Mülheim an der Ruhr
Mülheim an der Ruhr: Nein zur Vernichtung der Lerchenstraße
Die SWB, Service-Wohnungsvermietungs- und ‑Baugesellschaft mbH, plant, die ganze Häuserzeile der Mülheimer Lerchenstraße abzureißen, „niederzulegen“, wie es neudeutsch verharmlosend heißt, um Neubauten zu errichten. Das ist allemal lukrativer, als im Bestand zu sanieren.
Der kürzlich von der Bundesregierung beschlossene „Bauturbo“ macht’s möglich und lässt bei den Verantwortlichen der SWB die Dollarzeichen in den Augen leuchten. Aber Architekten und Umweltverbände warnen, dass Beschleunigungen nicht zulasten der Baukultur, des Lärmschutzes oder der Bürgerbeteiligung gehen dürfen. Genau das ist aber hier der Fall.
Menschen, die zum Teil seit Jahrzehnten dort leben, sollen bis Ende des Jahres ihre Wohnung verlassen, sie können nachts nicht mehr schlafen. Die liebevoll gepflegten Gärten, kleine Oasen, deren Wert gerade bei der aktuellen Hitzewelle zur Geltung kommt, wären dann Geschichte.
Einige Mieter, die vor kurzem eingezogen sind, wurden von der SWB im Glauben gelassen, eine langfristige Bleibe gefunden zu haben. Nicht nur, dass den Menschen ihr Zuhause genommen werden soll, Abriss und Neubau wären auch eine völlig unnötige Ressourcenverschwendung.
Eine Mieterin hat in einem mehrteiligen Blog die bisherigen Erfahrungen literarisch verarbeitet, alle Bewohner der Straße mit zwei Flugblättern informiert und ihnen Mut gemacht. Noch sind bei etlichen Betroffenen die Sorgen und die Angst größer als der beginnende Widerstand. Ein Mieter sieht es aber noch gelassen. Aufgewachsen in der DDR, ehemaliger Baggerführer, zwei Jahre im Gefängnis wegen Fluchtversuch, kann ihn so schnell nichts umhauen. Er war sehr interessiert an der Meinung der MLPD zur Entwicklung des sozialistischen Aufbaus und zum Verrat an demselben. Und er sorgt sich darüber, dass die AfD in seiner alten Heimat so stark ist. Das Rote Fahne Magazin Nr. 13 mit dem Schwerpunktthema zur AfD sowie die Nr. 11 mit dem Artikel „Den Widerstand der Mieter besser organisieren“ kaufte er gerne und auch das Parteiprogramm. Einen Zehn-Euro-Schein reichte er uns aus dem Fenster. Das bald erscheinende Buch „Die Lehre von der Denkweise“ wird sicher viele seiner Fragen beantworten können. Wir bleiben dran!