Eva Maria Michelmann

Eva Maria Michelmann

Im Interview: Isolationshaft, Betäubung, sexuelle Belästigung, Todesdrohungen

Gegenüber Arzu Demİr von der Agentur ETHA, für die sie als ehrenamtliche Korrespondentin arbeitete, schildert Eva Maria Michelmann erstmals, was sich am 18. Januar in dem Gebäude ereignete, in dem sie und ihr Kollege Ahmet Polad Zuflucht gesucht hatte – und was danach geschah.

Rote-Fahne-Redaktion
Im Interview: Isolationshaft, Betäubung, sexuelle Belästigung, Todesdrohungen

In dem Interview berichtet Michelmann auch über ihre Arbeit im Gebiet der Autonomen Verwaltung in Rojava/Nordsyrien, erklärt dabei auch Teile ihrer eigenen politischen Vorstellungen und gibt einen tiefen Einblick in die Verhältnisse in dem von der HTŞ in weiten Teilen beherrschten Syrien.

 

„Ich habe großen Respekt vor diesen Menschen, die Träume haben und bereit sind, sogar ihr Leben zu opfern, um all diese auf Gleichheit ausgerichteten Projekte gegen die schlafenden IS-Zellen sowie gegen die faschistischen Vernichtungsangriffe der HTŞ und des türkischen Staates zu verteidigen“, sagt sie als von der Zeit als Korrespondentin berichtet. Die Haft war geprägt von Verhören, Angst, Lug und Trug: „Als Şabib einen Monat später erneut zum Verhör kam, fragte ich ihn, warum ich festgenommen worden sei. Er sagte: ‚Weil ich keinen Reisepass habe‘, ‚weil der deutsche Staat keine Antwort geben will‘ und ‚weil es draußen Leute gibt, die mich umbringen wollen‘. Ich unterbreitete Lösungsvorschläge für all diese Punkte. Ich bat darum, telefonieren zu dürfen, und bot an, bei der Lösung zu helfen. “ Tatsächlich nahmen ihre Wärter an, dass sie für die PKK arbeitete, wie sich später heraus stellte.

 

Für die Unterstützung aus dem Ausland ist sie dankbar: „Angesichts unserer Situation hat es mich sehr gefreut zu erfahren, dass sich auf internationaler Ebene Tausende von Menschen für den freien Journalismus und die Menschenrechte in Syrien einsetzen. Ich spüre, dass der Kampf gegen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die das HTŞ-Regime begeht, deutlich an Stärke gewonnen hat.“ Große Sorge fühlt sie weiterhin wegen ihres Kollegen, der nach wie vor in der Gewalt des dieses Regimes ist: „Wir müssen uns bewusst sein, dass Ahmet, da er ein kurdischer Journalist ist, noch stärker im Fokus des Hasses der HTŞ-Anhänger stehen wird als ich. Wir müssen davon ausgehen, dass er das, was ich erlebt habe, schon unzählige Male durchgemacht hat.“

 

Das vollständige Interview