Halbfinale in der Weltmeisterschaft

Halbfinale in der Weltmeisterschaft

Fußball - nur ein Spiel?

Mit einer nahezu perfekten Mannschaftsleistung und ihrem unnachahmlich zelebrierten Kurzpassspiel gewannen die Spanier das Halbfinalspiel gegen Frankreich gestern Abend mit 2:0.

Von jz
Fußball - nur ein Spiel?
Spanische Fans feiern begeistert den Sieg ihrer Nationalmannschaft im gestrigen Halbfinalspiel (screenshot aus Video)

Die Stars der französischem Offensive mit Mbappé, Dembelé und Olise kamen schlichtweg nicht mehr an den Ball. Der Trend im Leistungsfußball, die klassische Aufgabenverteilung von Angriff und Verteidigung im Spiel aufzulösen, wurde von Spanien eindrucksvoll umgesetzt. Jeder Stürmer verteidigt, jeder Verteidiger unterstützt den Sturm.

 

Dass jetzt wieder die altbekannten und vorher als Favoriten gesetzten Nationalmannschaften ins Halbfinale kamen, war alles andere als selbstverständlich. Nur mit großer Mühe gewannen sie gegen angebliche Fußballzwerge. So hat Argentinien die Mannschaft aus Kap Verde mit seinen 560.000 Einwohnern nur knapp 3:2 nach Verlängerung geschlagen, genauso gegen Ägypten.

 

Die Halbfinal-Begegnungen sind ganz nach dem Geschmack der FIFA, mitsamt ihres wohl weltweit meist gehassten Fußballfunktionärs und Vorsitzenden Gianni Infantino. Infantino gilt als gnadenloser Vollstrecker des Missbrauchs dieser Sportart als profitablen Werbeträger für das internationale Finanzkapital. Im Spiel Spanien gegen Frankreich traten 2,5 Milliarden Euro Marktwert gegen 2,5 Milliarden Euro Marktwert an. Mbappé verdient allein mit Werbeverträgen 30 Millionen Euro jährlich.

 

Fußball ist mit ca. drei bis vier Milliarden Fußballfans und geschätzt über 300.000 Vereinen die mit Abstand beliebteste Sportart der Welt. Auch aufgrund der wachsenden Begeisterung für den Frauenfußball. Es ist gerade in den Armenvierteln der Welt ein bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebtes Mannschaftsspiel. Es braucht nur einen Ball, eine einigermaßen ebene Fläche, Markierungen für die Tore und fertig ist die Laube. Viele der französischen Nationalspieler, darunter auch Mbappé, sind in den sozialen Brennpunkten der Vororte von Paris aufgewachsen.

 

Die dunkelhäutigen Stars der Fußballszene sind angesichts der weltweit zunehmenden Anzahl faschistischer Regierungen immer häufiger rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Bei der letzten WM in Katar wurden in den sozialen Medien 6.700 rassistische Anfeindungen registriert. Bei der jetzigen WM sind es jetzt schon 89.000. Schon im Vorfeld hat die Einwanderungsbehörde des faschistischen Präsidenten Trump mehreren dunkelhäutigen Spielern die Einreise erschwert. Einem somalischen Schiedsrichter wurde ohne jeden Grund komplett die Einreise verweigert. Der Krieg gegen den Iran fand in der Fußball-WM mit Schikanen bei der Einreise und der Unterkunft seine Fortsetzung. Einen weißen männlichen Fußballstar wie Harry Kane lud Trump dagegen schon einmal zum Golfspielen ein.

 

Bekannt wurden die wüsten Beleidigungen einer Senatorin aus Paraguay gegenüber Mbappé vor dem Spiel Frankreich gegen Paraguay. Ein besonders drastisches und abstoßendes Beispiel für einen „dreckigen Fußball“. Der Versuch, mit gezielten Provokationen und unsportlichen Mitteln das Spiel des Gegners zu zerstören. Was leider auch auf dem Platz durch die Mannschaft aus Uruguay, allerdings erfolglos, eine spielerische Fortsetzung fand. Auch das argentinische Fußballspiel muss sich zum Teil diesen Vorwurf gefallen lassen.

 

Die große Mehrheit der Fußballfans und Mbappé persönlich verurteilten diese rassistischen Ausfälle. Die französischen Nationalmannschaft steht mit ihren Superstars mit zum Teil afrikanischen Wurzeln für eine klare Positionierung gegen den Rassismus und damit auch gegen die wachsende Bedrohung durch faschistische Parteien. Unter anderem deshalb erfreut sie sich großer Beliebtheit bei den französischen Fans. Der abstoßende Höhepunkt politischer Einflussnahme war ohne Zweifel das Telefonat von US-Präsident Trump mit dem FIFA-Präsidenten Infantino, doch bitte schön gefälligst die rote Karte gegen einen Spieler der US-Mannschaft zurückzunehmen. Was Infantino dann auch untertänigst und ohne jede Skrupel umsetzte. Diese moralische Verkommenheit löste einen Sturm der Entrüstung aus, bis in bürgerliche Kreise hinein. Auch die europäische UEFA hat das Vorgehen verurteilt. Doch ob es eine schon längst überfällige Absetzung Infantinos zur Folge haben wird, bleibt abzuwarten. In der Fifa hat jeder vertretene Fußballverband eine Stimme, egal wie groß der Fußballverband ist.

 

Infantino will sich jetzt weiterhin eine Mehrheit erkaufen, indem er die schon bisher aufgeblähte Teilnahme an der Fußball WM von 48 Mannschaften auf 64 erhöhen will. Sein Vorschlag hat natürlich rein gar nichts mit einer Nächstenliebe gegenüber kleineren Fußballnationen zu tun. Mehr Länder bei einer WM bedeuten Millionen neuer Fernsehzuschauer und damit noch lukrativere Werbeeinnahmen, damit erhofft er sich weiterhin eine Mehrheit zu sichern. Große Fußballturniere waren schon immer auch ein Spiegelbild von Spannungen innerhalb des imperialistischen Weltsystems und sind deshalb auch immer politisch.