MLPD Jena

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„Ab 8. Juli: Mitbestimmung durch Streik“ – so geht es rum in der VW-Konzernbelegschaft – und bei Zeiss?

Im Juni überschlagen sich die Meldungen :

  • VW will Hunderttausend Arbeitsplätze vernichten und plant, die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Audi-Neckarsulm zu schließen. Die Klassenzusammenarbeit ist offen gescheitert. Am 9. Juli sollen die Pläne offiziell verkündet werden.
  • Mercedes fordert von der Belegschaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. 33.000 Kolleginnen und Kollegen streiken am Freitag das erste Mal: „Bundesweit: streikbereit“ ihr Schlachtruf.
  • 3000 Kollegen gehen im Ruhrgebiet auf die Straße und folgen damit dem Aufruf der IG Metall zur „Ruhrpott-Rebellion“.
  • Die Regierung will die Axt an die Rente und Gesundheitsvorsorge legen
  • Auch beim Zeiss-Konzern platzt die Bombe – ein wahres Horrorprogramm ist geplant:

Was steckt bei Zeiss dahinter?

  • Bei 5,8 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2025/2026 macht der Konzern fast eine Milliarde Gewinn (955 Mio.) vor Steuern und Zinsen (EBIT). Eine Profitrate von satten 16,6 Prozent!
  • Die geplante Vernichtung von 1000 Arbeitsplätzen im Geschäftsbereich MediTec weltweit, davon viele in Jena, soll nur der Anfang sein! Im ganzen Konzern sollen in den nächsten drei Jahren „hunderte Millionen Euro eingespart“ werden (CEO Andreas Pecher).

 

In der Belegschaft geht es hin und her: „Wie passt das zusammen?“, „Können die den Hals nicht voll genug kriegen?“, „Erst mal abwarten?“, „Mein Vertrauen ist zerstört“, „Jetzt müssen wir kämpfen!“

Die eiskalte Strategie der Konzernführung:

  • Zuerst der „Bombenwurf“ – kaum einer hatte mit solch einer Botschaft gerechnet, die auch noch provokativ „Agenda 2030“ genannt wird.
  • Man bleibt im Ungefähren – wie viele es betreffen soll, könne man jetzt noch nicht sagen. Wir sollen an den Gedanken gewöhnt und in eine Abwartehaltung gedrängt werden.
  • Es wird die soziale „Verantwortung als Stiftungsunternehmen“ beschworen und dass sich „… möglicherweise wegfallende Stellen erst … mit den Arbeitnehmervertretern“¹ ergeben. Wir und unsere Vertreter sollen also ganz „sozial“ in die Vernichtung unserer eigenen Arbeitsplätze eingebunden werden?
  • Gleichzeitig wird die Arbeitshetze unerträglich, ständig werden höhere Produktionszahlen verlangt!

Worum geht es?

Die Halbleiterfertigungstechnologie ist mit über 2,5 Mrd. Euro Umsatz (Halbjahr) der stärkste Bereich und soll weiter ausgebaut werden. Der Staat als Dienstleister der Konzerne subventioniert das aktuell mit 222 Mio. Euro! (Heißt es nicht immer: Wir haben zu wenig Geld in der Staatskasse?) Aber die Konzernspitze weiß auch, dass die Halbleiterfertigung angesichts einer Strukturkrise auf Grundlage der Digitalisierung und ausufernder Spekulation in KI ein Tanz auf dünnem Eis ist.

 

In den anderen beiden großen Bereichen Messtechnik und Medizintechnik sind die Umsätze trotz größerer Ausgaben leicht zurückgegangen. Das heißt keineswegs, dass kein Gewinn gemacht wird! Aber die Profitrate, das Verhältnis von Gewinn zu eingesetztem Kapital, fällt. Für jeden Kapitalisten bedeutet das „Alarmstufe Rot“.

 

Worüber die Konzernspitze nicht offen spricht, ist die neue Kooperation mit dem Rüstungskonzern Hensoldt zum Ausbau der Rüstungsproduktion, wofür Kapital gebraucht wird. Am Ende werden unsere Kinder wieder in den Krieg geschickt!

 

Die „Agenda 2030“ ist nicht im viel beschworenen „gemeinsamen Interesse“ von Konzern und Belegschaft: Hier geht es um kapitalistische Gesetzmäßigkeiten und ein knallhartes Profitprogramm gegen die Konzernbelegschaft und ihre Familien!

Der Mythos vom „sozialen Stiftungsunternehmen“ ZEISS

Schon bei der Gründung unter Ernst Abbe war dies eine sozialreformerische Strategie, den Klassenkampf einzudämmen und das Unternehmen streikfrei zu halten. Unter dem Hitler-Faschismus hat der Stiftungscharakter den ZEISS-Konzern nicht daran gehindert, eine große Rüstungsschmiede zu werden.

 

Zwangsarbeiter wurden ausgebeutet und die faschistische Rassenkunde wurde gesponsert. In jedem kapitalistischen Konzern wird neben der Dividende der größte Teil des Profits angelegt, um im nächsten Zyklus den Maximalprofit erneut zu steigern. Als „Global Player“ geht es um Maximalprofit durch eine weltmarktbeherrschende Stellung. Das und nichts anderes soll aus uns herausgepresst werden.

 

Bei Audi haben die Konzernbosse panisch die Polizei gegen Verteiler der Kollegenzeitung „Vorwärtsgang“ und Repräsentanten der MLPD vor dem Tor geholt. Die gefürchtete Botschaft des „Vorwärtsgangs“: „Ab 8. Juli: Mitbestimmung durch Streik!“ Die Vertrauensleute bei Mercedes-Untertürkheim haben aktuell in einer Resolution erklärt: „Schluss jetzt. PROTEST, WIDERSTAND, STREIK! Die Bosse wollen Klassenkampf? Können sie haben!“


Konzernweit wie konzern- und branchenübergreifend kämpfen: Wenn wir uns als Klasse einig werden, sind wir eine Macht!