Indien
„Kakerlaken“ werden zu realer Protestbewegung
Tausende Anhänger der sogenannten „Kakerlaken“-Bewegung haben sich zu Protesten in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi versammelt. Die „Kakerlaken“ waren erst eine Erscheinung im Internet gewesen. Die Regierung des faschistischen Premierministers Narendra Modi hat sie als nicht ernst zu nehmen abgetan. Jetzt sind sie auf der Straße.
Die „Cockroach Janta Party“ (CJP, teils auch „Janata“ anstelle von „Janta“) entstand im Mai als direkte Reaktion auf Äußerungen des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs Indiens, Surya Kant. Der hatte, durchaus im faschistischen Sprachgebrauch, arbeitslose Jugendliche als „Kakerlaken“ und „Parasiten“ bezeichnet. Besonders junge Menschen griffen diese Bezeichnung auf und die „Kakerlaken“ wurden zur viralen Antwort auf die Menschenverachtung der indischen Regierung. In den sozialen Medien schlossen sich ihnen Millionen Menschen an. Die CJP beschreibt sich als „satirische politische Bewegung“. Sie organisiert sich vor allem im Internet, eine Parteizentrale gibt es nicht – und sie sieht sich folglich nicht als Gegenstand des indischen Parteienrechts.
In Neu-Delhi hat sich die Bewegung ein Protestlager auf dem Jantar-Mantar-Gelände organisiert, zu dem täglich rund 1000 Menschen zum Sitzstreik kommen. Jetzt wollten die Protestierenden – passend zu ihrer unorthodoxen Entwicklung – ohne Genehmigung durch die Behörden zum Parlament marschieren, um dort den Rücktritt des indischen Bildungsministers Dharmendra Pradhan zu fordern. Er solle aus einem Skandal um mutmaßlich vorher geleakte Aufnahmeprüfungen von Hochschulen die Konsequenzen ziehen. Die Polizei verhinderte den Marsch und setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Pradhan warf der Bewegung vor, gegen das eigene Land zu arbeiten.
Um das Protestlager in der Innenstadt von Neu-Delhi wurde eine Sicherheitsabsperrung gezogen. Jeder, der sie überwinden wollte, wurde von der Polizei angegriffen. Der Gründer der Protestbewegung, Abhijeet Dipke, wurde festgenommen. Einige Aktivisten sind mittlerweile in einen Hungerstreik getreten. Der bekannte indische Ingenieur und Aktivist, Sonam Wangchu, erklärte: „Das hier ist ein friedlicher Weg, um der Regierung unsere Stimme zu Gehör zu bringen“. Medienberichten zufolge wurde er, nachdem er in den Hungerstreik getreten war, gewaltsam von der Polizei in ein Krankenhaus gebracht.