Leserbrief
„Hände weg vom 8-Stunden-Tag“
Der folgende Leserbrief von Linda Weißgerber aus Wuppertal wurde in der WZ vom 27. Juli 2026 abgedruckt. Er bezieht sich auf den in derselben Zeitung erschienenen Artikel „Wochenarbeitszeit statt Achtstundentag?“:
Es geht um die geplante Änderung des Arbeitszeitgesetzes von Arbeitsministerin Bärbel Bas/SPD. Ende offen, aber nicht wirklich. Wenn es um „mehr Flexibilität für Arbeitgeber“ gehen soll, ist das absehbar zum Nachteil der Arbeiterinnen und Arbeiter.
Denn beide Seiten haben gegensätzliche Interessen, das ist ein Gesetz des Kapitalismus: Konzernherren und -damen wollen die Arbeitszeit verlängern, Mehrwert und Gewinne erhöhen. Arbeiterinnen und Arbeiter brauchen kürzere Arbeitszeiten für Erholung, Gesundheit, Familie und soziale Kontakte. Nicht zu vergessen, dass sie es sind, die die gesellschaftlichen Werte, den Reichtum, erwirtschaften! Darauf geht die Kommentatorin nicht ein, sondern schreibt im arbeitgeberfreundlichen Ton: „Die DGB-Protestaktion ‚Mit Macht für die 8‘ ist von gestern. Wenn man mal mehr als acht Stunden arbeitet, wird das Privatleben nicht gleich zerstört, die Gesundheit nicht gleich gefährdet.“ Uff! Offensichtlich hat die Autorin nur wenig Kenntnisse vom heutigen Arbeitsleben, Druck und der Hetze an sehr vielen Arbeitsplätzen. Dazu kommen noch wenig Lohn oder belastende Schichtzeiten. Da zählt jede Stunde, um sich zu erholen und das Familien- und Alltagsleben zu organisieren! Zudem schafft Arbeitszeitverkürzung (bei vollem Lohnausgleich) neue Arbeitsplätze.
Offensichtlich fehlen der Kommentatorin aber auch wirtschaftliche Kenntnisse, wenn sie weiterschreibt: „Arbeitgeber bieten Menschen die Möglichkeit, ihr Leben zu bezahlen. Das bedeutet aber nicht, dass Unternehmen Mitarbeiter ausbeuten dürfen.“
Was ist das anderes als Ausbeutung, wenn Unternehmen den Arbeitskräften nur so viel Lohn bezahlen, wie sie zum Leben brauchen, aber den übergroßen Mehrwert, der immerhin gesellschaftlich erarbeitet wird, in die private Tasche stecken?! Davon wird auch in neue Maschinen oder Technik investiert, aber nur so lange, wie die Gewinne stimmen. Und diese schießen in den Himmel!
Deswegen kommt die „Ruhrpott Rebellion“ der IG Metall goldrichtig.“ Bis hierhin – und nicht weiter!“ Unsere hart erkämpften sozialen Errungenschaften lassen wir uns nicht einfach wegnehmen. Frei nach Bertolt Brecht: Nur wer kämpft, kann gewinnen!