Dr. Rainer Werning
Kein Grund zum Feiern: USA & Philippinen oder „Wohlwollende Assimilierung“ unter Uncle Sams Zuchtrute
Dieser Artikel von Dr. Rainer Werning, bekannter Autor und engagierter Experte für die Philippinen und Südost-Asien insgesamt, steht auf der Webseite der Deutsch-Philippinischen Freunde zur Verfügung. Rote Fahne News dokumentiert Auszüge und den Link zum Artikel in voller Länge.
Vor genau 250 Jahren, am 4. Juli 1776, verabschiedete der Zweite Kontinentalkongress die von Thomas Jefferson verfasste Erklärung und vollzog damit die Unabhängigkeit der USA von Britannien, was seitdem als Independence Day gefeiert wird. Just am selben Tag vor 80 Jahren, am 4. Juli 1946, gewährten die USA ihrer einstigen und einzigen Kolonie in Asien (1898-1946), den Philippinen, eine Unabhängigkeit mit beschränkter Haftung. Die eigene Unabhängigkeitserklärung im hehren Geiste der Aufklärung und revolutionärer Prinzipien – „Alle Menschen haben ein inhärentes Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück (Life, Liberty, and the pursuit of Happiness)“ und „Eine Regierung leitet ihre Macht nur aus der Zustimmung der Regierten ab“ – blieb den Filipinos verwehrt. Auf sie blickte Uncle Sam stets herab; sie blieben bestenfalls „kleine braune Brüder“ („little brown brothers“). Ein Begriff, den William Howard Taft, der erste zivile US-Generalgouverneur in den Philippinen und 27. Präsident der Vereinigten Staaten (1909-13), geprägt hatte. Eine wenig schmeichelhafte, unzeremonielle Rückschau unseres Südostasienexperten Rainer Werning.
Von hemisphärischer zur hegemonialen Macht
Ende des 19. Jahrhunderts waren Siedler bis an die Westküste der USA vorgedrungen. Seit etwa 1890 wurde es laut um den Stillen Ozean. Die Weite dieses größten Weltmeeres beflügelte zunehmend hitzigere Debatten: Sollten die US-Amerikaner dieses Meer – mit Berufung auf den Herrn – zu ihrer See (mare nostrum) machen? Diese Streitfrage spaltete die Vereinigten Staaten in „Isolationisten“ und „Interventionisten“ beziehungsweise „Imperialisten“. Erstere meinten, die USA genügten sich selbst und ihr Territorium stellte einen ausreichend großen Binnenmarkt dar. Die Befürworter eines Imperialismus waren Leute höchst unterschiedlicher Couleur: Geistliche, Politiker, Geschäftsleute und Intellektuelle. Im Wettstreit mit den europäischen Kolonialmächten wollten sie nicht zu kurz kommen.
...
Apropos „wahre Geburt“ der philippinischen Nation
Just in Kawit (Cavite) versammelten sich progressive Aktivisten unter dem Banner des Linksbündnisses Bagong Alyansang Makabayan (BAYAN) Southern Tagalog am 12. Juni 2026, um auf ihre Art den 128. Jahrestag der Verkündung der Unabhängigkeit des Landes durch Emilio Aguinaldo zu begehen.
„Die Frage, die wir am 12. Juni stellen, ist einfach: Sind die Filipinos wirklich frei?“, fragte Lucky Oraller, der Sprecher des Bündnisses. Die Antwort lieferte er selbst: „Mehr als ein Jahrhundert nach der Unabhängigkeitserklärung der Philippinen kontrollieren Ausländer und einige einflussreiche Familien nach wie vor die wichtigen Ressourcen und unsere Wirtschaft. Unabhängigkeit bedeutet nicht, die Flagge zu schwenken. Echte Freiheit bedeutet Land für die Bauern, angemessene Löhne für die Arbeiter, einen würdigen Lebensunterhalt für die Fischer und die Achtung der Grundrechte des Volkes.“
Hier der Beitrag von Dr. Rainer Werning in voller Länge
Siehe auch Rezension: „Von Marcos zu Marcos – Die Philippinen seit 1965"