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Ruhrpott-Rebellion: “Das ist für den Anfang nicht schlecht"

Bunt und mit kämpferischen Beiträgen startete in Gelsenkirchen am Freitag die "Ruhrpott-Rebellion", zu der die IG Metall in den kommenden Tagen in 14 Städten aufruft.

Korrespondenz
Ruhrpott-Rebellion: “Das ist für den Anfang nicht schlecht"
(rf-foto)

Mit rund 350 war die Kundgebung noch überschaubar, aber es ging eine kämpferische Stimmung von ihr aus. Dazu trug besonders auch die Gewerkschaftsjugend bei. "Was wollt Ihr?" Einstimmig war die Antwort: "Rebellion!" Viele selbst gemalte Schilder unterstrichen das, zum Beispiel "Wir brauchen ein richtiges Streikrecht - Nehmen wir es uns!", "Aufstehen gegen Armut, Sozialabbau und Kriegsvorbereitung" , "Wir sind nicht zu faul, um hier zu sein, Herr Merz", "Mitbestimmung durch Arbeitskampf". Einige Kollegen von TKES waren selbstbewusst dabei.

 

MLPD und REBELL waren anerkannter und selbstverständlicher Bestandteil - und mit einem Transparent zum echten Sozialismus weithin sichtbar. "Heute ist erst der Anfang", darin stimmten die Redner überein, außer der IG Metall auch von IG Bau, NEG, Verdi, IGBCE, GEW. Ralf Goller (IG Metall Gelsenkirchen) griff die Beschlüsse und Pläne der großen Koalition an und die arbeiterfeindliche Haltung von Merz und Co. Redewendungen, die den Abbau von Rechten als "Entbürokratisierung" verkaufen, nannte er zu Recht Verarschung.

 

Nick Morser von der Gewerkschaftsjugend machte sich dafür stark, die Arbeiter-Tradition des Ruhrgebiets weiter zu führen: hart arbeiten, zusammenhalten und gemeinsam kämpfen. Der Jugend fehle es heute vor allem an Perspektive. "Mal sollen wir länger arbeiten, mal sollen wir später in die Rente, und wenn's nach manchen geht, sollen wir auch noch stramm stehen und Leute in die Kiste schicken, die genauso Kumpel sind wie wir und das für Leute, die Menschenleben als Marionetten sehen." Er sieht "verdammt gute Gründe, laut zu sein, deshalb stehen wir heute hier!" Entschieden wandte er sich gegen Spaltung durch rechte Hetzer, AfD und "von oben". Er bekam viel Beifall, auch für sein "klares Nein" zu Aufrüstung und Wehrpflicht.

 

Berechtigt wurde die Regierungspolitik ins Visier genommen – und so mancher “Noch”-Sozialdemokrat kritisierte die SPD-Politik. Aber die verantwortlichen Konzerne wurden nicht beim Namen genannt – ThyssenKrupp, BP oder jetzt ganz besonders VW spielten in den Reden noch keine Rolle. Da gab es jede Menge Diskussionsbedarf: Soll man ernst machen mit der Rebellion und jetzt mit dem Auftakt am 8. Juli Streiks vorbereiten oder den Arbeitsplatzabbau "sozialverträglich" gestalten? Gibt es hier einen "Sozialstaat" zu verteidigen, wie viele Redner forderten? Oder muss man nicht vielmehr die Diktatur des Monopolkapitals, das System der Ausbeutung von Mensch und Natur bekämpfen, um eine Zukunft zu gewinnen? Kann diese ein echter Sozialismus sein?

 

Die Buchverkäufer und -verkäuferinnen der MLPD führten tiefergehende Debatten und das Rote-Fahne-Magazin mit dem Titel "Mitbestimmung durch Streik ab 8. Juli" fand einige Abnehmer. Auch die antifaschistischen Proteste in Erfurt am Wochenende waren Thema – mit Gewerkschaftern, Vertretern der Grünen, der Linkspartei, von Mera 25 und einem Anarcho-Kommunisten waren wir uns einig, dass “alle zusammen gegen den Faschismus!” wichtiger ist denn je. Der REBELL verkaufte sein Magazin und warb noch für die gemeinsame Fahrt nach Erfurt. Mit anderen verabredeten wir uns für Samstag zur Ruhrpott-Rebellion – dort auch mit Demonstration – in Duisburg.