Waldbrände neuer Qualität
Feuersturm – Großbrände schaffen ihr eigenes Wetter
In Frankreich wurde bei den aktuellen Waldbränden erstmals – für Frankreich – von einer sogenannten „Feuerwolke“ berichtet. Dahinter steckt ein Phänomen, das man früher allgemein mit dem Begriff „Feuersturm“ bezeichnet hat.
Der wissenschaftliche Name für eine solche Wolke ist „Pyrocumulonimbus“. Ab einer gewissen Fläche und Hitze der Brände wird die durch den Waldbrand erhitzte Luft in großen Mengen in der Atmosphäre nach oben gezogen. Dabei zieht sie Rauch und Glutpartikel mit sich, die dann in den oberen Schichten der Atmosphäre auf kühlere Luft stoßen, wodurch ein eigenes, örtlich begrenztes Wettersystem mit starken Winden entsteht. Die Reibung und damit Ladung der Partikel wächst, bis es zu etwas kommt, was man als Aschegewitter umschreiben kann, inklusive Blitzschlägen. Es kann sich sogar ein gewaltiger Wirbelsturm bilden.

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Nicht aktiv löschbar
Dadurch, dass die Luftmassen über dem Brand nach oben gezogen werden, entstehen außerdem starke Winde in Bodennähe, weil kühlere Luft von außerhalb nun in den Brandherd gesogen wird (physikalisch betrachtet ist es übrigens so, dass die größere Dichte der kühleren Luft der eigentliche Antrieb ist – es ist also tatsächlich die kühlere Luft, die die heiße Luft nach oben in die Atmosphäre treibt). Im Ergebnis hat der Waldbrand einen thermischen Kaminschacht gebildet und heizt sich damit selbst an.
Gleichzeitig sind die Winde, die dabei in der Feuerwolke entstehen, unvorhersehbar und wechselwirken mit den Bodenwinden, sodass das Feuer am Boden schnell und unerwartet die Richtung ändern kann – das macht diese Brände noch gefährlicher und schwerer zu bekämpfen. Tatsächlich galten Feuerstürme allgemein bisher als nicht aktiv löschbar – sie enden meist erst dann, wenn das zur Verfügung stehende brennbare Material aufgebraucht ist.
Feuersturm als Kriegswaffe

Die erste Stadt, in der im Zweiten Weltkrieg ein Feuersturm wütete, war London - hier sieht man die Brände nach dem Angriff vom 7. September 1940 (kein Feuersturm). Bei dem so genanten "London Blitz" kamen von September 1940 bis Mai 1041 etwa 43 000 Menschen um's Leben.
In der Geschichte sind ähnliche Phänomene in der Natur im Zusammenhang mit schweren und andauernden Vulkanausbrüchen bekannt. Ein durch Menschen direkt hervorgerufener Feuersturm wurde erstmals im großen Stadtbrand von London im Jahr 1666 beobachtet. Dieser Effekt wurde von den britischen Luftkriegsstrategen im Zweiten Weltkrieg bewusst ausgelöst, um die Zerstörungen durch Luftangriffe auf deutsche Städte zu intensivieren. Erstmals gelang dies bei dem Angriff auf Lübeck in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942, bei dem 1468 Gebäude völlig zerstört, 2180 schwer und 9103 leicht beschädigt wurden. 320 Menschen verloren bei diesem ersten als Kriegswaffe geschaffenen Feuersturm das Leben; das war damals nur ein Vorbote dessen, was diese Kriegstaktik noch in Städten wie Hamburg anrichten würde.