Am Gießerei-Tor von VW Kassel

Am Gießerei-Tor von VW Kassel

Von „wir können eh nichts ändern“ zu „von uns hängt eigentlich alles ab“!

So viele Gespräche haben wir schon lange nicht mehr geführt. Die meisten Kolleginnen und Kollegen waren sehr freundlich, interessiert, nachdenklich und aufgeschlossen.

Korrespondenz

Während des einstündigen Einsatzes ist es uns immer besser gelungen, die Kampfkraft der Kollegen herauszufordern. Unser Argument, die Wut und den verbreiteten Frust („immer nur Negativ-Schlagzeilen“) in Aktion zu verwandeln, wurde aufgegriffen und stieß auf immer mehrZustimmung.

 

Wir schälten in den Gesprächen klarer heraus, wie abhängig die Konzernbosse von den Arbeitern und Arbeiterinnen sind, von ihrer Produktion und wer eigentlich am längeren Hebel sitzt. Dazu nutzten wir auch Streikbeispiele der Vergangenheit und auch ihre eigenen Erfahrungen, wenn sie in einer Abteilung vor kurzem durch Überstundenverweigerung die Versetzung eines Kollegen verhindern konnten. So traf unsere Feststellung „Ohne Euch läuft gar nichts“ auf immer mehr Ressonanz und verfing sich. „Das bedeutet aber auch Verantwortung zu übernehmen“, war unsere Antwort. Einige waren offen für das Angebot gemeinsamer Beratung, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

 

Auch „Pausenverlängerung wie bei VW Emden“ als Ansprache war ein guter Einstieg und nicht wenige reagierten mit „gute Idee, das bringen wir ein“. In den Gesprächen zeigte sich mehr Selbstbewusstsein und dass sie die wahren Entscheider sind und sie hierfür selbst einstehen müssen, auch gemeinsam mit den Gewerkschaften, Vertrauensleuten usw. Die wenigen Frauen, die an diesem Tor reingehen, waren oft aufgeschlossener als ihre männlichen Kollegen, wenn wir sie mit „Jetzt ist auch die Frauenpower notwendig!“ ansprachen. Allerdings auch noch zurückhaltend bei dem Vorschlag, sich selbst praktisch einzubringen.

 

Man darf die Kolleginnen und Kollegen aber auch nicht unterschätzen. So kam auf meinen Vorschlag, erstmal in kleinen Schritten zu vorzugehen, prompt die etwas empörte Antwort eines Kollegen: „Der Vorstand hat auch nicht mit kleinen Schritten angefangen! Jetzt müssten alle Betriebe streiken!“ - Recht hat er!