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Jungarbeiter: "Ich will Arbeiterpolitik kennenlernen"

Wir sprachen beim Verteilen der Kollegenzeitung „Hochdruck & Zündstoff" am Schichtertor Bosch-Kollegen an: "Die Zeit nutzen, um in die Offensive zu kommen – gegen Abbau und Verlagerungen!

Korrespondenz

Viele winkten ab: "Kann man eh nichts machen". Doch wir kamen bei der Nacht- und Frühschicht besser ins Gespräch. Einige waren schon informiert, dass VW vier Werke, darunter das Audi-Werk Neckarsulm, schließen will, und meinten: „Das geht gar nicht.“ Manch einer war ratlos: „Dann gehe ich halt wieder zurück."


Ein Jungarbeiter war angetan davon, wie wir unbefristete Verträge für die Jugend forderten. Er war bei dem Erfolg des Aktionstags unbefristet nach der Lehre übernommen worden. Jetzt wollte er wissen, wie Arbeiterpolitik geht, und kaufte das Rote Fahne Magazin zu „Mitbestimmung durch Streik“.


Mehrere Vertrauensleute grüßten mit Sympathie und hoffen, dass auf den Betriebsversammlungen diese Woche vom Betriebsrat etwas kommt. Ein Vertrauensmann war empört: "Das sind ja faschistische Methoden" – dass in Neckarsulm Verteiler nach der Aufforderung der Werkleitung auf die Wache mitgenommen wurden. Zu einem Treffen hat er momentan keine Zeit, aber er spendet gern. Und er will die Pausen nutzen, um zu informieren. "Ja, die Solidarität muss verstärkt werden."

 

Wir fragten Kollegen: "Warum musste Hartung gehen?" Anfang Juli verließ der Bosch-Konzernchef Hartung abrupt den Bosch. Angeblich, um sich gesellschaftlich und unternehmerisch neu zu orientieren. Seitdem wird dieser völlig ungewöhnliche Abgang diskutiert.


Ein Meister: „Wegen der Verluste. Er hat aufs falsche Pferd gesetzt – die E-Mobilität. Er hat viel Geld in den Sand gesetzt, statt mit Verbrenner-Technologie Gewinne zu machen." Unserer Meinung nach wurde Hartung abgesetzt. VW, Daimler und auch Bosch können ihre Monopolpreise und mit diesen den Maximalprofit gegenüber der chinesischen Konkurrenz nicht durchsetzen. Sie verschärfen jetzt mit der Regierung unsere Ausbeutung. Das soll bei Bosch ein neuer Chef machen.

Stärkt die Betriebsgruppe der MLPD!

So forderten wir die Kollegen am Ende der Woche auf. Einige Vertrauensleute zeigten zwar eine gewachsene Sympathie uns gegenüber, doch Vorbehalte unter Kollegen, sich mit "den Roten" einzulassen, hindern sie dann doch.

 

"Uns wären die Probleme der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft egal, wir wären auch gegen Verbrenner." Uns sind die Arbeiter und Umweltprobleme nicht egal, das stimmt. Auf der Betriebsversammlung wetterte der Betriebsrat gegen die Politik und appellierte im gleichen Atemzug an die Regierung, mit den Autokonzernen und den Gewerkschaften einen runden Tisch zu machen. Das ist Mitbestimmung als Illusion, die gerade bei VW offen scheitert.

 

Die Verwirrung über gegensätzliche Klasseninteressen muss tiefergehend geklärt werden. Da müssen wir dranbleiben.