HKM-Übernahme durch Salzgitter

HKM-Übernahme durch Salzgitter

„Eine Mannschaft“ für eine Zukunft durch Vernichtung!?

Salzgitter-Chef Gunnar Groebler informierte auf kurzfristig angesetzten Informationsversammlungen, dass das Hüttenwerk Krupp-Mannesmann HKM in Duisburg ab sofort komplett von Salzgitter übernommen wird.

Von hs
„Eine Mannschaft“ für eine Zukunft durch Vernichtung!?
Beschäftigte des Hafens bei HKM bei der Ruhrpott-Rebellion am 4. Juli in Duisburg (rf-foto)

Was vom Vorstand und der Betriebsratsspitze als „Rettung“ und „Zukunftsmodell“ gefeiert wurde, bedeutet in der Realität, dass mindestens 1.900 der knapp 3.000 Arbeitsplätze bis Ende 2028 vernichtet werden sollen - 500 bis 600 bereits zum Oktober dieses Jahres.

 

Die bisherigen Miteigentümer Thyssenkrupp Steel (50 Prozent) und der französische Vallourec-Konzern (20 Prozent) haben ihre Anteile an den Salzgittter-Konzern überschrieben, an dem das Land Niedersachsen als größter Einzelaktionär eine Sperrminorität (26,5 Prozent) hält. Wie viel Geld Thyssenkrupp und Vallourec als sogenannte „Mitgift“ für HKM an Salzgittter zahlen werden, darüber wurde Stillschweigen vereinbart.

 

Beabsichtigt ist der Neubau eines Elektrolichtbogenofens bis 2029 für eine Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Jahrestonnen Stahl. Dafür hat sich Salzgitter schon mal Subventionen des Landes NRW in Höhe von 200 Millionen Euro abgesichert. Mit diesem Neubau sollen die beiden Hochöfen, die davor geschaltete Sinteranlage und die Kokerei stillgelegt werden. Bereits zum Oktober wird der erste Hochofen stillgelegt und die Hälfte des Kokereibetriebs. 500 bis 600 Arbeitsplätze sollen damit sofort vernichtet und für diesen ersten Schritt mit Altersteilzeit-Regelungen und Abfindungsprämien gelockt werden. Die bei HKM knapp 300 Leiharbeiter und die mit Zeitverträgen sind dabei völlig außen vor. Und wenn sich nicht genug Freiwillige finden ... drohen bereits zum Oktober offene Entlassungen. 

 

Dass zwei Drittel der Belegschaft ihren Arbeitsplatz verlieren und diese für die Jugend für immer vernichtet sind, feiert Salzgitter-Chef Groebler als „gute Botschaft für HKM, für Salzgittter und auch für den Industriestandort Deutschland“. Damit meint er natürlich nur die Konzentration auf eine verbesserte Konkurrenzfähigkeit in der internationalen Schlacht um die weltweiten Stahlmärkte. Auch für Thyssenkrupp-Stahlchefin Marie Jaroni ist dieser HKM-Deal „ein wichtiger Meilenstein“, der „die Voraussetzungen (schafft), unsere strategische Neuaufstellung konsequent umzusetzen“. Und dafür sollen in Duisburg bei TKSE ja bekanntlich mindestens 11.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. An jedem dieser Arbeitsplätze hängen nochmal mindestens vier weitere dran! Die „gute Botschaft“ liegt also nicht auf Seiten der Kolleginnen und Kollegen, ihrer Familien und der ganzen Region um Duisburg!

 

Mit den Streikaktionen bei HKM im letzten Jahr sowie gegen die jetzigen Generalangriffe bei VW und Mercedes auf die Automobilbelegschaften und jüngst mit der begonnen und noch laufenden Ruhrpott-Rebellion ist der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz geführt worden. Damit das bei HKM nicht weiter Schule macht, prasselt jetzt mit der „guten Botschaft" auf die Belegschaft ein Feuerwerk der kleinbürgerlichen Denkweise ein, mit dem Motto „Besser als gar nichts“. Besser als nichts - das ist alles, was die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt der Arbeiterklasse zu bieten hat?! Besser als nichts - soll das der neue Zukunftsslogan für die Jugend sein?! Und das, während die Herren des Kapitals sich nicht mehr nur mit Profit, sondern nur mit maximalem Profit zufrieden geben! Dieser Widerspruch schreit zum Himmel.

 

Die Arbeitsdirektorin von Salzgitter dankt dafür der HKM-Belegschaft und führt euphorisch aus: „Wir spielen jetzt mit einer Mannschaft und wir spielen auf Sieg“. Zu dieser „einen Mannschaft“ zählt sie zynischerweise sogar auch noch alle, die gehen sollen, als sie weiter ausführte: „Auch alle, die künftig nicht mehr zur Belegschaft gehören, tragen zur Zukunft der HKM bei.“ Mit seiner eigenen Arbeitslosigkeit also einen freiwilligen aktiven Beitrag für die zukünftigen Profite und „den Sieg“ der Monopol-Kapitalisten bei Salzgitter-HKM leisten? Das kann auch nur einer sehr gut bezahlten und sehr gut abgesicherten Arbeitsdirektorin einfallen. 

 

Offensichtlich beeindruckt davon reiht sich der HKM-Betriebsratschef Marco Gasse in diese Lobpreisungen ein und meint sogar: „Das ist das Unternehmertum, das in Deutschland fehlt“. Er redet zumindest Klartext, was auf die Industriebelegschaften gerade zurollt – dass Hunderttausende Arbeitsplätze und damit Existenzen vernichtet für die Maximalprofite der Monopole. Dafür überreichte er dem Salzgitter-Chef als seinem Mannschaftskollegen ein T-Shirt mit der großen Aufschrift „Ein Team“. Bedankt hat sich dieser dann damit, dass er für die Mannschaft einen Eismann ans Tor 1 bestellte, der zwei Sorten Eis mit dabei hatte: In der Salzgitter-Farbe orange die eine, in HKM-blau die andere. Sein Versuch, das Wunden lecken der Belegschaft damit zu versüßen, wird ihm mit einer passenden kämpferischen Antwort der Belegschaft auf jeden Fall nicht gut bekommen!

 

… aber dafür müssen die Kolleginnen und Kollegen jetzt unter anderem mit dem verstreuten süßen Gift Altersteilzeit und Abfindungsprämien fertig werden. Letztere soll sich wohl aus dem Bruttolohn mit einem Faktor 1,25 und multipliziert mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit berechnen. Für IG-Metall-Mitglieder gibt es entsprechend der Mitgliedszeit und Betriebszugehörigkeit noch eine Extra-Prämie obendrauf. So kommen sogar 40-jährige Kolleginnen und Kollegen teils auf Abfindungszahlungen von bis zu 125.000 Euro. „Es ist ein Wechselbad der Gefühle, es kämpft in mir“, so ein Kollege der Sinteranlage. „Ich weiß, dass die Arbeitsplätze für immer weg sein werden, auch für meine Kinder. Sie zu erhalten, wäre natürlich besser, dafür standen wir letztes Jahr auch draußen. Andererseits … das Geld … ich kann es gut gebrauchen, ist besser als nichts und ich finde doch sicher auch noch woanders was.“ Wo, fragt sich, wo gerade hunderttausende Jobs vernichtet werden. Dieses süße Gift führt geradezu zum Verzicht auf die Zukunftsinteressen der Arbeiterinnen und Arbeiter und orientiert auf einen scheinbar individuellen Ausweg. Darüber muss jetzt intensiv in der Belegschaft diskutiert und Schlussfolgerungen gezogen werden.

 

Während in den hiesigen Medien übertrieben von einem lautstarkem Applaus der Belegschaft für diese Pläne fabuliert wird, ist es gerade eher eine Mischung aus Erleichterung, dass die Hütte doch nicht ganz platt gemacht werden soll, aber durchmischt mit einer starken Skepsis und besorgten Stimmung, wie es weiter geht.

 

Die HKM-Belegschaft ist herausgefordert, zusammen mit der Belegschaft von TKSE, den Automobil-Belegschaften und weiteren - Für eine wirkliche Zukunft ist weiter Ruhrpott-Rebellion angesagt, eine neue Runde im Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich aufzunehmen. Die Lüge der Mitbestimmung durch Einbeziehung von Aufsichtsräten und Betriebsräten in Verhandlungen ist auch hier wieder offen gescheitert. Jetzt muss die Belegschaft selbst sprechen: Mitbestimmung nur durch Streik! Gerade auch für die Zukunft unserer Kinder. Und dafür ist jetzt auch genau der richtige Zeitpunkt, die MLPD, die einzige Arbeiterpartei in Deutschland, mit einer wirklich gesellschaftsverändernden Perspektive des echten Sozialismus gegen das Ausbeutersystem Kapitalismus zu stärken. Sie hat das Know-How für harte Kämpfe, die gefordert sind und weiter kommen werden!