AfD-Parteitags in Erfurt: Antifaschistische Überzeugungsarbeit
Wie wir den Kampf um die Denkweise führen
Ganz Erfurt diskutiert über die faschistische AfD und ihren Parteitag am 4./5. Juli. Es herrscht eine Aufbruchstimmung unter einem Teil von jungen Leuten, gegen den Faschismus aktiv zu werden und der AfD keinen Raum in Erfurt zu bieten.
Das ist tausendmal demokratischer als einer faschistischen Kraft eine Messehalle für die Verbreitung und Organisierung ihrer modernen faschistischen Ideologie bereitzustellen!
MLPD und REBELL beteiligen sich an den Aktionen der Bündnisse „widersetzen“ und „Zusammenstehen“. Im Erfurter Stadtteil Rieth, einem Plattenbaugebiet mit hohem Arbeiter- und Migranten-Anteil fanden 4 Mahnwachen mit Infopavillon statt, bei denen die Passanten angesprochen und parallel Haustüreinsätze durchgeführt wurden. Im Rieth wurde mittlerweile an ca. 300 Haustüren geklingelt und zusätzlich ebenso viele Gespräche am Pavillon geführt – die Diskussion um den Protest gegen den AfD-Parteitag wurde zum Stadtteilgespräch im Rieth!
Bestechend ist, dass hier eine solidarische und überparteiliche Bündnisbewegung entsteht. Sowohl Marxisten-Leninisten, Leute von der Linkspartei, aus der autonomen Bewegung, Azubis, über den SPD-Ortsteilbürgermeister bis hin zu Katholiken brachten ihre Fähigkeiten ein. Ein wahres Bündnis von Religion bis Revolution. So wurde gemeinsam ein Banner gemalt: „Platz der Völkerfreundschaft – kein Platz für die AfD!“ Eine solidarische Atmosphäre, gemeinsame Trupps von Erfahrenen und Unerfahrenen und die Möglichkeit für Beratung ermöglichte es neuen Leuten, gut einzusteigen. Für manche war das ein großer Schritt: „Ich musste mich echt überwinden, zu kommen… Ich dachte, ich kenn’ mich noch nicht gut genug aus. Aber ich hab gemerkt, das ist nicht das Entscheidende. Ihr habt mir den Einstieg erleichtert und ich bin froh, dass ich gekommen bin!“
Gute Argumente für die Überzeugungsarbeit gegen den Einfluss der AfD in der Denkweise der Rieth-Anwohner muss man sich mit der Zeit erarbeiten, sich theoretisch schulen, und so weiter. Entscheidend ist, dass man es anpackt!
Eine Auseinandersetzung in der Bewegung dreht sich um die Frage, ob man sich nur an die bereits linken Leute wendet, oder auch bewusst in die Diskussion mit Leuten geht, die von der AfD beeinflusst sind. MLPD und REBELL warben dafür, auch ganz bewusst in die polarisierte Auseinandersetzung zu gehen. Die MLPD kann hier ihre Erkenntnisse und Erfahrungen mit der Lehre von der Denkweise einbringen: die Denkweise ist veränderbar! Tatsächlich entwickelten sich einige Leute zu richtigen „Fans“ von Hauseinsätzen.
In den Gesprächen wird deutlich, dass die meisten AfD-Wähler richtige Kritiken an der aktuell herrschenden Politik haben. Deswegen ist es nicht ausreichend, nur gegen die AfD zu argumentieren, weil dann die Antwort kommt „die anderen Parteien lügen doch auch!“ Bewährt hat sich der „Dreiklang“ in der Überzeugungsarbeit: Argumente gegen die Regierung, gegen die AfD und für eine echte Perspektive - für uns Marxist-Leninisten ist das die des Sozialismus.
Aktuell beginnt auch die Hetzkampagne der AfD zu wirken, die verbreiten, dass die eigentliche Gefahr von links ausgehe, denn Linksextreme würden dazu aufrufen, Erfurt in Schutt und Asche zu legen. Ein Anwohner sagte: „ihr sei doch linke Steineschmeißer“. Entschieden argumentierten wir, dass von uns keinerlei Provokation ausgehen wird und kritisierten diese völlig überzogene und irreale Hetze.
Bemerkenswert ist, dass der Zuspruch zur antifaschistischen Überzeugungsarbeit auch deutlicher wird: Viele bedankten sich bei uns, mehrmals wurde uns Getränke und Eis gebracht, gespendet, Daumen hoch gezeigt.
Die MLPD organisierte noch vor dem AfD-Parteitag eine Veranstaltung „Was tun gegen den Faschismus?“. Das Bedürfnis nach mehr Tiefgang ist groß, so sagte eine Antifaschistin: „Wenn ich so krasse Sprüche höre, weiß ich zuerst nicht, was ich sagen soll, weil ich so schockiert bin. Aber ich will das lernen.“
Das war eine gute Schule für uns, die wir in die Arbeit in Sachsen-Anhalt einbringen können. Dort gilt es eine faschistische AfD Landesregierung zu verhindern! Dafür werden wir auch bei den Protesten am 4./5. Juli werben, diesen Kampf in Sachen-Anhalt zur eigenen Sache zu machen.