Grünheide bei Berlin
Tesla: Belegschaft ist herausgefordert, sich gegen neue Stufe der Ausbeutung in Stellung zu bringen
Letzte Woche verkündete der Werksleiter der Tesla Giga-Factory in Grünheide, André Thierig, voller Begeisterung, dass bei Tesla ab Oktober 7500 Exemplare pro Woche produziert werden sollen – 50 Prozent mehr als bisher.
Gleichzeitig sollen dafür nur 20 Prozent neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden. Damit das funktioniert, wird die Taktzeit fast halbiert – auf 45 Sekunden. Nach der Betriebsversammlung reichte die Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen, mit denen die Rote Fahne Redaktion vor dem Tor gesprochen hat, von Besorgnis bis hin zu regelrechter Panik. Schon jetzt ist die Arbeitsbelastung für viele kaum noch aushaltbar. Auch Ingenieure hatten große Zweifel, ob die Produktionslinien diese Stückzahlen überhaupt hergeben und wenn, dann nur unter enormen Anstrengungen.
Für Tesla und Elon Musk bedeutet das neue Rekordprofite. Schon 2024 hat jede Arbeiterin oder jeder Arbeiter bei Tesla knapp 200.000 Euro Gewinn erarbeitet. Mit dem neuen Produktionsplan steigt dieser Gewinn auf über 300.000 Euro.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 300.000 Euro, die jeder Arbeiter bei Tesla erarbeitet und die direkt in den Taschen von Musk und anderen Großaktionären verschwinden.
Umso berechtigter war die Frage des Kollegen auf der Betriebsversammlung: „Was hat die Belegschaft davon?“ Laut André Thierig Aufstiegschancen und sichere Arbeitsplätze. Das sind die beiden ältesten Lügen, die sich die Tesla-Belegschaft schon anhören muss, seit es das Werk in Grünheide gibt. Sicher werden ein paar neue Führungskräfte und Techniker gebraucht, und vielleicht wird auch der eine oder andere Produktionsarbeiter so einen Posten ergattern. Fakt ist aber, dass der Traum vom Aufstieg für die überwältigende Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen nie in Erfüllung gehen wird.
Wie sicher die Arbeitsplätze bei Tesla sind, kam kurz vor der letzten Betriebsratswahl heraus: Während die Geschäftsleitung immer wieder betonte, dass es bei Tesla keine Arbeitsplatzvernichtung, sondern nur Wachstum gäbe, wurden über zwei Jahre 1700, also 14 Prozent der Arbeitsplätze, vernichtet. Das ist prozentual fast genauso viel, wie jetzt bei VW vernichtet werden soll.
Gemeinsamer Kampf aller Automobilarbeiter gegen Generalangriff der Monopole ist das Gebot der Stunde!
Die Wahrheit ist, dass die angedrohte Vernichtung von 100.000 Arbeitsplätzen durch den VW-Konzern oder die Steigerung der Wochenarbeitszeit bei Mercedes von 35 Stunden auf 40 Stunden das gleiche Ziel verfolgen, wie die Produktionssteigerung bei Tesla: Möglichst wenig Menschen sollen möglichst viele Autos bauen. Für die Arbeiter bedeutet das eine verschärfte Ausbeutung auf Kosten ihrer Gesundheit, ihrer Freizeit und natürlich auch ihres Geldbeutels.
Dazu kommen die Sparmaßnahmen im Sozialwesen, die Erhöhung des Rentenalters oder die wieder explodierenden Benzinpreise. Außerdem würden Massenentlassungen zu einer steigenden Konkurrenz unter den Arbeitern führen. Wenn Zehntausende plötzlich einen neuen Arbeitsplatz suchen, können die Konzerne die Löhne und Arbeitsbedingungen umso besser drücken.
Deshalb sind die Kolleginnen und Kollegen bei Tesla gut beraten, nicht mehr an die Lügen der Geschäftsleitung zu glauben, sich gewerkschaftlich zu organisieren, sich mit den Belegschaften von VW und Mercedes zu solidarisieren und gemeinsam gegen diese Ausbeutungsoffensive der Konzerne zu kämpfen. Dafür braucht es offensive Forderungen nach mehr Lohn und vor allem mehr Arbeitsplätzen und den Willen, sie zu erkämpfen.