Sehenswerter Film läuft nur in wenigen Kinos

Sehenswerter Film läuft nur in wenigen Kinos

„Palästina 1936“ - ein spannender Kino-Abend in Kleve

Wir, Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Organisationen der Palästina-Solidarität, haben uns Ende Juni zur Film-Vorführung im Tichelpark-Cinema verabredet.

Korrespondenz
„Palästina 1936“ - ein spannender Kino-Abend in Kleve
(Screenshot aus dem Film)

Das jüngste Werk der palästinensischen Filmemacherin Annemarie Jacir ist ein Film über Revolution. Sie wollte einen Schlüsselmoment der Geschichte des Befreiungskampfs ihres Volkes lebendig machen. Der Film verkörpert im besten Sinn die Stilrichtung des Realismus. Friedrich Engels kennzeichnete diesen als parteilich mit „Treue des Details“ und „getreue Wiedergabe typischer Charaktere unter typischen Umständen“.

 

Der Film zeigt eindrucksvolle Charaktere. Die Handlung spielt im großen arabischen Aufstand von 1936 bis 1939. Darin eingeflochten persönliche Schicksale von sowohl mutigen als auch schwankenden Menschen, von Abenteurern und auch Verrätern. Die Orte der Handlung wechseln zwischen dem städtischen Leben in Jerusalem und dem Bauerndorf Al Basma. Aus letzterem stammt der Jugendliche Jusuf. Er befindet sich mitten in seiner Identitätssuche und fühlt sich zu den bourgeoisen städtischen Schichten hingezogen. Er entscheidet sich gegen Ende des Films für seine Wurzeln und den Aufstand.

 

Zunehmend werden europäische Juden angesiedelt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse geraten in Bewegung. Hafenarbeiter von Jaffa entdecken eine getarnte Ladung von Waffen für eine terroristische zionistische Gruppierung. Andere jüdische Gruppen kaufen von der Mandatsmacht Großbritannien Land und beginnen es mit harter Arbeit urbar zu machen. Das entfaltet unter den angestammten palästinensischen Massen Widersprüche. Wie können die Engländer Land verkaufen, das ihnen nicht gehört? Die Wut über die Engländer wächst. Erste Sabotageaktionen flackern auf. Das Imperium schlägt grausam zurück. Es kommt zum flächendeckenden Aufstand.

 

Darin wird der Wunsch nach einer einheitlichen Nation der arabischen Völker zum hauptsächlichen Motiv unter den Aufständischen. Ein Experte der britischen Aufstandsbekämpfung wird aus Indien herangezogen. Sein Konzept: Mauern ziehen, mit Betrug und Bestechung die Kampfeinheit spalten und die führenden Aufständischen isolieren. Dem arabischen Widerstand fehlt die einigende Kraft. Die Spaltung durch imperialistische Kräfte tut ihre Wirkung. Die Ursache, dass die Arbeiterklasse noch wenig entwickelt war und auch eine einigende solidarische Kraft aus der proletarischen jüdischen Bewegung fehlte, wird allerdings aus den beeindruckenden Filmsequenzen nicht deutlich.

 

Einige Anmerkungen zum Hintergrund

 

Der Film vereinfacht tatsächlich manche komplizierten Beziehungen plakativ. Anja fiel auf, dass die arme Landbevölkerung im Film Festtagstracht trägt. Wohl ein bewusstes Stilmittel, um ihre Würde hervorzuheben? Christof fragte, ob die Menschen aus der Geschichte wirklich lernen. Manches, was der Film zeigt, wiederholt sich ähnlich bis heute. Er meint, „die Älteren, die Vietnam und den Kalten Krieg erlebt haben, müssten doch gegen Völkerhetze und Kriegspropaganda immun sein?“ Auch hier gilt, dass die Geschichte nicht einfach geradlinig verläuft. Die Spitzen des heute herrschenden internationalen Finanzkapitals sind lernfähig, was Betrug und Verführung angeht. Und mit ihren gigantischen Medienkonzernen können sie die Meinungsmacht massiv beeinflussen. Deshalb ist das Sprichwort falsch, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht ... Der Film demonstriert aber auch, dass Menschen ihre Denkweise ändern und sich für eine entschiedene Wende im Leben entscheiden können. Auch der beste Betrug kann die Wirklichkeit nur übertünchen und nicht aus der Welt schaffen. Eher passt da die Anlehnung an ein anderes Sprichwort. Nämlich dass der Krug (der imperialistischen und zionistischen Propaganda) so lange zum Brunnen geht, bis er endgültig bricht. Aber das geschieht nicht automatisch spontan, sondern muss aktiv in einer nachhaltig organisierten Palästina-Solidarität gefördert werden.

 

Trailer auf Deutsch 

 

Filmbeschreibung, Plakat und weitere Materialien