Automobilindustrie/VW
Der verantwortliche Herr Blume
Im Artikel "Autokonzern in der Krise: Dieses Mal geht der VW-Chef aufs Ganze", der am 5. Juli in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erschien, wird VW-Chef Oliver Blume zitiert: „Wir übernehmen Verantwortung für den Industriestandort Deutschland und können nicht alles einfach zumachen.“ Ist das nicht tröstlich, wahrlich sehr verantwortungsvoll, dass so ein Wirtschaftsboss nicht gleich alles zumacht? Da müssen wir dem Mann doch dankbar sein?
Nein, keine Werkschließung ist zu akzeptieren! Es geht um die Existenz der Arbeiter und ihrer Familien, die oft schon viele Jahre für die Profite von Kapitalisten wie Blume geschuftet haben.
Eines der nach den Plänen von Blume von Schließung bedrohten Werke ist das VW-Werk Emden. Dort arbeiten über 7700 Beschäftigte in dem 1964 gebauten Werk. Dazu kommen die Menschen, die im Umfeld des Werkes an diesem hängen. Das Werk hat für die ganze Stadt enorme Bedeutung. Es wurde in den letzten Jahren für 1,3 Milliarden Euro auf E-Mobilproduktion umgestellt – nach dem produktiven modularen E-Antriebsbaukasten. Produziert werden die Modelle ID.4 und ID.7. Es liegt direkt an einem der größten Automobilumschlaghäfen. Und das soll jetzt einfach dem Erdboden gleichgemacht werden? Nein, das kann es nicht sein.
„Das Geschäftsmodell von VW trägt nicht mehr“, rechtfertigt sich Oliver Blume als Vorsitzender des umsatzstärksten Automobilkonzerns der Welt in dem besagten Artikel. Als wäre das ein VW-Problem. So hat jetzt der japanische Autokonzern Nissan die Stilllegung von sieben seiner 17 Werke angekündigt. In China werden aktuell acht Automobilfirmen einfach vom Staat geschlossen, um die größten Monopole wie BYD zu stärken. BYD hat seine Produktion in den letzten Jahren verzehnfacht und drängt damit auf den Weltmarkt. Die Marke wurde so Weltmarktführer bei E-Mobilen und will erklärtermaßen VW die Weltmarktführung abjagen.
Der Konzern sitzt aber selbst auf Hunderttausenden unverkauften Autos. Jedes dieser großen Monopole produziert und baut neue Produktionskapazitäten auf, in der spekulativen Hoffnung, auf Kosten der Konkurrenz mehr Weltmarktanteile zu erreichen.
Dafür werden gigantische Summen investiert. So hat der VW-Konzern 2,5 Milliarden Euro in die zwei Werke Emden und Zwickau investiert, hat 20 Milliarden in die Batterieproduktion gesteckt und 5,8 Milliarden Euro in den US-Elektroautobauer Rivian. Weil das mit den höheren Weltmarktanteilen für VW nicht so geklappt hat, sollen die riesigen Werte wieder vernichtet werden, sollen jetzt die Arbeiter und ihre Familien ihre Existenz verlieren? Da ist konsequenter Kampf angesagt. Schon 2024 musste der VW-Konzern Zugeständnisse an die Kampfbereitschaft der Arbeiter machen. Daraus muss gelernt werden.
Was hier nicht trägt, ist nicht das Geschäftsmodell VW, sondern das Geschäftsmodell Kapitalismus. Das schreit nach einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Alternative.