Audi-Werk
Neckarsulm: Anzeige gegen Faschisten gestellt
Heute Mittag waren die Verteiler wieder am Tor zum Verteilen der Kollegenzeitung Vorwärtsgang mit der Losung: "Ab 8 Juli: Mitbestimmung durch Streik!"
Viele Kollegen kannten die Zeitung mittlerweile schon. Dennoch griffen viele Kollegen interessiert zu. Ein Vertrauensmann berichtete, dass er das Vorgehen von Polizei und Audi gegen uns auf der heute stattfindenden Vertrauensleute-Sitzung vorbringen will, da ihn das Vorgehen an eine Diktatur erinnert. "Selbst wenn ihr hier nicht für die Gewerkschaft steht, da muss die Gewerkschaft sich positionieren, sowas geht einfach nicht. Es kann ja auch verschiedene Parteien hier geben. Das erinnert mich an eine Diktatur wie in China oder Nordkorea."
Ein Kollege: "Ich wollte euch nur sagen: ich finde gut was ihr hier macht, und das sehen viele so." Heute ergaben sich oft Diskussionen mit ganzen Gruppen von Arbeitern, so mit einer Clique, die durch den Zaun hindurch die Flugblätter haben wollte. Hier ging es darum, wie die Monopole die Diktatur in Deutschland haben - wie man es bei den Plänen zur Werksschließung, aber auch der Polizeigewalt sehen kann. Eine Gruppe Leiharbeiter aß im Schatten Eis und als sie hörten, dass wir vom Vorwärtsgang und dann auch noch für Palästina sind, schenken Sie den Verteilern glattweg auch ein Magnum Mandel. Ein anderer Arbeiter berichtete, dass der Vorwärtsgang bei ihnen am schwarzen Brett ausgehängt wird.
Manche Kollegen waren heute aber auch verhaltener, auch die Hetze im Werk nimmt zu gegen vermeintliche Linksextremisten vor dem Tor. Auch die Abwartehaltung war wieder etwas stärker. Nachdem der Betriebsrat am Freitag zunächst eine gemeinsame Erklärung mit dem Werksleiter abgegeben hatte und darin vor allem darauf ausgerichtet hat, in Ruhe und Disziplin hochqualitative Autos zu bauen, greift er nun offensichtlich mehr die kämpferische Stimmung in der Belegschaft auf. So berichtete ein Kollege, dass der Betriebsrat gesagt hätte, wenn es tatsächlich zur Werkschließung kommt, dann fahren wir mit 15.000 Autos im Korso nach Wolfsburg. Der Kollege war aber nicht ganz überzeugt, dass der Betriebsrat wirklich so weit gehen würde. Aber offensichtlich hat der Vorwärtsgang mittlerweile eine Meinungsführerschaft darin errungen, dass tatsächlich erstens die Werksschließung ernst genommen werden muss und tatsächlicher Plan ist und das zweitens dagegen entschlossen gekämpft werden muss.
Ein Arbeiter berichtete: "Wir haben alles bei uns diskutiert, was ihr gesagt hat. Heute haben wir bei uns in der Abteilung eine Versammlung durchgeführt und Unterschriften gesammelt. Der Betriebsrat soll endlich etwas unternehmen. Ich sage dir, hier entwickelt sich was. Bei uns im Bereich haben wir schon einen Kontaktmann zu euch, die haben schon Adressen mit euch ausgetauscht. Hier entwickelt sich was ganz Großes, hier beginnt eine Revolution."
Wieder holte der Werkschutz die Polizei, wieder wurde der Platzverweis mit Gewalt durchgesetzt. Heute war die Polizei allerdings wieder etwas vorsichtiger im Verhalten. Auf die Aufforderung, den Griff am Oberarm bitte zu lockern, da es weh tut, antwortet der Polizist: "Frau Gärtner, sie wollen gar nicht wissen, wie es weh tut, wenn ich wirklich doof werde."
Doch nicht nur die klassenkämpferische Strömung formiert sich, auch die Faschisten mobilisieren ihre Kräfte. Auf dem Rückweg rief ein Faschist, der auch Beschäftigter bei Audi ist, den Verteilern zu: "Schämt ihr euch nicht mit eurem linksversifften Flugblatt?" Lisa Gärtner konterte, mit Stolz für die Arbeiterinteressen und den Sozialismus einzustehen. Auf welcher Seite er denn stünde, bei der AfD oder wie? Er: "Klar bin ich bei der AFD. Alice Weidel-Fan. Ihr seid die ersten, die wir auf Transport schicken werden."
Daraufhin wurde sofort die Polizei angerufen, um Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Als der vorher so lautstarke Faschist das merkte, schlug er sich feige in die Büsche.
Nun mussten die Polizisten, die kurz zuvor mit Gewalt den Platzverweis durchgesetzt und Lisa Gärtner vom Gelände geschoben haben, die Strafanzeige von Lisa Gärtner wegen Volksverhetzung entgegennehmen. Sie zeigten allerdings keine besondere Eile, den Flüchtigen zu finden, obwohl er nicht weit gekommen sein konnte und ein auffälliges Aussehen hatte.
Hier zeigt sich wieder das Wesen der AfD: die Arbeiterfeinde Deutschland schlechthin, die in einer solchen Notsituation Partei für Audi, Polizei, staatliche Gewalt einnehmen und Gewerkschafter, Klassenkämpfer und Marxisten "auf Transport", also ins Konzentrationslager und in den Tod schicken wollen."
Kampf dem Faschismus, auch in Neckarsulm!