Jetzt reichts!

Jetzt reichts!

Hunderte Arbeiter bei Streiks und BR-Info in der Früh- und Spätschicht bei Mercedes-Benz Düsseldorf

Am Freitag haben die Horrornachrichten des Vorstands die ganze Konzernbelegschaft mit einem Schlag aufgewühlt.

Korrespondenz

Ein Kollege sagte zur Frage, ob wir direkt streiken sollen bzw. ob es erlaubt ist: "Wenn dir einer eine reinhaut, fragt auch niemand zuerst, ob er sich wehren darf, oder?!"

 

Die spannende Frage war, wie jeder das privat über das Wochenende individuell verarbeitet. Unsere Erfahrung mit immer mehr Angriffen, Kämpfen und faulen Kompromissen prägt aber eine klassenmäßige Verarbeitung. Am Montag früh musste ein angestautes großes Informationsbedürfnis von allen Betriebsräten bedient werden. So traf es sich, dass ca. 350 Kolleginnen und Kollegen gleichzeitig die Arbeit niederlegten und zum Betriebsratsbüro marschierten. Die anwesenden Betriebsräte hoben vor allem hervor, dass sie solch einen Angriff bislang nicht so erlebt haben, und dass wir das als Konzernbelegschaft zusammen verhindern werden.

 

Für solche kämpferischen Aussagen gab es regelrechtes Aufatmen: „Endlich!". Kollegen forderten, dass wir in Düsseldorf jede Überstunde verweigern sollten, weil wir aktuell 8 Stunden täglich arbeiten, plus einmal pro Schicht und Monat einen Samstag, dann ist es eine 48h-Woche. Die Antwort darauf war, dass wir keine Alleingänge machen sollen. Das hat nicht ganz überzeugt. Der Alleingang besteht doch darin, dass wir in Düsseldorf länger arbeiten?! "Wir wollen denen auch weh tun", hörte man nicht nur einmal. Nach etwa 35 Minuten gingen die Kollegen wieder an die Arbeit.

 

Der zweite Streik war in der Spätschicht, mit ca. 250 Kollegen. Auch hier war die kämpferische Stimmung und Wut sehr groß, man hörte nicht nur einmal: "Wenn sie Krieg wollen, kriegen sie ihn." Ein Kollege hob den Zusammenhang hervor, dass es kein Zufall ist, das VW und Mercedes-Benz gleichzeitig angreifen. „Deshalb müssen wir doch auch nicht nur konzernweit, sondern auch branchenweit und darüber hinaus streiken! Alle Arbeiter zusammen, weil wir alle betroffen sind."

 

Dabei wurde auch die Ruhrpott-Rebellion am 4.7. in Duisburg beworben. Auf das Beispiel des Hitzestreiks aus Bremen, das ein Kollege berichtete, sagte ein anderer unter tosendem Applaus aller Anwesenden: "Der Betriebsrat darf nicht dazu aufrufen. Deshalb sage ich: Lasst uns die Bremer nachmachen! Lasst es uns wie in Bremen machen!"

 

Auch hier gingen die Kollegen auseinander mit neuem Selbstbewusstsein und erhobenem Haupt, aber auch mit vielen Fragen, wie wir eine neue Qualität von Streiks, gewerkschaftlich und selbständig erkämpfen.