Zukunft der Arbeit

Zukunft der Arbeit

Antwort der Redaktion auf Leserbrief ist nicht schöpferisch

Am 4. Juni 2026 veröffentlichten wir auf Rote Fahne News einen Briefwechsel zwischen einer Leserin und der Redaktion zum Thema "KI: Es geht darum, unmittelbar produktive, heute vor allem einseitig spezialisierte Fabrikarbeit zu ersetzen".

Briefwechsel

Hier der Briefwechsel: "KI: Es geht darum, unmittelbar produktive, heute vor allem einseitig spezialisierte Fabrikarbeit zu ersetzen".  

 

Hierzu bekamen wir einen weiteren kritischen Leserbrief, den wir hier dokumentieren.

 

Ich finde, dass die Antwort die Aufforderung zur Diskussion der Zukunft der Arbeit im Sozialismus nicht schöpferisch aufgreift, sondern nur auf bestehende Erkenntnisse hinweist, ohne diese auf neue Entwicklungen wie mit KI anzuwenden und die Kapitalismuskritik weiterzuentwickeln. In dem Marx-Zitat wird die mit der Mechanisierung und Automatisierung verbundene Veränderung der Arbeit angesprochen, die die Rolle des Arbeiters steigert und nicht, wie oft behauptet, ihn überflüssig macht.

 

Im ersten Band des „Kapital“ von Marx heißt es zur Veränderung der Rolle des Arbeiters im Kapitalismus: "… daß die große Industrie die manufakturmäßige Teilung der Arbeit mit ihrer lebenslänglichen Annexion eines ganzen Menschen an eine Detailoperation technisch aufhebt, während zugleich die kapitalistische Form der großen Industrie jene Arbeitsteilung noch monströser reproduziert, in der eigentlichen Fabrik durch Verwandlung des Arbeiters in den selbstbewussten Zubehör einer Teilmaschine.“

 

Selbstbewusst, weil die Arbeiter lernen, große und komplexe technische Anlagen zu beherrschen. Der Streik zeigt dieses Selbstbewusstsein der Arbeiter. Die Maschinen diktieren ihm aber auch oft Arbeitsschritte, Arbeitsrhythmus usw. Insofern ist er auch Zubehör der Maschine. Die umfassende, sekundengenaue Überwachung jedes Arbeitsschrittes bei digital gesteuerten Anlagen verstärkt diese Rolle als Zubehör. Ob die Arbeiter sich selbst als Beherrscher der Produktion begreifen und den desaströsen Plänen der Topmanager entsprechend entgegentreten, oder als hilfloses Anhängsel dieser modernen Maschinerie, ist eine Kernfrage im Kampf um die Denkweise. Die Steuerung auch großer computergesteuerter Anlagen ist in den sich wiederholenden Handgriffen meist gleichförmig und simpel, auch wenn sie hohe Konzentration erfordert. Die Produktion wirklich zu beherrschen, d.h. auch mit allen möglichen Störungen und Problemen fertig zu werden, erfordert aber die im Programmzitat genannten „allseitig ausgebildeten Überwacher und Dirigenten des komplizierten internationalistischen Produktionsprozesses“.

 

Täglich kann man das Jammern der Monopole über den Fachkräftemangel hören. Noch gibt es in den Betrieben erfahrene Arbeiter, die den ganzen Produktionsprozess aus der Praxis aus nicht digitalisierter Produktion kennen und so viel besser begreifen, wie auftretende Probleme zu lösen sind. Marx wies darauf hin: „Die Technologie entdeckte ebenso die notwendigen Grundformen der Bewegung, worin alles produktive Tun des menschlichen Körpers, trotz aller Mannigfaltigkeit der angewandten Instrumente, notwendig vorgeht, ganz so wie die Mechanik durch die größte Komplikation der Maschinerie sich über die beständige Wiederholung der einfachen mechanischen Potenzen nicht täuschen lässt.“

 

Das praktische Erlernen dieser „Grundformen der Bewegung“ in der Metallverarbeitung mit monatelangem Feilen, Meißeln und Hämmern ist eine Anerkennung dieser Tatsache, obwohl man diese mühsam erlernten Fähigkeiten in der Produktion nicht braucht. Die notwendige Einheit von Theorie und Praxis stellt heute noch höhere Anforderungen. Die theoretische Ausbildung nimmt heute einen weit stärkeren Teil der Berufsausbildung ein. Das verstärkt die allgemeine Richtung der Verschulung in der Ausbildung. Es gibt in den Lehrwerkstätten der Industrie Projekte, wo Auszubildende selbst Programme für Maschinen schreiben u.ä., um die Anwendung in der Praxis zu erlernen. Die extreme Rationalisierung der Produktion lässt aber meist keinen Raum, das auch unmittelbar in der Produktion zu lernen, dass erfahrene Arbeiter ihre Kenntnisse weitergeben können. Dazu müsste ein erfahrener Arbeiter zumindest teilweise von der Produktion freigestellt werden, wenn ein Auszubildender in der Abteilung ist. Das muss durchgesetzt werden, statt über Jugendliche zu schimpfen, weil sie mit dieser Situation nicht klar kommen.

 

Es ist der Kapitalismus selbst, der den viel bejammerten Fachkräftemangel durch die Trennung von Theorie und Praxis produziert und damit die Anwendung der neuen Technologien untergräbt. Im Sozialismus ist die Verwirklichung der Einheit von Theorie und Praxis in der Ausbildung und Erziehung von Kindesbeinen an grundlegend, nicht nur wegen der Fertigkeiten für die Produktion. Die Arbeiter müssen tatsächlich „Herren der Fabriken und nicht Sklaven der Tonnage“ sein. Das war eine Losung der revolutionären Arbeiter im China der Kulturrevolution im Kampf gegen Bürokraten, die sich als Ingenieure oder Betriebsleiter dem Arbeiter überlegen fühlten und den kapitalistischen Weg gingen. Die Trennung von Kopf- und Handarbeit grundsätzlich aufzuheben, ist ein langfristiger Prozess, der im Sozialismus erkämpft werden muss. Die führende Rolle der Arbeiterklasse ist heute eine Kernauseinandersetzung, die wir gegen die postmoderne Beeinflussung führen müssen.