtigungstour durch die Stadt. Unser erstes Ziel war der Platz der Unabhängigkeit mit einem Denkmal, das an die Unabhängigkeitserklärung des französisch beherrschten Teils Kameruns am 1. Januar 1960 erinnert. Wir wollten in Gedenken der Opfer der grausamen Ausbeutung und Unterdrückung Kameruns durch die europäischen Imperialisten, darunter auch die Deutschen, eine kleine Gedenkfeier veranstalten.
Der Leiter unserer Reisegruppe von Tourismo Cameroun, Serge Coltars, gab uns einen Überblick über die Geschichte des Befreiungskampfs in Kamerun. Er begann mit der Landung portugiesischer Seefahrer 1472. Dann folgten vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein der niederländische, britische, deutsche, französische und wieder der britische Imperialismus. Ihr gemeinsames Ziel war die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch die Arbeit der Einwohnerinnen und Einwohner. Die brutalste und unmenschlichste Seite war die Sklaverei.
Auf der Afrika-Konferenz 1884 / 85 in Berlin teilten die USA, das Osmanische Reich und zwölf europäische Länder große Teile Afrikas untereinander auf. Dabei bekam Deutschland Kamerun in den heutigen Grenzen als „Protektorat“ zugeschlagen. Die deutschen Besatzer setzten ihre Interessen mit aller Härte grausam um.
So machten sie 1894 in der Nähe des Kamerun-Berges zur Unterdrückung des Widerstands ganze Dörfer dem Erdboden gleich. Tausende Kamerunerinnen und Kameruner starben bei der Zwangsarbeit. Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg verlor Deutschland Kamerun. Im Versailler Vertrag wurde das Land dem Völkerbund unterstellt, der England ein Fünftel und Frankreich vier Fünftel Kameruns als „Treuhandgebiet“ übergab. Unter diesem "Schild" wurde die koloniale Ausbeutung und Unterdrückung fortgesetzt, von Frankreich mit faschistischen Methoden.
In Kamerun kämpfte die Partei „Union des Populations du Cameroun“ (UPC) seit 1948 entschieden für die Wiedervereinigung des Landes, die Unabhängigkeit und Anhebung des Lebensstandards der Bevölkerung. Der französische Imperialismus regierte mit brutaler Härte. So stellte er z. B. die abgetrennten Köpfe von Befreiungskämpfern als Abschreckung an den Straßen aufgespießt auf.
1955 verbot die französische Regierung die UPC. Erst 2025, nach 50 Jahren (!), musste der französische Präsident Emmanuel Macron das Vorgehen des französischen Imperialismus zwischen 1955 und 1971 als Kolonialkrieg anerkennen. Diesem sind rund zehn Prozent der Bevölkerung Kameruns zum Opfer gefallen; das entspricht 500.000 Menschen!
Die angeblichen „Terroristen“ waren in Wirklichkeit Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer, Kinder und Jugendliche, Frauen, Arbeiter, Landbevölkerung, Intellektuelle. Dieser Völkermord wurde ausdrücklich antikommunistisch begründet, da die Forderung nach Unabhängigkeit und Freiheit als „kommunistische Seuche“ bezeichnet wurde. Auch alte deutsche Hitler-Faschisten waren daran beteiligt. Es ist wohl einer der größten antikommunistischen und kolonialen Massenmorde der Weltgeschichte, der allerdings kaum bekannt ist.
Nach wie vor hat der französische Imperialismus einen großen Einfluss, der allerdings zunehmend vom chinesischen und zahlreichen anderen Imperialisten und neuen Imperialisten infrage gestellt wird.
Jede und jeder unserer Reisegruppe sagte ein paar Worte und wir legten dann eine Rose an dem Denkmal in Yaoundé nieder. „Wir verurteilen entschieden den Kolonialismus und Neokolonialismus. People to People steht für Völkerfreundschaft.“
Monika Gärtner Engel sagte unter anderem: „Wir erleben eine Welt mit vielen Kriegen und der Gefahr eines Dritten Weltkrieges, eine Welt mit einer sich beschleunigenden globalen Umweltkatastrophe und einer weltweiten Gefahr des Faschismus. Deshalb müssen sich die Völker, die Arbeiter heute in einer internationalen Einheitsfront gegen Faschismus, Krieg und Umweltzerstörung zusammenschließen.“
Wir ehrten die Freiheitskämpfer der UPC, wie Ruben Um Nyobe, Felix Moumié oder Ernest Ouandié, Osende Afana, Abel Kingue und viele andere, die mit Todesverachtung und Mut für die Freiheit Kameruns den Imperialisten trotzten.
People to People und Tourismo Cameroun passen wunderbar zusammen und die Reisegruppe passt bestens. Das sehr vielfältige Programm ist wunderbar und umsichtig organisiert. Da sind die kunterbunten Märkte, die Mitarbeit bei der Maniokernte und das gemeinsame Kochen mit der Bäuerin und ihrer Familie, das Treffen mit Aktivisten, beeindruckende Wasserfälle, ein Besuch von Königreichen und ihren Museen, eine Wanderung am Mont Mbapit, Skulpturen machen mit Künstlern vor Ort und vieles mehr.
Schön ist auch, dass die Gruppe deutsch-kamerunisch zusammengesetzt ist, so sprachliche Barrieren überwunden werden und wir die kulturellen und landestypischen Gepflogenheiten tief kennen und schätzen lernen. Wir haben dabei die Möglichkeit, über verschiedene Auffassungen über die immer noch verbreitetePolygamie oder andere religiöse und feudale Traditionen zu sprechen. Eine wunderbare Reise!
Wir werden weiter berichten!