VW und Audi
Die New York Times berichtet über den VW-Konzern und den Kampf der Arbeiter!
Der Generalangriff von Monopolen und Staat auf die Arbeiter in Deutschland und deren Kampf zieht weite Kreise. Am 9. Juli berichtete die New York Times unter der Überschrift "Volkswagen streicht angesichts sinkender Absatzzahlen die Hälfte seiner Modelle". Rote Fahne News dokumentiert den übersetzten Artikel.
Der deutsche Automobilhersteller hat Schwierigkeiten, sich gegen schnell wachsende chinesische Unternehmen zu behaupten, die erschwinglichere und technisch ausgereiftere Elektrofahrzeuge anbieten.
Volkswagen kündigte am Donnerstag an, die Zahl der angebotenen Modelle um bis zu die Hälfte zu reduzieren, um Kosten zu senken und im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen besser bestehen zu können. Der deutsche Autobauer ließ jedoch offen, welche Auswirkungen diese Änderungen für die Belegschaft haben würden, die sich bereits auf massive Stellenstreichungen und Werksschließungen eingestellt hatte.
Der nach einer Vorstandssitzung veröffentlichte Plan schien ein stillschweigendes Eingeständnis dafür zu sein, dass das Unternehmen zu groß und komplex geworden war und sich verschlanken musste, um den weltweiten Wandel von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor hin zu Elektroautos zu überstehen. Dieser Umbruch hat viele etablierte Automobilhersteller in Bedrängnis gebracht und den Aufstieg chinesischer Hersteller ermöglicht.
Berichten der deutschen Presse zufolge hatte sich das Unternehmen in den vergangenen Tagen darauf vorbereitet, bis zum Ende des Jahrzehnts 100.000 Arbeitsplätze abzubauen und vier Werke in Europa zu schließen.
Derart drastische Einschnitte wären untypisch für Volkswagen und die deutsche Industrie, die eher schrittweise Veränderungen bevorzugen. Arbeitnehmervertreter und Politiker aus dem Bundesland Niedersachsen halten die Mehrheit im 20-köpfigen Aufsichtsrat des Unternehmens und hatten signalisiert, dass sie keine tiefgreifenden Kürzungen unterstützen würden.
Dennoch scheinen schmerzhafte Maßnahmen unvermeidlich. Das Unternehmen gab an, künftig neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr produzieren zu wollen – im Vergleich zu einem Ziel von 12 Millionen vor der Covid-19-Pandemie und zuletzt 10 Millionen. In einer Videobotschaft erklärte Volkswagen-Chef Oliver Blume, es sei notwendig, „Überkapazitäten abzubauen“, was darauf hindeutet, dass das Unternehmen weiterhin Werksschließungen in Erwägung ziehen könnte.
„Die geopolitische Lage hat sich in den letzten zwölf Monaten verschärft“, sagte Blume und fügte hinzu: „Die nächsten Jahre werden darüber entscheiden, wer in der Automobilindustrie eine entscheidende Rolle spielen wird.“
Er nannte jedoch kaum Einzelheiten, etwa dazu, ob oder wie das Unternehmen seinen Status als weltweit zweitgrößter Automobilhersteller (gemessen am Absatz) hinter Toyota halten will.
„Die dringenden Fragen wurden vom Aufsichtsrat heute nicht beantwortet“, erklärte Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research in Bochum, in einer E-Mail. „Die Ungewissheit bleibt bestehen.“
Laut der Unternehmenswebsite unterhält Volkswagen 111 Produktionsstätten auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Australien und der Antarktis. Zum Markenportfolio gehören unter anderem Audi, Porsche, Skoda, Lamborghini und Bentley. Zudem hält Volkswagen 88 Prozent an Traton, dem Hersteller der Lkw-Marken MAN, Scania und International.
Einige der Volkswagen-Marken bieten sehr ähnliche Fahrzeuge mit nur geringfügigen Unterschieden bei Design und Ausstattung an – eine Praxis, die Kosten und Komplexität erhöhen kann. General Motors und Ford Motor hatten bereits vor Jahren Marken wie Pontiac, Oldsmobile, Saturn und Mercury eingestellt, um Produktion und Marketing zu vereinfachen.
In Neckarsulm im Südwesten Deutschlands, wo rund 15.000 Beschäftigte Modelle für Audi montieren, befürchten die Einwohner, dass eine Werksschließung die lokale Wirtschaft – die stark vom Rhythmus der Fabrikschichten geprägt ist – ruinieren würde.
„Wenn Audi stirbt, stirbt hier alles“, sagte Cayli Halin (54), die im Prüfzentrum des Werks arbeitet.
Unklar blieb nach der Ankündigung vom Donnerstag, wie viele der weltweit 657.000 Volkswagen-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, während das Unternehmen die Produktion drosselt. Der Gewinn des Konzerns sank im ersten Quartal um 28 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro (1,8 Milliarden US-Dollar), der Umsatz ging um 2 Prozent zurück.
Porsche, das für gewöhnlich einen großen Teil zum Gewinn von Volkswagen beisteuert, hat unter den von US-Präsident Trump verhängten Zöllen von 25 Prozent auf Autoimporte gelitten. Die Sportwagen und SUVs von Porsche werden in Deutschland gefertigt und in die USA exportiert, einen der wichtigsten Märkte der Marke.
Die Probleme von Volkswagen sind ein alarmierendes Signal für etablierte westliche und japanische Autohersteller. Sie alle haben – in unterschiedlichem Ausmaß – mit dem technologischen Wandel und der Konkurrenz durch chinesische Hersteller wie BYD und Geely zu kämpfen; diese bieten Fahrzeuge mit luxuriöser Ausstattung zu vergleichsweise niedrigen Preisen an. Nach Angaben des Europäischen Automobilherstellerverbands haben chinesische Autohersteller im Mai in der Europäischen Union und in Großbritannien mehr Fahrzeuge verkauft als ihre japanischen Konkurrenten.
Angespornt durch staatliche Subventionen begannen chinesische Hersteller schon vor Jahren, sich auf Elektrofahrzeuge zu konzentrieren – Investitionen, die ihnen nun einen entscheidenden Vorteil verschaffen, da immer mehr Europäer solche Modelle kaufen. Etwa jedes fünfte in Europa verkaufte Neufahrzeug ist elektrisch; die Verkaufszahlen sind in diesem Jahr sprunghaft angestiegen, bedingt durch die gestiegenen Kraftstoffpreise infolge des Krieges mit dem Iran.
Volkswagen ist besonders verwundbar, da das Unternehmen jahrelang einen Großteil seiner Gewinne durch den Verkauf von Autos in China erzielte – einem Markt, auf dem es einst der führende Hersteller war. Im ersten Quartal brachen die Verkaufszahlen des Unternehmens in China um 20 Prozent ein, nachdem sie bereits über mehrere Jahre hinweg deutlich zurückgegangen waren.
Die Befürchtung von Werksschließungen hat in Deutschland für Unruhe gesorgt; hier genießt die Automobilindustrie – und insbesondere Volkswagen – einen hohen Stellenwert im nationalen Bewusstsein und bildet eine tragende Säule der Wirtschaft.
Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Regierung haben versucht, die Branche durch neue Subventionen und durch Druck auf die EU-Kommission in Brüssel – etwa zur Lockerung bestimmter Automobilvorschriften – zu stärken. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hersteller gegenüber der chinesischen Konkurrenz zu verbessern.
Merz äußerte sich vor der Vorstandssitzung am Donnerstag nicht zu den Gerüchten über einen Stellenabbau bei Volkswagen; sein Sprecher Stefan Kornelius erklärte jedoch vergangene Woche gegenüber Journalisten: „Unser Ziel ist es, Werksschließungen in Deutschland zu verhindern.“
Ali Alp Cagan (31) ist seit fast zwei Jahren als IT-Fachkraft bei Audi tätig und macht sich persönlich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz, da er seine beruflichen Aussichten als sehr gut einschätzt.
„Insgesamt ist die Stimmung jedoch angespannt“, sagte er.
Cagan und andere Beschäftigte, die das Werk nach einer Schicht verließen, machten das Unternehmen für die Lage verantwortlich: Es habe Innovationen versäumt, während China mittlerweile bessere und zugleich günstigere Autos baue.
Die schwierige Lage der deutschen Automobilindustrie hat rechtsextremen und linksextremen Parteien im Land Auftrieb gegeben. Am Audi-Standort Neckarsulm verteilten Mitglieder der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) kürzlich Flugblätter, in denen sie die Belegschaft zu einem nicht genehmigten Warnstreik gegen mögliche Schließungen aufriefen.
Kommunalpolitiker und Unternehmer in der Stadt sorgen sich um ihre Gemeinde. Pauline Spies (56) berichtete, dass die Probleme des Unternehmens bereits das Geschäft ihres Reisebüros „Michigan Tours“ beeinträchtigten.
Auch Harry Leinmüller (67) hat einen Rückgang der Ausgaben im Teegeschäft seiner Frau, „Teecultur“, festgestellt; der Laden liegt so günstig, dass er die Arbeiter auf jener Straßenseite erreicht, die sie üblicherweise auf dem Heimweg vom Werk nutzen. Er befürchtet, dass sich Entlassungen noch stärker auswirken werden.
„Hier gibt es so viele junge Leute; einige haben Baugrundstücke auf dem Land gekauft. Viele werden ihre Häuser nicht mehr bezahlen können“, sagte er. „Die Chinesen sind schneller als wir und verfügen über mehr Know-how.“
Bürgermeister Steffen Hertwig (56) bezeichnete eine Werksschließung als „fatal“ für die Region. Er zeigte sich jedoch überzeugt, dass Volkswagen dieses Audi-Werk nicht schließen würde, da es zu innovativ sei. Die Situation, so sagte er, „ist keineswegs mit Detroit in den 1980er Jahren vergleichbar.“