Audi-Neckarsulm

Audi-Neckarsulm

Ein Anfang ist gemacht

Bei Audi in Neckarsulm fand heute zum Schichtwechsel die Kundgebung des Widerstandskomitees mit rund 40 Teilnehmern statt. Im Betrieb, so berichteten uns Kollegen am Tor, hat mindestens eine Versammlung stattgefunden, auf der eine Entschließung gegen die Werksschließung gegen den VW/Audi-Vorstand beschlossen wurde.

Von ffz
Ein Anfang ist gemacht
Blick auf Audi in Neckarsulm (foto: I, Rosenzweig (CC BY-Sa 3.0))

Der ein oder andere Kollege konnte sich das Grinsen nicht verkneifen: Immerhin fand die Kundgebung keine 5 Meter vom Tatort der Polizeigewalt vor einigen Tagen statt. Da es sich aus unserer Überzeugung die ganze Zeit um öffentliches Gelände gehandelt hat, wenn auch im Besitz der AUDI AG, meldeten wir heute beim Ordnungsamt eine Kundgebung an der Bushaltestelle vor Audi an. Prompt hatte das deshalb zuständige Ordnungsamt – wenn auch mit einigen Windungen und Wendungen – die Kundgebung genehmigt, sodass die Polizei heute in der Pflicht stand, unsere Versammlung gegen den Werksschutz zu schützen. Ein Beweis mehr für die Rechtmäßigkeit des Verhaltens der Verteilerinnen und Verteiler der Kollegenzeitung und der Roten Fahne in den letzten Wochen.


Dass Polizei und Werksschutz sich grimmig schmollend in einer Reihe direkt vor der Kundgebung aufbauten und jeden Kollegen beobachteten, wirkte natürlich auch einschüchternd. Oft blieben also Kollegen in sicherer Entfernung hinter dem Zaun, dem Drehtor oder auf der Brücke stehen und hörten einige Minuten zu.

Nichtsdestotrotz war das Interesse groß. Die Kundgebung erreichte viele Kolleginnen und Kollegen. Viele Audianer machen Handyvideos und Fotos, sodass Kundgebung und Inhalt der Kundgebung sicher die Runde machen. Häufig wurde auch ein anerkennender, gestreckter Daumen aus Autofenstern gezeigt. Es sprachen verschiedene Rednerinnen und Redner. Klaus-Jürgen Hampeijs, IG-Metall-Senior aus Stuttgart, brachte seine Erfahrungen ein und grüßte die Mercedes-Arbeiter, was auf großes Interesse stieß. Er erklärte, dass Arbeitersolidarität und Arbeitskämpfe stärker sind, als der Druck durch die Automonopole. Morgen wird es einen Autokorso bei Mercedes in Stuttgart geben, kündigte er an.

Eine Aktivistin des Frauenverbands Courage brachte die Erfahrungen von VW in Kassel ein. Dort wurde seinerzeit ein Frauenkomitee gegründet, das die Kolleginnen und Kollegen im Werk aktiv unterstützte. Die Forderung nach dem Sechs-Stunden-Tag wurde genauso vorgebracht wie die Meldung des Handelsblatts, dass insgesamt 32 Automobilwerke in ganz Europa geschlossen werden sollen.


Ein Kollege aus Göppingen berichtete vom Kahlschlag unter den dort ansässigen zahlreichen Automobilzulieferern. Die Kolleginnen und Kollegen dort sind genauso von Arbeitsplatzvernichtung und Werksschließungen in der Automobilindustrie betroffen. Es wurde deutlich: Es darf nicht zugelassen werden, dass Arbeiter so behandelt und unterdrückt werden.


Es wurde ebenfalls deutlich, dass die Aktion heute erst ein Anfang gewesen ist, und dass die Belegschaften in den Automobilwerken jetzt einen langen Atem und viel Kampfkraft brauchen! Dazu bekommen sie jede Solidarität und Unterstützung, die nötig ist.

Weiter sprachen auch ehemalige Audianer. So Dieter Reimold, der jahrelang bei Audi in Neckarsulm am Band gestanden hat.


Mit dabei war ein Transparent mit der Losung „Ab 8. Juli - Mitbestimmung durch Streik“, auf dem schon über 250 Leute unterschrieben haben und damit ihre Solidarität mit der Audi-Belegschaft im Kampf gegen die Werksschließung ausdrücken. Außerdem ein Transparent der Kinderorganisation Rotfüchse, auf dem steht: „Wir wollen auch noch Arbeit. Wir stehen hinter euch.“ Die Rotfüchse hatten extra kleine Geschenke für die Kolleginnen und Kollegen als Unterstützung mitgebracht. Pit Bäuml vom Widerstandskomitee eröffnete das offene Mikrofon.


Lisa Gärtner von der MLPD erklärte direkt zu Beginn die volle Solidarität mit den Audianern gegen die geplante Werksschließung. Sie ist Teil eines Generalangriffs auf die Arbeiterklasse in ganz Deutschland. Aktuell malt das Handelsblatt Szenarien, bis zu 32 Werke in ganz Europa zu schließen. Das ganze Ausbeutersystem Kapitalismus muss heute infragegestellt werden! Ein wichtiges Signal des Tages ist, dass Audi-Arbeiter sich entschieden, MLPD-Mitglied zu werden.

 

Unter den musikalischen Klängen von „Keiner schiebt uns weg“ überbrachten die Kinder der Kinderorganisation ROTFÜCHSE ihre selbstgemachten Snackboxen an die Kolleginnen und Kollegen. Eine Kollegin des Jugendverbands REBELL ging darauf ein, dass eine Werksschließung die ganze Zukunft der Region berührt. Am offenen Mikrofon wurden Solidaritätsgrüße aus der ganzen Welt, von Autobelegschaften wie von Tesla und der Linkspartei verlesen. 

 

Jetzt sind die Kolleginnen und Kollegen gefragt – nicht zuletzt am morgigen 9. Juli beim Aktionstag der IG Metall.