Ferienpark Thüringer Wald
21. Waldfest in Truckenthal – die fortschrittliche Bewegung rückt enger zusammen
Bei strahlender Stimmung und nach intensiver Vorbereitung fand am 1. August das 21. Waldfest im Ferienpark Thüringer Wald in Truckenthal statt. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher erlebten einen Tag voller Kultur, Begegnungen, Lebensfreude und politischer Diskussionen.
Mit ca. 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war es deutlich besser besucht als in den vergangenen Jahren. Dazu beigetragen hat nicht nur die gute Mobilisierung des Sommercamps durch den Jugendverband REBELL mit zahlreichen Werbeeinsätzen in der Umgebung. Denn auch die vielfältigen Stände haben an Breite zugenommen. Rund um die Bühne luden zahlreiche Stände zum Verweilen ein. Angeboten wurden Bücher, Bratwürste, Rostbrätel sowie ein reichhaltiges Kuchenbuffet.
Flaniermeile lud zum Besuch ein
Neben der MLPD und dem Jugendverband REBELL beteiligten sich auch die Linkspartei und die Linksjugend. Der Sozialverband VdK war mit einem Glücksrad dabei und unterstützte das Kinderschminken. Auf dem Weg zur Hüpfburg war eine richtige Flaniermeile aufgebaut – mit Infoständen des Frauenverbands Courage, der Umweltgewerkschaft, des NABU mit Informationen zur Aktivität des Bibers in der Region, einem Aktionsstand von Freunden des ThüringenForst, von der Solidaritäts- und Hilfsorganisation Solidarität international (SI), von "Palästina muss leben“ und der Neuen Friedensbewegung gegen Faschismus und Krieg. Viele liebevolle Verkaufsstände, von Alpaka-Produkten bis hin zu selbst hergestellten Schmuckgegenständen, zogen die Besucherinnen und Besucher an.
Pünktlich um 14 Uhr setzte ein starker Regenschauer ein, sodass das geplante Neptunfest leider abgesagt werden musste und der sicherlich auch dafür sorgte, dass der eine oder andere Spontanbesuch zu Hause blieb. Bereits um 15 Uhr kämpfte sich aber wieder die Sonne durch, die den ganzen Nachmittag über dann bestes Wetter prägte.
Das Bühnenprogramm beginnt
Herzstück des Festes war die Veranstaltungsbühne. Dort wechselten sich politische Beiträge, kulturelle Darbietungen und musikalische Höhepunkte ab. Um 16 Uhr wurde das Bühnenprogramm eröffnet. Peter Weispfenning begrüßte im Namen des Vorstands des Vermögensverwaltungsvereins der MLPD die Gäste.
Er kritisierte die bürgerliche Flüchtlingspolitik. In die spanische Exklave Ceuta im Norden Marokkos sind 60 000 Menschen vor Hunger, Krieg und Ausbeutung geflohen. Die Bundesregierung fordert deren Deportation, statt sich für humanitäre Hilfe und Solidarität einzusetzen. Hier, im Landkreis Sonneberg, regiert der AfD-Faschist Robert Sesselmann als Landrat, der die finanzielle Förderung der Regierung für Integrationskurse nicht abrief und am Ende gegen die angeblich nicht gut integrierten Flüchtlinge hetzt. Der Ferienpark Thüringer Wald ist ein Ort der Solidarität, der sich für das Recht auf Flucht positioniert. Faschisten haben hier keinen Zugang, und in diesem Sinne soll der Ort noch viel mehr zum Anlaufpunkt für die fortschrittliche und antifaschistische Bewegung werden.
Nach einer Zaubershow wurde Professor Dr. Oliver Rump von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin interviewt, dessen Ausstellung zu Werner Seelenbinder gerade im Ferienpark gastiert. Mehr zu dieser Ausstellung hier. Werner Seelenbinder war in der Weimarer Republik Spitzensportler im Ringen im griechisch-römischen Stil und Kommunist. Er leistete illegalen antifaschistischen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur und wurde dafür nach langer Haft und schweren Misshandlungen in Konzentrationslagern und Gefängnissen des Hitler-Faschismus im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Von seinem Mut kann die Jugend heute viel lernen.
Nach dem schon traditionellen Gastauftritt des Zirkus Rebellini, für den die Kinder die ganze Woche über trainierten, begann vor rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörern die Podiumsdiskussion unter dem Titel "Zukunftsvisionen - unsere Alternativen zu Krisen, Krieg und Faschismus". Das Podium war so interessant und breit zusammengesetzt, dass gar nicht alle diskutierten Fragen hier wiedergegeben werden können.
Frank Kuschel aus Arnstadt, ehemaliger Landtagsabgeordneter der Linkspartei, aktuell Mitglied des Kreistags des Ilm-Kreises und des Stadtrats Arnstadt, rief dazu auf, die Systemfrage zu stellen, und plädierte dafür, dass linke Kräfte dazu mehr zusammenkommen müssen. Sein Schwerpunkt liegt in der parlamentarischen Kommunalpolitik.
Hashem Qasem, einer der Initiatoren der Solidaritätsorganisation „Palästina muss leben!“ und langjähriger Aktivist des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge UNRWA, machte auf die barbarische Situation im Gazastreifen aufmerksam, prangerte das zionistische Regime in Israel für seinen Völkermord an den Palästinenserinnen und Palästinensern an und kritisierte alle Imperialisten, die dazu schweigen oder die das – wie die deutsche Bundesregierung – sogar aktiv unterstützen.
Heidi Büttner, ehemalige Kreistagsabgeordnete von Bündnis 90 / Die Grünen, kritisierte die AfD, die sich im Wahlkampf gegen Krankenhausschließungen positionierte und deren Landrat Sesselmann dann nach der Wahl das Krankenhaus in Neuhaus schloss. Sie war viele Jahre Personalrätin beim im hessischen Offenbach ansässigen Deutschen Wetterdienst und befasste sich besonders mit dem Thema Prognosen. Deshalb hatte sie auch zu gesellschaftlichen Zukunftsprognosen eine Meinung.
Peter Weispfenning vom Zentralkomitee der MLPD sprach zur Perspektive des echten Sozialismus. Er schlug als Minimalkonsens in der fortschrittlichen Bewegung vor, dass man gemeinsam für eine Welt ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Faschismus eintritt und dabei über das noch Trennende diskutiert. Zum Thema Parlamentarismus sprach er sich für einen proletarischen Parlamentarismus aus, wies aber auch auf die Grenzen hin, kritisierte reformistische Illusionen und betonte, dass die Welt nur auf revolutionärem Wege verändert werden kann. Die Triebkraft im Kommunismus ist die proletarische Denkweise, die sich gegen Egoismus und weitere Erscheinungen, die vom Kapitalismus geprägt sind, durchsetzen muss und wird. Die Denkweise der Menschen ist veränderbar.
Martha Wüthrich, ehemalige Bundesprecherin der Linksjugend, wies auf die Hintergründe des Faschismus hin, die im Kapitalismus liegen. So auch in Israel. Sie prangerte den geplanten Bau einer israelischen Rüstungsfabrik im sachsen-anhaltischen Sangerhausen an, gegen den sich bereits Protest formiert. Wegen ihrer Palästinasolidarität wurde gegen sie ein Parteiausschlussverfahren eingeleitet und sie wurde mit einem Strafverfahren der Staatsanwaltschaft belegt. Das Publikum sprach ihr die Solidarität aus.
Anna Schmit würdigte als Vorsitzende des Jugendverbandes REBELL, dass eine sozialistische Jugendbewegung zu entstehen beginnt. Sie hob die Fortschritte in der antifaschistischen Bewegung hervor, die sich verändert hat, sich inzwischen mehr an die Massen wendet und antifaschistischen Widerstand mit Überzeugungsarbeit verbindet, statt sich sektiererisch von den breiten Massen abzuschotten.
Hannes Volk berichtete als stellvertretender Kreisvorsitzender der Linkspartei Sonneberg-Neuhaus von der antifaschistischen Arbeit im Landkreis im Kampf gegen den faschistischen Landrat Robert Sesselmann. Er sprach sich dafür aus, enger über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten.
Ein Auszubildender aus einem Thüringer Großbetrieb, der dort stellvertretender Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung ist, berichtete von den vielfältigen Kämpfen der Arbeiterklasse in den letzten Wochen. Zahlreiche Industriebetriebe fahren einen Generalangriff auf die Arbeiterklasse und die Losung "Mitbestimmung durch Streik" trifft auf breite Zustimmung. Sie wurde vielfach zunächst in Form von kämpferischen Pausenversammlungen und großen Kundgebungen vor den Werkstoren aufgegriffen.
Auch die Besucherinnen und Besucher beteiligten sich rege an der Diskussion. Zahlreiche Wortmeldungen und Fragen machten deutlich, dass die angesprochenen Themen viele Menschen bewegen.
Drei Bands bestritten das Abendprogramm
Gegen 19 Uhr beteiligten sich ca. 50 Leute am gemeinsamen öffentlichen Zumba-Training und anschließend begann das Konzert mit Street Ops aus Passau, The Great Destroyer aus Sonneberg und Gehörwäsche and Friends aus Köln, die bis in die Nacht für gute Laune sorgten.
Das 21. Waldfest machte deutlich, dass der Ferienpark Thüringer Wald weit mehr ist als ein Ort der Erholung. Er bietet Raum für Kultur, Begegnung und den Austausch über gesellschaftliche Fragen. Die hervorragende Organisation, das vielfältige Programm und das Engagement der zahlreichen Helferinnen und Helfer trugen wesentlich dazu bei, dass auch das diesjährige Waldfest für viele Besucherinnen und Besucher ein voller Erfolg wurde.