Faschisten gegen Volksfront
Vor 90 Jahren: Beginn des Spanischen Bürgerkriegs
Am 17. Juli 1936 putschte auf Befehl des faschistischen General Franco die Armee in der spanischen Kolonie Marokko, auf den Balearen und auf den Kanarischen Inseln.
Putschversuche faschistischer, monarchistischer Kräfte aus den den Landstreitkräften folgten im ganzen Land. Ziel war, Spanien in 12 Tagen zu beherrschen.
Der Putsch richtete sich gegen die am 16. Februar 1936 gewählte Volksfrontregierung. Die Volksfront bestand aus der Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Arbeiterpartei, der Republikanischen Linken und der Republikanischen Union - dies zwei bürgerlich-demokratische Parteien. Weiter gehörten der breiten Volksfront die zur Allgemeinen Arbeiterunion zusammengeschlossenen kommunistischen und sozialistischen Gewerkschaftsbewegungen, eine anarchistisch-syndikalistische Partei und Verbände der kommunistischen und der sozialistischen Jugendbewegung an. Der Putsch erfolgte im Auftrag der klerikal-feudalen und großbourgeoisen Reaktion und mit Unterstützung der faschistischen Staaten Deutschland und Italien.
Vom 18. bis 25. Juli 1936 schlagen die Massen, vor allem die in Parteien und Gewerkschaften organisierten Arbeiter, in zwei Drittel des Landes den Putsch nieder: besonders in den politischen und ökonomischen Zentren Katalonien, Zentralspanien, in allen Industriegebieten und den meisten größeren Städten. In Madrid wird ab dem 20. Juli eine Volksmiliz aufgebaut. Im November 1936 bestand diese Volksmiliz aus 69.600 militärisch ausgebildeten Freiwilligen. Sie bildeten den Grundstock der spanischen Volksarmee. 40 Prozent von ihnen waren Arbeiter, die Hälfte waren Bauern. Politisch zählten 50 Prozent zu den Kommunisten, 25 Prozent zu den Sozialisten.
Der französische Ministerpräsident und rechte Sozialdemokrat Leon Blum schlägt in Übereinstimmung mit der reaktionären englischen Tory-Regierung den sogenannten „Nichteinmischungs-Pakt“ vor, der vor allem die Einstellung von Waffenlieferungen an die demokratisch gewählte Republik beinhaltet. Dieser schändliche Pakt wird von den beiden Ländern am 15. August beschlossen.
Es entsteht vor allem auf Initiative der Kommunistischen Internationale eine internationale Solidaritätsbewegung. In einem Aufruf appelliert das Zentralkomitee der KPD „an alle militärisch ausgebildeten deutschen Antifaschisten im Ausland, sich der spanischen Volksfront als Soldaten zur Verfügung zu stellen." Es wurden die Internationalen Brigaden aufgebaut. Die erste Brigade wird am 22. Oktober 1936 in Albacete mit Freiwilligen aus 25 Ländern aufgestellt. Bis Februar 1938 wurden insgesamt sechs Brigaden aufgestellt. Sie umfassten bei regulärer Besetzung vier Infantriebataillone mit 400 bis 600 Brigadisten plus MG-Artillerie und anderer Abteilungen. Zahlreiche Menschen eilten der Republik zu Hilfe. Der Schriftsteller Ernest Hemingway. Der Arzt Norman Bethune half, ein mobiles Bluttransfusionswesen aufzubauen. Die Arbeiterfotografin Tina Modotti war bei der Verschickung von Waisenkindern ins Ausland und der Versorgung Verletzter aktiv. Der Cellist Pablo Casals gab Konzerte für verwundete Brigadisten.
Die faschistischen Staaten rüsteten die Putschisten ungestört auf, die „Nichteinmischungspolitik“ zielte darauf ab, jegliche Hilfe für die Republik zu verhindern. Stalin erklärt die Unterstützung der spanischen Volksmassen zur „gemeinsamen Sache der gesamten fortgeschrittenen und fortschrittlichen Menschheit“ (Prawda 16. Oktober) und betont die Notwendigkeit umfassender militärischer und politischer Hilfe. Im Nichteinmischungskomitee erklärt die sozialistische Sowjetunion angesichts der fortgesetzten Intervention der faschistischen Staaten, sich nicht in höherem Maße als andere an das Abkommen gebunden zu fühlen. Die Sowjetunion beginnt mit Waffenlieferungen für die Republik. Diese treffen allerdings zum Teil nicht, zum Teil zu spät ein. Grund sind die faschistische Blockade und die Abriegelung durch Frankreich. Die Republik stand faktisch, auch von den Seewegen her, unter völliger Blockade.
In zahlreichen erbitterten Kämpfen leisten die Massen den Putschisten entschiedenen Widerstand. Todesmutig verteidigten sie Madrid trotz militärischer Überlegenheit der Gegner. Willi Bredel schreibt zum Beispiel: "30./31.7.1938. Die Faschisten, die angesichts der republikanischen Ebro-Offensive ihre von April bis Juli vorgetragene Offensive an der Levantefront einstellen müssen, beginnen mit gewaltiger Überlegenheit an Kriegsmaterial (Flugzeuge 15-20 : 1, mittlere und schwere Artillerie 12-15 : 1) ihre Gegenoffensive, die jedoch im gesamten Monat August erfolglos bleibt.“
Den Antifaschisten mangelte es in Spanien nicht an Mut, Kampfmoral und Kampffähigkeit. Der Faschismus siegte durch die massive Unterstützung durch die faschistischen Staaten und die faktische Unterstützung durch die „Nichteinmischungspolitik“ der westlichen Imperialisten. Nach einer Erklärung des Regierungschefs Negrin vor dem Völkerbund werden im Oktober 1938 die internationalen Freiwilligen aus der Volksarmee abgezogen. Franco zieht die fast 300 000 Mann regulärer deutscher, italienischer und portugiesischer Truppen nicht zurück. Nach weiteren Kämpfen Anfang 1939 verlässt am 11. Februar die letzte Einheit der Internationalen Brigaden Spanien. In Frankreich werden sie unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern interniert.
Am 25. Februar fordern die Regierungen Frankreichs und Englands von Ministerpräsident Negrin die Kapitulation des republikanischen Staates. Am 27. Februar erkennen sie offiziell das Franco-Regime an. Eine blutige faschistische Diktatur wurde errichtet, die bis zu Francos Tod 1975 auf dem spanischen Volk lastet.
Ein Vermächtnis dieses Kampfes ist es, dass die Anstrengungen vervielfacht werden müssen, dass kein Freiheitskampf auf sich gestellt bleibt. Das Gemälde Guernica von Pablo Picasso – auf der Weltausstellung 1937 in Paris zum ersten Mal gezeigt - wurde zur weltweit bekannten Anklage gegen die faschistische Kriegführung. Die Stadt wurde durch Luftangriffe der faschistischen deutschen Legion Condor und der italienischen Corpo-Truppe Volontarie vollkommen ausgelöscht.