Bundeswehr-Werbung 2026
Wie der moderne Militarismus den Kampf um die Denkweise der Jugend führt
Die Bundeswehr fährt derzeit eine Werbeoffensive.
Besonders die Slogans wie „Ihr könnt laut reden. Wir machen.“ und „Disziplin ist nicht unser Ding? Watch us.“ verdienen eine genauere Betrachtung. Denn hier wird nicht nur indirekt gegen Protest gehetzt („laut reden“). Hier werden gezielt Elemente der proletarischen Denkweise aufgegriffen, verdreht und in eine kleinbürgerlich-militaristische Denkweise integriert.
Zweierlei Arten an Disziplin
Die weiche Linie in der Werbeoffensive („Ich mach’s für mich. Und meine Leute“) verkauft Kriegsvorbereitung als sinnstiftende, persönliche Entscheidung für Familie und Freunde.
Die harte Linie stellt die „Macher“ den „Laberern“ gegenüber. Protest und Kritik werden als bloßes Gerede abgewertet. Wer zur Bundeswehr geht, handelt. Wer demonstriert oder diskutiert, redet nur. Gleichzeitig wird Disziplin offensiv als Beweis von Charakter und Überlegenheit präsentiert. Das setzt auch an vielen Diskussionen unter älteren Kollegen an, die zu Recht bemängeln, dass die kleinbürgerlich-antiautoritären Erziehungsmethoden in der bürgerlichen Gesellschaft unter der Jugend sehr negativ wirken. Und daran, dass viele Jugendliche sich zu Recht auch mehr (Lebens-)Disziplin wünschen.
Ergänzt wird sie durch Zugehörigkeitsslogans wie „Du bist nicht allein“ und „Mit dir sind wir viele“. Diese Slogans sollen den Eindruck erwecken, man gehöre zu einer großen Bewegung. Tatsächlich ist die Mehrheit der Jugendlichen dem neuen Wehrdienst und der zunehmenden Militarisierung gegenüber skeptisch bis ablehnend. Deshalb muss die Bundeswehr massiv Geld in die Hand nehmen: Allein die Ausgaben für Nachwuchswerbung sind von 35,2 Millionen Euro im Jahr 2022 auf rund 58 Millionen Euro im Jahr 2025 gestiegen – Tendenz steigend. Beide Linien ergänzen sich. Zusammen sollen sie unterschiedliche Bedürfnisse junger Menschen – nach Sinn, Zugehörigkeit, Stolz und Handlungsbereitschaft – in Richtung der Kriegsvorbereitung umlenken.
Die Bundeswehr-Werbung erzeugt Aufmerksamkeit und steigert die Zahlen: Für 2026 werden rund 10.000 Soldaten für den neuen Wehrdienst eingeplant (+8 %), insgesamt 24 % mehr Bewerbungen und 13 % mehr Neueinstellungen. Die Tendenz geht also nach oben. Gleichzeitig bleibt die Wirkung begrenzt. Aus fast 300.000 verschickten Fragebögen wurden bisher nur sehr wenige verbindliche Zusagen. Die Abbruchquote liegt weiterhin bei ca. 20 %. Viele Neulinge erleben einen Bruch zwischen den Werbeversprechen (Sinn, Zugehörigkeit, „Du bist nicht allein“, persönliche Entwicklung) und dem realen Dienstalltag mit Drill und militaristischer Hierarchie.
Die Ausbeutung proletarischer Werte
Gerade beim Thema Disziplin wird die Methode besonders deutlich. Disziplin ist „an sich“ kein bürgerlicher Wert. Im Gegenteil: In der Arbeiterklasse und in der fortschrittlichen politischen Arbeit ist Disziplin notwendig und fortschrittlich.
- Im Betrieb braucht es Disziplin, um gemeinsam zu produzieren, Streiks organisiert zu führen und sich nicht gegeneinander ausspielen zu lassen.
- In der politischen Arbeit braucht es Disziplin, um langfristig zu organisieren, demokratisch gefasste Beschlüsse umzusetzen und nicht bei jedem Rückschlag zu zerfallen.
- In der proletarischen Erziehung und im Jugendverband REBELL ist Disziplin Teil der Entwicklung starker, verantwortungsbewusster Persönlichkeiten, die den Kampf um eine befreite Gesellschaft führen können.
Die Bundeswehr-Werbung greift solche Elemente auf. Sie spricht von Disziplin, vom „Machen statt Reden“, von Verantwortung und vom Einstehen für die eigenen Leute. Das klingt auf den ersten Blick vertraut und sogar progressiv. Doch der Inhalt wird umgedreht. Hier geht es nicht um Disziplin im Interesse der Arbeiterklasse, sondern um Disziplin für den imperialistischen Krieg. Nicht um eine freiwillige Disziplin aus Einsicht in die Notwendigkeit. Nicht um organisiertes Handeln gegen Ausbeutung und Unterdrückung, sondern um Gehorsam gegenüber dem bürgerlichen Staat und seinen Kriegszielen. Proletarische Elemente der Denkweise werden aufgegriffen, ihrer Klassenbestimmung beraubt und in den Dienst der bestehenden kapitalistischen Ordnung gestellt. Was als „Handeln“ und „Disziplin“ verkauft wird, ist in Wahrheit Unterordnung unter den Militarismus.
Kampf um die Denkweise im Zentrum
Die Kampagnen zeigen, wie der Kampf um die Jugend heute wesentlich ein Kampf um die Denkweise der Jugend ist. Die Herrschenden wissen, dass reine Gewalt und offener Zwang nicht ausreichen. Sie müssen die Köpfe und Herzen gewinnen. Deshalb wird versucht, das Bedürfnis nach Sinn, nach kollektivem Handeln und nach Disziplin abzufangen und umzuleiten. Wer diesen Kampf ernst nimmt, darf die Kampagnen nicht einfach als idiotische Werbung abtun. Gleichzeitig zeigt gerade die Ausbeutung proletarischer Werte, dass in der Jugend reale Bedürfnisse nach Verantwortung, Organisation und Disziplin existieren. Die Antwort kann nicht darin bestehen, Disziplin oder Handlungsbereitschaft abzulehnen. Es geht darum: Disziplin und organisiertes Handeln auf Grundlage der Freiwilligkeit im Interesse der Arbeiterklasse und der unterdrückten Massen – oder Kadavergehorsam und Drill für den imperialistischen Krieg.
Der Kampf um die Denkweise der Jugend ist kein abstrakter Diskurs
Im Jugendverband REBELL und in der Arbeit der MLPD geht es auch darum, diese Werte nicht den Herrschenden zu überlassen, sondern sie im Interesse der Befreiung zu entwickeln. Und den Jugendlichen zu helfen, mit allen Einflüssen der kleinbürgerlichen Denkweise fertigzuwerden – den kleinbürgerlich-antiautoritären sowie den kleinbürgerlich-militaristischen. Der Kampf um die Denkweise der Jugend ist kein abstrakter Diskurs. Er entscheidet wesentlich darüber, ob die kommende Generation sich in den militaristischen Kurs einbinden lässt – oder ob sie lernt, den Kampf gegen Militarismus, Ausbeutung und imperialistische Kriege und für den echten Sozialismus organisiert und diszipliniert zu führen.
Dieser Kampf um die Denkweise der Jugend ist auch ein zentrales Thema im kommenden Revolutionären Weg 40 „Die Lehre von der Denkweise“. Dort wird er in einem eigenen Abschnitt behandelt. Praktisch erlebbar wird die Lebensschule der proletarischen Denkweise auf dem diesjährigen Sommercamp des Jugendverbands REBELL. Es beginnt morgen im Ferienpark Thüringer Wald.
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