Gelsenkirchen/Emden

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Vorwärtsgang gewinnt Respekt und polarisiert

Mittags zum Schichtwechsel bei VW Emden. Wir begrüßen die Kolleginnen und Kollegen mit: "Moin! Ab 8.7. Mitbestimmung durch Streik! Das ist eine Sprache, die Blume versteht."

Korrespondenz

Besonders bei Leiharbeitern von Weets kommt das gut an: "Ja, Streik wäre richtig!" und einzelne kramen eine Spende für den Vorwärtsgang aus ihren Taschen. Ein VW-Kollege meint nachdenklich: "Hoffentlich wird Streik nicht nötig. Aber wenn, dann bin ich dabei."

 

Wir verteilen mehr als noch am Montag. Einer pflaumt uns feindselig an: "Ihr wisst schon, dass ihr mit den Ängsten der Kollegen spielt!" und kriegt die passende Antwort. "Angst will ja wohl der VW-Vorstand machen, der 100.000 Arbeitsplätze vernichten will. Der braucht die richtige Antwort - Streik!".

 

Eine Kollegin hat noch Hoffnung. Sie hätten mit Sonderschichten gezeigt, dass sie top arbeiten. Jetzt müsse VW liefern. Eine Illusion in der tobenden Vernichtungsschlacht. Ein Kollege meinte ernst: "Wenn das Werk hier zumacht, dann ist Ostfriesland tot." Und er stimmt zu, dass alle Werke jetzt zusammen kämpfen müssen.

 

Einzelne Kollegen wollen den Vorwärtsgang erst mal gründlich zu lesen und überlegen, ob sie künftig mit uns zusammenarbeiten wollen. Uns fällt auf wie platt die Kollegen aus der Frühschicht kommen. Die Arbeitshetze steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

 

Offenkundig wird im Werk auch ganz schön gehetzt: "Ihr fordert die Kollegen zum wilden Streik auf. Dann werden sie entlassen!" Wir berichten von den Erfahrungen vom großen Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet 1997, wo sich keiner traute, Kumpel zu entlassen. Wir müssen uns das Streikrecht erkämpfen. Auch etliche AfD-Sprüche fielen: "Ich bin blau - behaltet euren Mist!". "Wenn du für Lohnkürzungen bist, kannst du ja weiter Arbeiterverräter unterstützen", kontern wir.

 

Es gibt viel zu verarbeiten - und das geht nur im Vorwärtsgang!