Solidarität und Zustimmung zum gemeinsamen Kampf
Bei der Belegschaft von Ford in Köln bewegt sich was
Seit die Kahlschlag-Pläne bei VW bekannt sind, wird täglich unter den Ford-Kolleginnen und -Kollegen diskutiert. Auch über den Angriff des Daimlervorstands.
„Viele von uns arbeiten gerade freiwillig jeden Tag eine Stunde länger, weil sie das Geld brauchen. Wenn Mercedes sich durchsetzt, wird das Alltag. Aber ohne einen Cent! Damit dürfen sie nicht durchkommen.“ Auf der Betriebsversammlung rechnete der BR-Vorsitzende: „Das wäre eine Lohnkürzung von 14 Prozent!“ Dass die Regierung den Konzernen die Gesetze liefert, die sie brauchen, um ihre Profite auf unsere Kosten zu garantieren, ist vielen klar.
Im Vertrauenskörper werden Argumente entwickelt, damit jeder versteht, wie tief das ins Leben eingreift. Abschaffung der Altersteilzeit, mit der so viele bei Ford planen. Man soll nicht mehr drei Jahre früher raus können. Dabei schaffen so viele die Arbeit mit 60 nicht mehr. Aber das ist ja nicht alles. Rente mit 63 soll auch weg. Das zerschießt auch bisher übliche Abfindungskonditionen, die auf den nahtlosen Übergang in die Rente mit 63 aufbauen. Dann die Rente mit 70. Das schafft überhaupt gar keiner. Ein Kollege heute am Band: „Das wissen die auch. Das ist doch als Rentenkürzung gedacht, weil du mit 70 nicht auf dem Bau oder am Band arbeiten kannst, musst du dann mit noch mehr Abschlägen gehen.“
Kahlschlag bei Ford geht weiter
Parallel geht die Arbeitsplatzvernichtung bei Ford weiter. Auf Betriebsversammlungen am 7. und 8. Juli wurde verkündet, dass für sieben Werksteile kein einziger Investor gefunden wurde. Über 500 weitere Arbeitsplätze stehen bis Ende 2027 auf der Abschussliste. Zum Teil soll die Arbeit von sogenannten Dienstleistern nahtlos übernommen werden, z.B. in den Kantinen, bestimmten Instandhaltungen der Gebäude, Kräne usw. Der stolze Kölner Werkzeugbau soll ganz abgewickelt werden. Was hier passiert, ist eine Zersplitterung der Belegschaft, der Kampfkraft, vermutlich verbunden mit Lohndumping, eine Vorbereitung zur Werksschließung. Der Generalangriff ist also auch bei Ford real. Alles läuft nach dem 2025 vereinbarten Sozialtarifvertrag, mit Druck zur Abfindung über drei Epressungsstufen. „Sozial“ finden das immer weniger.
Viel in Bewegung
In den Köpfen der Belegschaft ist viel in Bewegung. „Alle Autobelegschaften zusammen gegen Arbeitsplatzvernichtung“, das ist der Tenor einer Solidaritätserklärung, die der Vertrauenskörper der Endmontage und des Lacks beschlossen hat. In diesem Sinne unterschrieben auch rund 80 Kolleginnen und Kollegen ein Plakat: „Alle Autoarbeiter zusammen gegen Arbeitsplatzvernichtung! Mitbestimmung durch Streik!"
Die Beteiligung an der Betriebsversammlung war zugleich sehr schlecht. „Immer das gleiche Gelaber“, winken viele ab. Andererseits ist ein kleiner Kern sehr kämpferisch. Als der Geschäftsführer Wassenberg die Bühne betritt, klatscht keine Hand. Aber eine ganze Gruppe fängt an, ihn auszubuhen. Nicht wegen neuer Attacken. Einfach aus Ablehnung seiner ganzen letzten Angriffe und seinem Umgang mit der Belegschaft. Der Betriebsrat spricht in Teilen kämpferisch. „Gegen Druck und Spaltung setzen wir auf Zusammenhalt und Solidarität“. Aktionen der IG Metall gegen die Angriffe auf unsere erkämpften Rechte wurden beworben. Schilder für eine Fotoaktion lagen vorbereitet auf jedem Sitz: „Hände weg von der 35-Stundenwoche! Hände weg von der Rente mit 63! Zusammenhalt ist unsere Stärke / stärkste Marke! Jetzt reicht’s!
Redebeiträge von Kollegen attackierten die Bundesregierung und die Konzerne, die ihre Vernichtungsschlacht auf dem Rücken der Belegschaften austragen. Sie zerpflückten die Illusionen darauf, dass ein neues Modell für das Kölner Werk kommen könnte und dafür die Belegschaft die Füße stillhalten müsse und zeigen dass sie „funktionieren“. Real ist im Moment nichts geplant. Ein heißes Thema ist auch die Hitze, die in verschiedenen Werkshallen auf 34 Grad steigt, aber um Stückzahl zu fahren werden keine effektiven zusätzlichen Schutzmaßnahmen ergriffen. Die Kollegen fordern Sofortmaßnahmen und bezahlt Hitzefrei ab 30 Grad. Argumentiert wurde, dass jetzt der Moment zu kämpfen ist, dass alle Belegschaften gemeinsam in die Offensive gegen Konzerne und Regierung gehen müssen. Der 8. Juli als Auftakt für Streiks in allen Betrieben, das wurde bis Schichtende intensiv diskutiert.
Pausenversammlung
In der Fertigung fand dann am 8. Juli eine erste kämpferischen Pausenversammlung mit rund 30 Kolleginnen und Kollegen statt. Einstimmig wurden Solidaritätsgrüße an die VW-Belegschaften abgestimmt, Forderungen für Maßnahmen gegen die Hitze diskutiert. Weitere Schritte wurden vereinbart. „Jeder bringt zum nächsten Mal drei Leute mit.“ Die Stimmung ist deutlich – wenn wir alle zusammenhalten, können wir was erreichen.