Tenke-Fungurume-Mine

Tenke-Fungurume-Mine

Selbständiger Streik von Bergarbeitern im Kongo gegen chinesischen Konzern

Juni 2026: Drei Tage lang legten Arbeiter der Tenke-Fungurume-Mine die Arbeit nieder – gegen einen der größten chinesischen Bergbaukonzerne Afrikas, aber auch in der Kritik an einer mit Gewerkschaftsvertretern an den Arbeitern vorbei getroffenen Einigung.

Selbständiger Streik von Bergarbeitern im Kongo gegen chinesischen Konzern
Die Tenke Fungurume Mine ist eine der größten Produzentinnen von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo (Foto: CMOC)

Anfang Juni 2026 legten Hunderte Bergarbeiter der Tenke Fungurume Mining (TFM) in der Provinz Lualaba (Demokratische Republik Kongo) die Arbeit nieder. Der Streik begann am 1. Juni und endete am 4. Juni. (Rote Fahne News hatte Anfang Juni kurz über den Streik berichtet: Arbeiter streiken in TFM-Kupfermine)

Der Auslöser: Ein Tarifvertrag ohne die Belegschaft

Anlass war ein neuer Tarifvertrag, der zwischen der TFM-Direktion und einer Gewerkschaftsdelegation ausgehandelt worden war. Die Arbeiter fühlten sich zu Recht übergangen. In einem Memorandum an den Generaldirektor warfen sie der Delegation vor, den Vertrag „ohne vorherige Konsultation der Belegschaft“ abgeschlossen zu haben.

Ihre Forderungen waren

  • deutliche Anhebung des Grundgehalts,
  • vollständige Bezahlung von Überstunden,
  • Wohnzulage in Höhe von 30 Prozent des Nettolohns,
  • Schulgeld von 85 US-Dollar pro Kind,
  • verbesserte Krankenversicherung,
  • einen Abschlussbonus von 1.500 US-Dollar.

Der Streik war ein selbständiger Streik

Er wurde nicht von der offiziellen Gewerkschaftsführung ausgerufen, sondern von der Basis organisiert. Der Gegner: CMOC, ein chinesischer Konzern. TFM gehört zu 80 Prozent dem chinesischen Konzern CMOC Group (China Molybdenum), 20 Prozent hält das kongolesische Staatsunternehmen Gécamines. Die Mine zählt zu den größten Kupfer- und Kobaltproduzenten der Welt. Im Vorjahr lieferte sie rund 519.000 Tonnen Kupfer – etwa 15 Prozent der gesamten kongolesischen Produktion – und einen erheblichen Anteil des global wichtigen Kobalts.

Für den chinesischen Konzern ist TFM eine strategische Investition

Entsprechend drakonisch fiel die Reaktion aus: Die Direktion erklärte den Streik für „illegal“, setzte eine Rückkehrfrist bis zum Abend des 3. Juni und drohte mit fristlosen Entlassungen. Gleichzeitig bot sie Nicht-Streikenden einen „Loyalitätsbonus“ von 500 US-Dollar und denjenigen, die wegen ihrer Arbeitsbereitschaft angeblich bedrängt worden waren, sogar 1.000 US-Dollar.

Das Ergebnis: Schnelle Einigung mit Zugeständnissen

Am 4. Juni war der Streik beendet. Nach Verhandlungen einigten sich Management und streikende Arbeiter auf mehrere Punkte:

 

  • Erhöhung des Abschlussbonus,
  • Verlängerung der Verträge von Zeitarbeitskräften bis Ende 2027,
  • Überprüfung der Überstundenpraxis und Korrekturen entsprechend dem Arbeitsrecht,
  • Revision des Stellenklassifizierungssystems,
  • Verbesserung der medizinischen Versorgung.

 

Weitere Forderungen werden verhandelt. Während der Konzern Zugeständnisse machen musste, leitete er eine interne Untersuchung zu angeblichen „Übergriffen“ auf Nicht-Streikende und Schäden an Firmeneigentum ein. 

Was der Streik zeigt

In vielen chinesisch geführten Minen im Kongo treffen hohe Produktionsziele, strenge Hierarchien, drastische Ausbeutung und Unterdrückung auf Arbeiter, die unter oftmals katastrophalen Bedingungen arbeiten und es nicht akzeptieren, dass der Reichtum der Bodenschätze und ihrer Arbeit in den Händen internationaler Monopole landet. Dass die Arbeiter bereit waren, sogar gegen diesen mächtigen Konzern und entgegen dem Willen rechter Gewerkschaftsführer zu streiken und dabei das Risiko massenhafter Entlassungen in Kauf nahmen, macht den Juni-Streik bei TFM besonders bemerkenswert. Er zeigt, wie arbeiterfeindlich auch die chinesischen Monopole sind. Er war kurz, aber er zeigte, dass die Bergarbeiter in der Lage sind, selbständig Druck aufzubauen – auch gegen einen der mächtigsten chinesischen Bergbaukonzerne auf dem Kontinent.

 

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